Rotbunte „Athena“ ist die schönste aller Kühe

Stünzel..  Es war fast schon ein Sieg mit Ansage. „Atlanta wird nicht gewinnen, sie ist gerade bei einem anderen Wettbewerb von ihrer Vollschwester geschlagen worden“, erklärt Stefan Grenz kurz vor der Bekanntgabe der Gesamtsiegerkuh. Die zweifache Preisträgerin Atlanta siegte wie angekündigt nicht, dafür wurde erstmals Athena, die Schwester zur „Miss Wittgenstein“ gekürt. Beide haben die gleiche Mutter und den gleichen Vater.

Mehrere Tausend Besucher wollten sich am Samstag die Tierschau des Landwirtschaftlichen Kreisvereins und den riesigen Krammarkt bei seiner 183. Auflage nicht entgehen lassen – auch nicht Ernst Frank aus Beddelhausen. In der Sparte Kaltblüter dreijährige Stuten heimste er den Ehrenpreis ein, das war aber längst noch nicht alles: Er hat zum 70. Mal am Stünzelfest teilgenommen.

„Für uns Landwirte ist das wie Weihnachten.“ Frank kann sich sogar noch an die Anfänge erinnern. „Damals sind wir um 2.30 Uhr aufgestanden und sind dann nach Stünzel gelaufen“, so der wohl älteste Beschicker in diesem Jahr.

Ganz besonders hat sich die Fahrt auf das Hochplateau für Matthias Krug gelohnt. Die Glücksfee hatte zur Mittagszeit genau das richtige Los aus dem Karton gefischt und ihm das Kälbchen mit dem klangvollen Namen „Flair“ aus dem Stall von Ulrich Henk aus Arfeld beschert. Die Schwarzbunte muht bald in Beckers Stall in Grund im Siegerland.

Jungen Leute sollen ihr Ding machen

Es war übrigens noch jemand, der auf einen wichtigen Lebensabschnitt zurück blicken konnte – das war der ehemalige und langjährige Vorsitzende des Kreisvereins. Wie fühlt sich Helmut Dreisbach jetzt als Zivilist? „Wenn man sieht, dass beim Tagesgeschäft alles läuft, ist man zufrieden. Die jungen Leute sollen ihr Ding machen. Das passt schon,“ lobt er die Organisatoren um den neuen 1. Vorsitzenden Karsten Hof, und der konnte nicht nur Vertreter der drei Kommunen und der beiden Rentkammern begrüßen. In seiner Antrittsrede als Landrat forderte Andreas Müller, dass hochwertige Lebensmittel nicht zu Dumpingpreisen angeboten werden dürfen. „Außerdem möchte ich, dass die Landwirte weiterhin von ihrer Arbeit leben können“, so der Chef der Kreisverwaltung.

Das scheint allerdings in dieser Region nicht so der Fall zu sein. In seiner Festrede lobte Dr. Christian Mohr zwar die „naturnahe Produktion“, gleichzeitig machte der Leiter der Bezirksstelle für Agrarstruktur aus Meschede aber deutlich, dass hier „80 Prozent der Betriebe im Nebenerwerb geführt werden – und das gebe es sonst nicht oft“.

Neben Ernst Frank und Helmut Dreisbach gab es am Wittgensteiner Nationfeiertag noch jemanden, der auf eine ansehnliche Zeitspanne zurückblicken konnte: Friedhelm Wilke, der 25 Jahre eine Festwirtschaft übernommen hatte und am Samstag zum ersten Mal vor der Theke stand. „Ach, das ist auch mal ganz schön“, so der ehemalige Lindenwirt. Sein Sohn Thorsten formulierte den Abschied aus dem Bierwagen so: „Er hat dabei ein Wechselbad der Gefühle durchlitten.“

Groß war der Andrang auch bei den Freiluft-Discountern und somit auch bei Tanja Lebeck, die mit ihrem Stand aus Köln angereist war. Ihre in Hamminkeln gefertigten Keramikpfannen haben einen großen Vorteil: Hier kann ruhig mal etwas anbrennen. Nichts anbrennen lassen hat nach dem Stünzelfest wohl Matthias Krug. Das neue Kälbchen ist entsprechend begossen worden.