Reparieren statt Wegwerfen

Hilchenbach..  30 Jahre lang ist die Küchenmaschine ohne Probleme gelaufen. Vergangene Woche dann sagte sie auf einmal keinen Mucks mehr. Was nun? Wegwerfen? Glücklicherweise hatte die Eigentümerin vom neuen „Repair Café“ in Hilchenbach gehört, das jetzt in den „KlimaWelten“ in der früheren Florenburgschule erstmals für zwei Stunden geöffnet war. Und siehe da: „Das kostet gerade mal zehn Cent“, stellte Matthias Lagemann schon nach wenigen Minuten fest. Der ehemalige Lehrer am Gymnasium Stift Keppel hielt eine durchgebrannte Sicherung in der Hand und konnte seine erste Kundin zufrieden nach Hause schicken, mit einem Hinweis, wo sie Ersatz bekommt. Denn den gibt es in der alten Schule ganz bewusst nicht.

Kunden dürfen gern mithelfen

„Wir wollen nicht in Konkurrenz zu professionellen Werkstätten treten“, erklärt Ingrid Lagemann, die Vorsitzende des Vereins Klimabildungsstätte Südwestfalen. Das Repair Café soll vielmehr künftig an jedem vierten Samstag im Monat zwischen 13 und 15 Uhr zu einer Plattform werden, in deren Rahmen verschiedene Experten ehrenamtlich zur Verfügung stehen, die bei allen möglichen Reparaturen an elektrischen Kleingeräten, Fahrrädern, Spielzeug oder Kleidung kostenlos mit Rat und tatkräftiger Unterstützung helfen. Nach Möglichkeit werden die Besitzer der Objekte auch in die Reparatur einbezogen, können und sollen auch selbst einmal zum Schraubenzieher greifen, wenn das Problem erkannt und lösbar ist.

Die Idee, dem Wegwerftrend entgegenzuwirken, entstand 2009 in den Niederlanden und entwickelte sich zu einer Stiftung mit internationaler Wirkung. Die Hilchenbacher werden von dort unterstützt und unter anderem mit den nötigen Formularen versorgt. Denn: Die Kunden bleiben nicht unbekannt, müssen Namen, Geschlecht und Alter angeben und werden auch hinterher um ein „Feedback“ gebeten. Dabei gibt es hier natürlich keine Gewähr. „Wir sind kein professionelles Unternehmen“, betont Ingrid Lagemann noch einmal, die mit Freude die zahlreichen Nutzer gleich des ersten Tages zur Kenntnis nahm. Sie zeigte sich überrascht, „wie viele Menschen schon angerufen haben, obwohl es gar nicht soviel Werbung gab“. Auch die Klicks auf der Facebook-Seite belegten das große Interesse.

Fahrradexperte kommt auch noch

Da wird eine Kaffeemaschine gebracht, eine Wetterstation, eine Bohrmaschine und beschädigte Kleidung, die gleich unter die Nähmaschine kommt. Für das nächste Mal ist auch ein Fahrradexperte angekündigt. Und auch sonst haben die Männer und Frauen ein offenes Ohr für jeden und jedes Problem. Wenngleich sie sich vorbehalten, die Reparatur abzulehnen, wenn es eben nicht geht. Lob gab es am ersten Tag von vielen Seiten, auch von Besuchern aus dem niederländischen Den Helder, die ebenfalls ein solches Café „zu Hause“ haben.