„pr“ freut sich auf den neuen Lebensabschnitt

Wittgenstein..  Nach mehr als 40-jähriger Dienstzeit bei der Westfalenpost nutzt Karl-Peter Rasche, Leiter der Lokalredaktion in Wittgenstein, die Gelegenheit, sich in den Ruhestand zu verabschieden. Das hat er im Kreis seines Kollegenteams bei einem Barbecue am Jagdhof Glashütte getan. Dort bezeichnete WP-Chefredakteur Dr. Jost Lübben Rasche als eine „Wittgensteiner Institution“, deren Ruf sogar bis an die Nordsee, Lübbens frühere Wirkungsstätte, gedrungen sei. Eine Kollegin habe Lübben vor seinem Wechsel nach Westfalen Grüße an Rasche mitgegeben „Der war immer da!“, so die Erinnerung der gebürtigen Berleburgerin an der See.

War der immer da? Leserinnen und Leser werden das mit einem „Gefühlt ja“ beantworten. Denn Karl-Peter Rasche, der in diesen Tagen seinen 61. Geburtstag vor Augen sieht, hat das handwerkliche Bauen einer Zeitung hautnah erlebt, hat später das Klappern der Schreibmaschine gegen die Lautlosigkeit der PC-Tastatur getauscht. Doch still war es nie in der Redaktion.

Kompetente Stimme in der Region

Mit Kolleginnen und Kollegen hat der Redaktionsleiter in der Sache gerne und kontrovers diskutiert: „Will das überhaupt einer lesen?“, fragte er noch zur Reportage über Vierbeiner, bevor er selbst Hundehalter und -liebhaber wurde.

Mit großer Besonnenheit, Fairness und Sachverstand kann sich Rasche vieler Fans in der Leserschaft sicher sein. Aber wo Lob ist, da gibt es auch Widerstand. Die einen freuten sich auf seine Glosse „Guten Morgen“ am Montag, andere fürchteten schon freitagabends den Samstag-Kommentar von -pr-, dessen journalistische Stimme ein Gewicht in der Region darstellte.

Seine leidenschaftlichen Plädoyers für den Bau der Autobahn 4 zur besseren Anbindung Wittgensteins oder seine anfangs entschiedene Ablehnung des Wald-Skulpturenweges (Verschwendung von Steuergeldern!) setzten für Wochen die Themen im Ländchen. Wer sein journalistisches Handwerk wie Rasche versteht, hat längst erkannt, dass er sich nicht immer Freunde macht. Vielmehr weiß er, dass Lokaljournalisten auch mal anecken müssen. Das aber ist für den Redaktionsleiter Alltag. Einheitsbrei und das Schwimmen mit der Masse waren im Zeitungsgeschäft nichts für Karl-Peter Rasche. Lieber: Gegen den Strom schwimmen, Kante zeigen als den Menschen „nach dem Maul“ und alles schön schreiben.

Generationen von jungen Kollegen haben unter der Leitung von Karl-Peter Rasche ihr journalistisches Rüstzeug in der Lokalredaktion Bad Berleburg erhalten. Sie haben hautnah erfahren, dass Journalisten etwas bewegen können.

Bewegt hat das Kollegenteam seinen Redaktionsleiter im wahren Wortes-Sinne; denn die Ruhebank, die ihm am Jagdhof zum Ausstand übergeben wurde, ist in Wahrheit eine gemütliche Schaukel.

Und was macht der Privatier nun abgesehen vom Schaukeln? „Ich freue mich auf den neuen Lebensabschnitt, werde mir endlich mehr Zeit für meine Enkelkinder nehmen und gerne mit meiner Frau auf Reisen gehen“.