Rohre, die alle Welt braucht, kommen aus Erndtebrück

Die Vertreter der Inhaber-Familien: Christop Schorge, Christina Dietze und Vorstandsprecher Jörg Schorge (v.l.)
Die Vertreter der Inhaber-Familien: Christop Schorge, Christina Dietze und Vorstandsprecher Jörg Schorge (v.l.)
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Das ist wahrlich ein Grund zu feiern. Aus einer kleinen Schlosserei, wie es sie zu Dutzenden in Südwestfalen gegeben hat, ist ein weltweit angesehenes Unternehmen geworden. Das Erndtebrücker Eisenwerk feiert 75-jähriges Jubiläum.

Erndtebrück.. Das ist wahrlich ein Grund zu feiern. Aus einer kleinen Schlosserei, wie es sie zu Dutzenden in Südwestfalen gegeben hat, ist ein weltweit angesehenes Unternehmen geworden. Das Erndtebrücker Eisenwerk feiert 75-jähriges Jubiläum.

Diese Unternehmensgeschichte sucht ihres Gleichen und ist vor allem von zwei Faktoren geprägt: Dem unternehmerischen Mut und Geschick der Inhaber-Familien Schorge und Hein und dem Engagement der mittlerweile 1500 Mitarbeiter in Erndtebrück, Deutschland und Übersee.

Vor allem mit Know-how hat das EEW als Hersteller von Rohrkonstruktionen für die Off-Shore-Förderung von Öl und Gas oder von Windkraftanlagen Kunden in der ganzen Welt gefunden und überzeugt. Dies, so finden die EEW-Gesellschafter Jörg und Christoph Schorge und Christina Dietze, geb. Hein, ist ein Grund zum Feiern - aber es sei auch einer zum Danke sagen.

„Diese Kontinuität, besonders in den letzten 35 Jahren, verdanken wir dem Leistungswillen und der Leistungsbereitschaft unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Ohne die kann man sich gegen die Konkurrenz nicht durchsetzen“, weiß Geschäftsführer Jörg Schorge, der seit 36 Jahren in der Unternehmensleitung arbeitet.

Schorge erinnert sich noch gut an seine Anfänge im Familienunternehmen. 1974, nach dem plötzlichen Tod seiner Schwiegermutter, der Firmeninhaberin Elise Klein, wurden Gisela und Jörg Schorge gefragt, ob sie in das Unternehmen einsteigen wollten. 1975 übernahm der damalige Mittzwanziger schließlich die Führung und veränderte die Firma grundlegend.

1936 gegründet

In dem 1936 von Hermann Klein als Erndtebrücker Eisen- & Blechwarenwerk GmbH gegründeten Betrieb wurden alle möglichen Arten von Behältern aus Metall und Blechkonstruktionen hergestellt. Neben Warmwasser- oder Heizöltanks schweißten die Erndtebrücker hier auch für das Mittelgebirge so exotische Dinge wie Ankerbojen zusammen. Allerdings geschah dies – wie in vielen vergleichbaren Siegerländer Unternehmen auch – nicht nach eigenen Plänen. Von 1950 bis 1973 wurden schließlich hauptsächlich Heizöltanks hergestellt. Schon ab 1952 hieß die Firma auch „Erndtebrücker Eisenwerk Hermann Klein & Co. GmbH“. Von Blech war keine Rede mehr. Aber auch mit Heizöltanks war Mitte der 1970er Jahre kein Geld mehr zu verdienen.

Erfolgreich spezialisiert

Weg von der Generalisierung, hin zur Spezialisierung lautete die Devise. Die Produktion wurde auf große, unter Pulver geschweißte Stahlrohre und Rohrkonstruktionen umgestellt.

Maßgeblichen Anteil daran, dass aus dieser Spezialisierung auch ein Erfolg wurde, hatte eine weitere Personalentscheidung. 1977 kam mit Paul Gerhard Hein ein zweiter Geschäftsführer und 50-prozentiger Mitinhaber ins Eisenwerk-Boot. Christina Dietze berichtet über ihren Vater, dass der damals 57-Jährige „seit seiner Lehre in der Rohrbranche tätig war und neben unternehmerischem Geschick auch zahlreiche nationale und internationale Kontakte mit in die Firma brachte“.

1500 Mitarbeiter

Jörg Schorge ergänzt, dass Hein „mit seiner Ruhe und Erfahrung der richtige Gegenpol für mich, den ungeduldigen 27-Jährigen, gewesen ist“. Leider sei Hein 1994 gestorben und habe nicht mehr mitbekommen, wie sich eine gemeinsam getroffene Entscheidung als bedeutend für das Eisenwerk herausgestellt habe. Die Produktion wurde auf neue Verformungstechniken umgestellt, die es möglich machten, Rohre von bis zu zwölf Metern Länge ohne Rundnaht herzustellen.

Was vor 75 Jahren einmal als kleine Schlosserei begann, zählt heute 1500 Mitarbeiter - 500 davon allein am Stammsitz in Erndtebrück. 25 Auszubildende hier zeugen davon, dass EEW auch zukünftig an seinem Stammsitz festhalte, so Christoph Schorge weiter.

Großes Fest am 17. September

Für Samstag, 17. September, lädt das Erndtebrücker Eisenwerk seine Mitarbeiter, die Erndtebrücker Bevölkerung und zahlreiche weitere Gästen aus nah und fern auf das Betriebsgelände des Stammwerkes, im Grünewald 2, in Erndtebrück ein, um das 75-jährige Jubiläum zu feiern.

Von 11 bis 16 Uhr wartet hier ein Programm, das wenige Wünsche offen lässt. Es gibt begleitete und freie Betriebsführungen. Aber daneben soll der Spaß bei Fahrten auf einer Go-Kart-Bahn, bei Live-Musik, Essen und Trinken nicht zu kurz kommen. Für die jüngsten Besucher sorgen Stelzenläufer, ein Nostalgie-Autokarussell, die Riesen-Titanic-Rutsche oder die Ballon-Modellage für Unterhaltung. Dazu gibt es auch Popcorn und Zuckerwatte. Ganz, ganz Mutige können sich an diesem Samstag auch einen Überblick verschaffen. Dazu finden Hubschrauber-Rundflüge statt.

Wer mit dem Auto zum Festgelände fahren will, findet hier Parkmöglichkeiten auf den Mitarbeiter-Parkplätzen. Darüber hinaus wird aber auch der aus Siegen bekannte „Hübbelbummler“-Bus zwischen der Erndtebrücker Ortsmitte und dem Betriebsgelände pendeln. Er hält dann an den üblichen Bushaltestellen.

Spendenkonto
für guten Zweck

Wichtig nebenbei: Alle Speisen und Getränke werden 50 Cent kosten. Die Einnahmen hieraus werden dann karitativen Einrichtungen gespendet.

Eine Hälfte geht an die Ehe- und Familienberatungsstelle in Siegen, für die sich Mitinhaberin Christina Dietze sehr engagiert. Die andere Hälfte geht laut Geschäftsführer Jörg Schorge an den Verein zur Förderung spastisch Gelähmter und anderer Behinderter in Wittgenstein. Statt Gastgeschenken oder Blumen bitten die Eisenwerke um Geldspenden. Zum Jubiläum habe man eigens ein Spendenkonto unter der Nummer 39222 bei der Sparkasse Wittgenstein (BLZ 46053480) eingerichtet, so Christoph Schorge. Auch diese Gelder fließen den oben genannten Organisationen je zur Hälfte zu.