Schmale L 903 wird für Lkw-Fahrer zur Falle

Vorsicht, Leitungsmast! Gerade für ortsunkundige Lkw-Fahrer können schmale, kurvige und schlechte Straßen in Wittgenstein zur Falle werden.
Vorsicht, Leitungsmast! Gerade für ortsunkundige Lkw-Fahrer können schmale, kurvige und schlechte Straßen in Wittgenstein zur Falle werden.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Immer wieder verirren sich Lkw auf die L 903. Die Ausreden der Fahrer sind oft sehr ähnlich, sagt Achim Hagelauer von der Polizei Siegen-Wittgenstein.

Puderbach/Richstein.. „Das ist wirklich eine Katastrophe.“ Eine Leserin aus Bad Berleburg erlebt es auf dem Weg zur Arbeit im Raum Bad Laasphe immer wieder, dass sich „Riesenlaster mit Anhänger“ über die Landstraße 903 zwischen Richstein und Puderbach quälen – eine schmale, kurvige Strecke, die noch dazu mit Schlaglöchern gespickt ist.

Sie vermutet, dass unzureichende Navigationsgeräte die ortsunkundigen Lkw-Fahrer auf die falsche Fährte führen. Achim Hagelauer, bei der Polizei Siegen-Wittgenstein Leiter der Direktion Verkehr, ist das Problem nur allzu bekannt. Die Tonnage auf der ohnehin schlechten Landstraße 903 ist auf 3,5 Tonnen beschränkt. Inwieweit kontrolliert hier die Polizei, ob diese Regelung eingehalten wird?

Achim Hagelauer: Aufgrund von Beschwerden unter anderem hinsichtlich der Nicht-Beachtung des Verkehrsverbotes für Kraftfahrzeuge über 3,5 Tonnen zulässige Gesamtmasse (zGM) wurde die Strecke von der Polizeiwache Berleburg im Juni gezielt überwacht. Dabei wurde bei acht Kontrollen zu unterschiedlichen Zeiten allerdings kein Verstoß festgestellt.

Welche Begründungen für ihr Fehlverhalten nennen ertappte Lkw-Fahrer nach Ihrer Erfahrung?

Auch wenn im konkreten Fall keine Verstöße festgestellt wurden, sind die Begründungen bei festgestellten Verstößen meist ähnlich: Es wird ein Pkw-Navi benutzt, bei dem Lkw-spezifische Verkehrsverbote nicht berücksichtigt sind – und man sei dadurch „in die Irre geleitet worden“. Bei Erkennen des Verbotes erscheint ein Wenden oder Zurückfahren zu aufwändig – und der Fahrer „fährt einfach durch“.

Welche Strafen drohen?

Bei Abschätzen des Risikos, der eingesparten Zeit und der Höhe des Verwarngeldes von 20 Euro war vielen Lkw-Fahrern bislang egal, wenn sie „erwischt“ werden. Das hat sich durch Neufassung des Tatbestand-Kataloges seit 2013 geändert: Den Fahrer erwartet jetzt ein Bußgeld von 75 Euro und ein Punkt in der Flensburger Verkehrssünder-Datei.

Warum fehlt in Lkw das richtige Navigationsgerät so oft? Und warum ist es so wichtig?

Navis für Pkw zeigen keine Strecken-Verbote oder -Begrenzungen für Lkw an. Spezielle Navigationsgeräte und dazugehörige Software für Lkw sind teurer als die Standardprodukte, so dass solche Geräte nur bedingt geeignet sind. Kommen dann noch Sprach- oder Verständigungsprobleme dazu, kommt es nicht selten zu den „Fehlleitungen“.

Hat es auf der L 903 bereits Einsätze von Polizei und/oder Rettungskräften gegeben, weil ein Lkw auf der engen und kurvigen Strecke einfach „steckengeblieben“ ist? Aktuell sind polizeilich keine Fälle bekannt. Ein Einsatz wegen eines „hängengebliebenen“ Lkw-Anhängers liegt mehrere Monate zurück.

Lässt sich das Problem überhaupt in den Griff kriegen?

Verglichen etwa mit zu hohem Tempo auf den Straßen, dem „Killer Nummer eins“, ist es kein wirkliches Problem. Sicher: Im Rahmen der Möglichkeiten findet polizeiliche Überwachung statt und das Entdeckungsrisiko ist relativ gering – aber die Bußgeld-Androhung plus Punkt in Flensburg wirkt präventiv abschreckend. In Bereichen, wo etwa Gefahren oder erhebliche Schäden für Infrastruktur drohen – denken Sie an die Leverkusener Rheinbrücke im Verlauf der Autobahn A 1 – ist es mittlerweile möglich, durch automatische Erfassung ähnlich der bekannten Starenkästen eine 24-stündige Überwachung zu fahren und die Verstöße auf ein Minimum zu reduzieren. Deren Zahl ist aber nicht vergleichbar mit der hiesigen Situation auf einigen Bundes-, Landes- und Kreisstraßen.