„Problem liegt immer am oberen Ende der Leine“
03.09.2010 | 13:31 Uhr 2010-09-03T13:31:00+0200
Stünzel.Jeder weiß, dass es auf Wittgensteiner Terrain kein Tierheim gibt. Was nicht jeder weiß – es gibt dafür aber eine Tierauffangstation.
Heinrich Stenger sorgt auf Stünzel dafür, das Hund und Katze wieder zu ihrem Halter kommen. Das klappt sehr oft – aber nicht immer. Der Polizist im „Unruhestand“ kennt leider auch viele Geschichten, die durchaus einen traurigen Hintergrund haben.
Im Auftrag der Polizei oder der Ordnungsämter fängt Heinrich Stenger ausgebüxte und ausgesetzte Haustiere wieder ein – längst nicht nur Hunde und Katzen. „Sicherstellen” heißt das im Fachjargon. Über seine Arbeit und über die Auffangstation auf Stünzel könnte er ein Buch schreiben, schließlich sind es um die 100 Tiere pro Jahr.
Die allermeisten kann der Wittgensteiner in relativ kurzer Zeit den rechtmäßigen Eigentümern wieder zuführen, beispielsweise den Schwan aus Herbertshausen.
Lässt sich der Halter nicht ermitteln, da weder Halsband noch Steuermarke vorhanden sind, muss Heinrich Stenger das Tier sechs Monate als so genannte „Fundsache“ aufbewahren.
Dass der Stünzeler mit dem Aufbau der Tierauffangstation beauftragt wurde, hat zwei Gründe: Von 1971 bis zur Pensionierung im Jahr 1999 hat er bei der Polizei als Hundeführer gearbeitet. Zudem gibt es auf Wittgensteiner Terrain kein Tierheim. Seit fast 20 Jahren landet alles, was kreucht und fleucht und weder Frauchen noch Herrchen hat, auf Stünzel. Heinrich Stenger hat schon viele Tierhalter glücklich gemacht, wenn er ausgerissene Tiere und Eigentümer zusammengeführt hat. Für ausgesetzte Tiere kümmert er sich sich um ein neues Zuhause. Wenn er verwilderte Tiere aufgreift, versucht er sie zu sozialisieren.
Stenger weiß, dass das Problem bei der Tierhaltung immer am oberen Ende der Leine zu finden ist. Deshalb hat er Tafeln mit Erziehungsrichtlinien aufgestellt, die er gerne an potenzielle Halter weiter gibt. Parallel dazu prangert Heinrich Stenger die Vermenschlichung der Tiere an. Das spiegelt sich auch in seiner Hundeschule wider, die er seit 1973 auf Stünzel betreibt.
Stenger setzt bei der Erziehung auf Autorität. „Hunde gehören nicht auf das Sofa“, so das Credo des ehemaligen Vorsitzenden der Rottweiler-Bezirksgruppe. Folgt der Hund den Anweisungen von Herrchen und Frauchen, muss er umgehend gelobt werden – sei es mit Streicheleinheiten, Klopfen oder mit Leckerchen. Folgt der Hund nicht, muss der Vierbeiner sofort für sein Fehlverhalten getadelt werden, und zwar mit dem Wort „pfui“. Hunde lernen durch Verknüpfungen. Dass, was die Tiere auf Stünzel lernen, muss zu Hause in der Folge immer wieder geübt werden.
Die Tätigkeitsfelder von Heinrich Stenger gehen aber über die Tierauffangstation und die Hundeschule hinaus. Er führt nach dem Landeshundegesetz auch Prüfungen von Hunden durch, die durch ihr Verhalten auffällig geworden sind. Dabei wird deren Gefährlichkeit eingestuft. Das kann theoretisch auch ein Dackel sein. Die Tiere können fast nie etwas dazu.
Das Problem bei der Hundehaltung ist schließlich immer am oberen Ende der Leine zu finden.
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