Richter ist Zeuge

Mit Karte bezahlt, aber das Konto war blank. Das wusste der junge Mann, dem dieses Verhalten gestern als Straftat vor Gericht vorgeworfen wurde – Betrug. Er hatte in Altenhundem eine Jeans gekauft, die 29,99 Euro mit der Karte beglichen und den Verkäufer auf den Miesen sitzen lassen. Bis gestern. Denn das inzwischen eingeschaltete Inkasso-Unternehmen hatte aus Hamburg einen Mitarbeiter nach Berleburg entsandt und der rechnete vor, dass der ursprüngliche Jeans-Preis mittlerweile durch Mahn- und Eintreibungsgebühren auf stolze 100 Euro angewachsen ist. Mit „Kann ich hier bezahlen?“ verblüffte der Angeklagte alle im Gerichtssaal; aber er zückte sofort drei Zehner und hielt sie dem Eintreiber hin. Der nahm das Geld gleich an, bedauerte allerdings, dass er keine Quittung ausstellen könne, um gleichzeitig zu gestatten, „dass die restlichen 70 Euro in Raten“ überwiesen werden können. Keine Quittung? Ruck Zuck wurde der Abschluss des Jeans-Kaufes ins Protokoll aufgenommen. Richter Hoffmann ist nicht nur Zeuge; er stellte das Verfahren in diesem Punkt auch gleich ein.