Schweres Geschütz gegen Bundesfernstraße
12.03.2009 | 19:00 Uhr 2009-03-12T19:00:00+0100
Stünzel. Das Informationsbedürfnis und der Wunsch nach Diskussion sind groß. Das zeigte sich am Mittwochabend in Stünzel. Dort hatte der Kreisverband Bündnis90/Die Grünen zu einem Meinungsaustausch über die Bundesfernstraße Kreuztal-Hattenbach und die so genannte FELS eingeladen.
Die Grünen hatten das Straßenbauprojekt als ein „leeres Versprechen” für Wittgenstein bezeichnet und so Befürworter wie Gegner zum Gedankenaustausch gereizt. Die Resonanz sprach Bände. Die kleine „Stünzeler Kaffeestube”, die ansonsten 45 Menschen Platz bietet, wurde von 65 dicht gedrängt sitzenden Besuchern gefüllt.
Die Stellv. Fraktionssprecherin der Grünen im Kreistag, Anne Bade, konnte mit dem Landtagsabgeordneten Johannes Remmel, dem Kreisverbandssprecher Dr. Peter Neuhaus und Michael Poser, dem Sprecher der Aktionsgemeinschaft der Bürgerinitiativen gegen die FELS, drei Gegner der Straßenplanung begrüßen.
Nicht im Bundesverkehrswegeplan
Poser erläuterten den Anwesenden den Verlauf der Bundesfernstraße und der FELS und fasste die Hauptkritikpunkte zusammen: Grundsätzlich handele es sich um drei Projekte, die Südumgehung Kreuztal, die dreispurigen Ferndorf-Eder-Lahn-Straße und die sogenannten Entwicklungsachse Kreuztal-Hattenbach. Während die Südumgehung planerisch sehr weit sei, handele es sich bei den anderen beiden um grobe Planungen, die zudem nicht im Bundesverkehrswegeplan zu finden seien.
Poser bezweifelte den Nutzen der Trasse und unterlegte dies mit Zahlen aus dem Jahr 2005: Demnach lägen die Durchgansgverkehre bei einem autobahnähnlichen dreispurigen Ausbau mit Zusatzspur in Buschhütten zwischen 38 000 und 55 000 Fahrzeugen am Tag. In Erndtebrück seien es zwischen 20 000 und 30 000.
Keine Entlastung für Ortschaften
Klar sei aber, dass die Bundesfernstraße noch mehr Durchgangsverkehr anziehen werde, der bislang das Rothaargebirge meide. Gerade auch für Lkw sei die Bundesfernstraße attraktiv, da sie, anders als Autobahnen, nicht mautpflichtig wäre.
Als Ersatz für Ortsumgehungen oder die Anbindung Wittgensteins an Hessen an das Siegerland tauge die Straße nicht, da sie zuwenig Abfahrten haben werde. Gerade aber in Wittgenstein belaste der Ziel- und Quellverkehr die Orte - nicht der Durchgangsverkehr, so Poser.
Von den Kilometern her sei die neue Trasse mit 152 Kilometern nur um 11 kürzer als der Weg über die Autobahn von Olpe über Gießen nach Hattenbach.
Arbeitsplatz-Argument ziehe nicht
Der Sprecher der Bürgerinitiativen gegen die FELS zitierte den CDU-Bundestagsfraktionsvorsitzenden Ronald Pofalla, der Straßenbauprojekte nur dann als wirtschaftlich betrachtet, wenn sie den Faktor 3,0 erfüllten. Im günstigen Berechnungsfall kämen aber sogar die hiesigen Befürworter nur auf den Faktor 2,3 bei einem vierstreifigen Ausbau.
Auch naturschutzrechtliche Bedenken streifte Poser in seinem Vortrag.
Befürworter unterstreichen Bedarf an Verkehrsverbindung
Befürworter der Straße wie Heiner Trapp aus Bad Berleburg oder Uwe Weinhold aus Berghausen monierten, dass die Straße für die Mittelständischen Unternehmen und die Berufspendler aus Wittgenstein wichtig sei. Außerdem kritisierte Weinhold, dass die Kommunen Wittgensteins für den Bau der Straße seien, die Grünen aber suggerierten es gebe sehr großen Widerstand.
Dem hielten Remmel, Neuhaus und Poser entgegen, dass es außerhalb der politischen Gremien viele Gegner gebe. Auch das Arbeitsplatz-Argument ziehe nicht. Die Arbeitslosenquote der Region sein eine der niedrigsten in NRW. Durch eine bessere Verehrssituation würde sich diese Situation sogar verschlechtern, weil es mehr Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt und zwischen Firmen geben werde und zudem die Kaufkraft abfließe.
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