Schule im Wandel: Kinder individuell fördern

Was wir bereits wissen
„Es war ein Glücksfall, dass es diese Schule hier gab“, betont Oberstudiendirektor Winfried Damm und erinnert an seine Jugendzeit.

„Es war ein Glücksfall, dass es diese Schule hier gab“, betont Oberstudiendirektor Winfried Damm und erinnert an seine Jugendzeit.

In seiner heutigen Form existiert das Städtische Gymnasium Bad Laasphe seit 1980. Damals wurde dem Aufbaugymnasium, das im Jahr 1923 als „Deutsche Oberschule in Aufbauform“ gegründet worden war, ein Gymnasium angegliedert, das Schüler ab der fünften Klasse besuchen können. Bis dahin war das erst ab der achten Klasse möglich.

Glücksfall

„Es war ein Glücksfall, dass es diese Schule hier gab“, betont Oberstudiendirektor Winfried Damm und erinnert an seine Jugendzeit: In den 1960er Jahren waren viele Eltern auf dem Land nicht auf das Gymnasium bezogen – insbesondere jene, die selbst keine akademischen Berufe hatten. Die Kinder der Dörfer besuchten in der Regel die achtjährige Volksschule und nach deren Abschaffung, zunächst vier Jahre die Grund- und danach meist die Hauptschule. Schüler, die bis in die fünfte, sechste oder siebte Klasse noch in der Volks-, Haupt- oder Realschule saßen, hatten damals kaum eine Möglichkeit, noch auf ein Gymnasium zu wechseln und Abitur zu machen, erklärt Winfried Damm und betont: „Außer, die Schüler hatten das Glück und es gab in der Nähe ein Aufbaugymnasium!“

Und so war Laasphe schon früh Anziehungspunkt für junge Menschen aus Wittgenstein und dem hessischen Hinterland. Im Grunde folgen das Aufbaugymnasium mit vorgeschalteter Volksschule einem sehr modernen Prinzip: dem längeren, gemeinsamen Lernen. Mitte der 1960er Jahre wandelte sich allmählich die Rolle der grundständigen Gymnasien. Eine Forderung jener Zeit lautete: „Die Begabungsreserven aktivieren!“

Besonders in den vergangenen Jahren sind neue Konzepte in die Schule eingezogen – Stichwort: Individuelle Förderung. Diese Lehrphilosophie sehe Schüler nicht mehr als homogene Gruppe, sondern rücke die Heterogenität in den Fokus.

Und die Lernorte haben sich spürbar verändert: Mit längeren Unterrichtszeiten kam die Verpflegung in die Schule, ebenso Betreuungsangebote für Kinder berufstätiger Eltern. „Und die Schülerschaft wird bunter“, sagt Damm und denkt beispielsweise an Inklusion und an Kinder aus Zuwanderer-Familien. Darüber hinaus habe sich die Zusammenarbeit mit den Eltern intensiviert.

Kaum verändert hätten sich dagegen die Schülerzahlen, die in den vergangenen 30 Jahren im Mittel zwischen 800 und 900 Jungen und Mädchen pendelten. In Zukunft könnte sich das Werben um Schüler allerdings verschärfen, vermutet Winfried Damm. Einerseits sinken die Geburtenraten, andererseits seien durch die Schulzeitverkürzung und den doppelten Abiturjahrgang vor anderthalb Jahren auf einen Schlag rund zehn Prozent der Schüler verschwunden. Besonders in Bad Laasphe ist die Situation spannend, existieren hier doch seit Jahrzehnten zwei Gymnasien Seite an Seite – in der Stadt und auf Schloss Wittgenstein. „Das war aber nie ein Problem. Wir haben immer gut zusammengearbeitet, seit Anfang der 80er Jahre sogar bei Kurangeboten miteinander kooperiert“, berichtet Winfried Damm und lenkt den Blick abschließend auf die Schüler selbst.

Wenn überhaupt, dann habe er an den Lernenden nur eine besondere Veränderung ausmachen können: das Handy. Weil Wissen damit als jederzeit verfügbar gelte, würden Information nicht mehr so intensiv aufgenommen wie früher. „Das ist zwar kein gutes Gefühl, aber damit muss Schule umgehen!“