Spitzeldienste an der Lahn

Wir hätten in dieser Woche auch anders titeln können. „Bad Laasphe setzt auf Bußgelder“ hieß es gestern. „Bad Laasphe setzt auf Denunzianten“ wäre auch eine Möglichkeit gewesen. Denn das Ordnungsamt der Lahnstadt möchte beim verständlichen Kampf gegen Hundekot auch die Bürger als Ordnungshüter einsetzen.


Die Aufforderung an die Bad Laaspher, Zivilcourage zu zeigen, und Hundebesitzer, die die Hinterlassenschaften ihrer Vierbeiner auf öffentlichen Plätzen und Straßen nicht beseitigen, anzusprechen, ist sicher gut gemeint und auch wirkungsvoll. Wenig förderlich für ein harmonisches Miteinander in einer Gesellschaft ist es aber, die Bürger öffentlich zu Hinweisen an das Ordnungsamt aufzufordern, bei denen Vertraulichkeit zugesichert wird. Das hat mit Zivilcourage nichts mehr zu tun, sondern drängt den Verdacht der staatlichen Bespitzelung auf.


Schon in der Vergangenheit konnte man den Eindruck gewinnen, dass Hundehalter in der Laaspher Stadtverwaltung eine eher schlechte, ihre Gegner eine recht gute Lobby haben. Darauf deutet im neuerlichen Vorstoß auch ein Hinweis hin, der ebenfalls in der Presseverlautbarung zu finden ist, den wir aber aus gutem Grund nicht veröffentlicht haben: „Keime im Hundekot können auch Kühe und Schafe befallen. So kann es leicht zu kranken Tieren, schlechter Milch oder Fehlgeburten kommen.“


Schon ein Blick auf Wikipedia hätte weitergeholfen: „Werden diese verunreinigten Gräser von den Kühen mitgefressen, kann dies zu Totgeburten führen. Allerdings zeigt eine Studie des Friedrich-Loeffler-Institutes (Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit), dass diese Gefahr der Übertragung als äußerst gering einzustufen ist. Zudem müssen Hunde selbst mit Neospora caninum infiziert sein, um eine Gefahrenquelle darzustellen. Stadthunde seien deshalb, so das Landesamt weiter, „in aller Regel von diesem Infektionsgeschehen ausgeschlossen“.


Natürlich ist es richtig, wenn Bad Laasphe von Hundebesitzern mit Nachdruck einfordert, die Hinterlassenschaften ihrer Hunde zu beseitigen. Denn sie sind ein Ärgernis - übrigens sicher auch für die Mehrzahl der Hundebesitzer. Dazu darf aber einer Kommune nicht jedes Mittel recht sein.