Sehnsucht nach dem "Ankommen"
09.10.2008 | 16:15 Uhr 2008-10-09T16:15:39+0200Raumland. (ghe) Cornelius Kreutz ist nicht Rainer Daus. Sagt der Raumländer Studienrat und Schriftsteller Rainer Daus über den Protagonisten seiner Roman-Trilogie, deren dritter und letzter Band "Das Jesuskind" jetzt auf dem Büchermarkt ist. ...
... Partielle Zweifel sind an dieser Aussage angesichts biografischer Parallelen jedoch erlaubt. Und im Gespräch mit der WR über den Inhalt seiner Bücher, deren Handlungen größtenteils in Wittgenstein spielen, relativiert der 46-jährige Lehrer für Geschichte und Deutsch, seit Anfang des Jahres am Bad Berleburger Johannes-Althusius-Gymnasium tätig, dann auch: "Das ist nicht eins zu eins". Nach "Der Studienrat" und "Die Seelenkrüppel" ist nun "Das Jesuskind" in die Buchläden gekommen.
Protagonist Cornelius Kreutz und seine Sehnsucht nach Liebe sind das Thema des neuen Buches: eine Sehnsucht nach dem "Ankommen", einer Ruheposition, dem Ausruhenkönnen nach einer harten Zeit. Sagt Autor Rainer Daus über Cornelius Kreutz im WR-Gespräch. Das Ankommen bei einer Frau, die ihn so annimmt, wie er ist: die ihn liebt. Drei Frauen könnten da für ihn in Frage kommen. Drei Frauen, von denen jede ihm auch anbietet, mit ihr zusammen zu leben, zu verstehen gibt: Komm zu mir! Und Cornelius Kreutz prüft diese drei Frauen. Welche Frau ist die, mit der er zusammenleben will? Und er weiß die Antwort auf diese Frage: Die, die er vermissen würde. Gibt es tatsächlich unter diesen drei Frauen eine, die er vermissen würde, wenn alle drei Frauen nicht mehr da seien?
Cornelius Kreutz hat gelernt
Und Cornelius Kreutz hat gelernt, weiß nun, dass Liebe keine Einbahnstraße, dass eine Frau nicht nur Sexualobjekt ist. Er zeigt nun menschlichere, emotionalere Züge als in der Vergangenheit. Ein Charakterwandel, den der Leser in der Roman-Trilogie nachvollziehen kann.
Das Thema Liebe - Liebesverlust, Liebesentzug, das Erhalten und das Geben von Liebe - zieht sich durch alle Romane der Trilogie. Wobei Frauenaffären, Sex, aber keine Liebe, eine große Rolle im ersten Band spielen.
In diesem ersten Werk "Der Studienrat" hat Cornelius Kreutz, ein Mann über 40, Karriere gemacht, ist Aufsteiger aus kleinbürgerlichem Milieu, hat "alles" erreicht, als Vorzeigelehrer Anerkennung erfahren. Aber plötzlich stürzt dieses auf Materialismus, Anerkennungsstreben und pure, die Liebe ausklammernde sexuelle Triebbefriedigung gegründete Gebäude wie ein Kartenhaus zusammen. Die Frau hat ihn verlassen, er wird zum Workaholic.
Der Nervenzusammenbruch folgt und führt ihn in die Depression. Cornelius Kreutz steht vor seinen eigenen Trümmern. Er hat sich selbst zerstört. Er fliegt aus dem Schuldienst, ist seelisch erkrankt, erfährt quasi ein psychologisches Nahtod-Erlebnis. Das Licht am Ende dieses Tunnels kommt in Gestalt eines kleinen Jungen, der Cornelius Kreutz rettet, indem er ihm das Wesentliche zeigt: die Liebe zu einem Menschen. Der Junge benötigt die Liebe von Cornelius Kreutz, und dieser wiederum die des Jungen. Cornelius Kreutz hat die Erkenntnis erlangt!
Materialismus reicht nicht aus, der Mensch muss im Mittelpunkt stehen. Aber da eine Erkenntnis alleine nicht weiter hilft, vielmehr Konsequenzen daraus folgen müssen, ist Cornelius Kreutz auch im zweiten Band der Trilogie immer noch ein "Seelenkrüppel". Immerhin, er steht auf, arbeitet wieder als Lehrer (nun mit verringerter Stundenzahl - und hat zwangsläufig kein Geld mehr für Sexaffären wie vor seinem Zusammenbruch).
Existentielle Erkenntnisse sind einschneidend, sie werden aber auch wieder aus dem Bewusstsein verdrängt, wenn die Angst vor ihren Konsequenzen, vor der Reise in das unbekannte, unsichere, womöglich bedrohliche Neuland allzu stark wird. Cornelius Kreutz schafft den Schritt, macht sich auf den Weg und sucht die Gründe, warum er so geworden ist, wie er ist.
Und wird fündig: Der Vater war ihm gegenüber zu dominant, hat ihm stets alle Anerkennung versagt. Cornelius Kreutz bricht alle Brücken ab, verlässt die ihm so wichtige Heimat Wittgenstein, will ein neues Leben beginnen. Und erkennt, dass dies aber nichts anderes als eine Flucht ist...
Band 3, "Das Jesuskind", schließt thematisch an. Aber, so Autor Rainer Daus im Gespräch mit der WR, jeder Band schildert eine abgerundete Geschichte, ist also auch einzeln lesbar. Die Vorgeschichte ist in Band 2 bzw. 3 nachvollziehbar.
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