Stell dir vor, es war Pfingsten – und keiner macht was daraus

A m Himmel regte sich kein Lüftchen. Nichts deutete auf etwas Besonderes hin. Und irgendwo hinter verschlossenen Türen die Freunde Jesu mit der bangen Frage, wie es denn nun weitergehen sollte, nachdem er sie verlassen hatte. Von Aufbruchsstimmung wirklich keine Spur – eher alle Türen verschlossen.


Nein, mit der großen Überraschung Gottes an diesem Pfingsttag hatte wirklich keiner gerechnet. Aber wer Pfingsten feiert, der ist vor Überraschungen nie sicher. Denn Gottes Geist ist immer für eine Überraschung gut. Er lässt nicht alles beim Alten. Er bringt Menschen in Bewegung. Und plötzlich ist sie da, die Aufbruchsstimmung, mit der niemand gerechnet hatte – ist auf einmal Pfingsten!


Und wir? Unsere Kirche kocht ja oft eher auf Sparflamme, als sich neu entflammen zu lassen. Wir rechnen lieber dreimal nach, ob die Finanzen noch reichen, statt uns auf irgendwelche unberechenbaren Abenteuer mit dem Heiligen Geist einzulassen. Aber wer wirklich Pfingsten feiern will, der ist vor Überraschungen eben nicht sicher. Auch heute nicht — denn Gottes Geist öffnet Menschen den Mund, so wie damals.

Die Worte des Petrus gingen den Zuhörern durchs Herz. Aber warum eigentlich? Wenn sonst irgendwo eine riesige Menge zusammenläuft, dann wird meist von anderen großen Taten oder Missetaten geredet.


Auf Parteitagen von den Taten der Partei, auf Fachkongressen von denen der Wissenschaft, in den Zeitungen von den letzten Verfehlungen der FIFA-Offiziellen… Überall dasselbe Lied: Wir reden eben gern von uns selbst oder über andere. Aber Gottes Geist macht uns den Mund auf, damit wir von unserem Glauben reden, von dem, was uns im Scheitern trägt und was uns Hoffnung gibt. Und wir brauchen in unserer Kirche, aber auch in der Politik, in der Öffentlichkeit, wieder Menschen, die sich von Gottes Geist, von der Ehrlichkeit und Verlässlichkeit, von dem Mut anstecken lassen, die er uns machen kann.


Viele Christen denken aber: Über meinen Glauben reden - das kann ich nicht. Mir fehlen die Worte - und der Mut auch. Aber Gottes Geist kann uns Mut und Worte geben, kann unsere Zunge lösen wie damals, wenn wir damit rechnen, dass er in uns und durch uns wirkt.


Ein arabisches Sprichwort sagt: „Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die einen Mauern, die anderen Windmühlen!“ Gott bietet uns an, nicht Mauern der Angst vor dem Neuen zu bauen, sondern Windmühlen, die er dann in Bewegung bringen kann! Wir können Gottes Geist zwar nicht herbeizwingen: Er weht, wo er will. Aber wir können in der scheinbaren Flaute, in der wir uns als Kirche zur Zeit befinden, Windmühlen aufstellen, um dann den Wind aufs Neue einzufangen, wenn wir ihn spüren.


Aber wenn wir das tun, sollten wir uns auch auf Überraschungen gefasst machen. Denn Gott will uns tatsächlich neu beleben. Sein Geist ist auch heute noch für Überraschungen gut – so wie vor fast 2000 Jahren. Also: Machen wir was draus!