Rundum-Versorgung macht Diabetiker-Treffen überflüssig

Ute Boshof-Schaumann, Diabetes- und Ernährungsberaterin in der Kur-Apotheke Wolter, stellt die Organsatorische Arbeit für den Diabetiker-Treff Bad Berleburg ein.
Ute Boshof-Schaumann, Diabetes- und Ernährungsberaterin in der Kur-Apotheke Wolter, stellt die Organsatorische Arbeit für den Diabetiker-Treff Bad Berleburg ein.
Foto: Christoph Vetter
  • Nach über 20 Jahren „lohnt“ sich die Diabetiker-Selbsthilfegruppe nicht mehr
  • Der personelle und logistische Aufwand stehe nicht mehr im Verhältnis, so die Expertin
  • Die digitale Informationstechnologie hat die Notwendigkeit der Treffen verdrängt

Bad Berleburg/Wingeshausen..  In der Selbsthilfegruppe Erfahrungen austauschen über die Krankheit, die Betroffene verbindet – das war die Intention des Ehepaares Manfred und Christine Joksch (beide † 2015), als es vor über 20 Jahren den Diabetiker-Treff Bad Berleburg gegründet hat. Regelmäßig kamen einmal im Monat zwei Dutzend Menschen im Berleburger DRK-Haus zusammen, um von Fachreferenten wertvolle Tipps für den Umgang mit ihrer Krankheit zu bekommen. Diese Tradition neigt sich jetzt dem Ende zu.

Das Gesellige kam nicht zu kurz

„Wir müssen der Entwicklung ins Auge schauen und die veränderten Bedingungen erkennen“, begründet Ute Boshof-Schaumann. Die 59-jährige Ernährungs- und Diabetesberaterin aus der Müsse hat sich zwölf Jahre um das Gruppenleben gekümmert, hat Vorträge mit verschiedenen Themen organisiert, hat die Treffen koordiniert und auch dafür gesorgt, dass das Gesellige beim Grillen oder den Weihnachtsfeiern nicht zu kurz kam. Tatkräftige Mitstreiterin ist stets Ruth Saßmannshausen aus Aue gewesen, die nicht nur als Kassenwartin das Sparschwein gehütet, sondern häufig die Tische mit Blumen aus dem eigenen Garten dekoriert hat.

„Aber nun sind es zu wenige Interessenten geworden, der personelle und logistische Aufwand steht nicht mehr im Verhältnis“, bedauert Boshof-Schaumann diese Entwicklung. Denn „es tut schon weh, wenn tolle Referenten teilweise von weit her kommen, und dann sitzen da nur vier, fünf Interessierte“. Immerhin sei es gelungen, die Fachleute bei den Vorträgen honorarfrei engagieren zu können. Oftmals waren das auch Experten aus Wittgenstein, die praktische Tipps für den Alltag mit Diabetes gegeben haben.

Es wurden immer weniger

Zwölf Jahre lang hat die Beraterin erlebt, wie wichtig Aufklärung über die gemeinsame Krankheit gerade für ältere Menschen gewesen ist, wie sehr die Teilnehmer von den sozialen Kontakten profitiert haben. Aber es wurden immer weniger.

Einen Grund dafür sieht Ute Boshof-Schaumann auch darin, „dass die Versorgung der Diabetiker durch Ärzte, Krankenkassen und Apotheken heute so gut ist wie noch nie“. Im Internet können sich Betroffene selbst informieren, über jedes kleinste Detail – und das bequem von zu Hause aus. Das nutzen offenbar besonders jüngere, an Diabetes erkrankte Menschen in Wittgenstein, für die eine Selbsthilfegruppe womöglich „altmodisch und überflüssig“ erscheint. Eine derartige Versorgung gab es zu Zeiten des Ehepaares Joksch einfach nicht. Viele Wittgensteiner sind seit Mitte der 1980er-Jahre nach Freudenberg zu regelmäßigen Treffen gefahren – der Bedarf, eine eigene Gruppe in Bad Berleburg zu gründen, war dementsprechend groß.

Als Diabetes- und Ernährungsberaterin ist die gelernte Medizinisch-Technische Assistentin Ute Boshof-Schaumann in der Berleburger Kur-Apotheke angestellt. Dort hat das ganze Team inklusive Apotheker Karsten Wolter die Arbeit für den Diabetiker-Treff in vielerlei Hinsicht unterstützt. Doch nun soll die Regie abgegeben werden. „Vielleicht findet sich jemand mit neuen Ideen, um frischen Wind in die Gruppe zu bringen. Ich würde dann auch nochmal gerne zu einem Treffen kommen“, hofft Boshof-Schaumann auf neue Impulse.

Letztes Treffen im November

Sie lädt abschließend noch einmal zum letzten Diabetiker Treff am Montag, 7. November, ins DRK-Haus, Ederstraße 70, ein. Dann referiert um 19 Uhr Orthopädie-Schuhmachermeister Florian Roth aus Erndtebrück.

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