Polizeibeamte und Rettungssanitäter angegriffen

Im Prozess vor dem Bad Berleburger Amtsgericht wurden zehn Zeugen gehört. Nach ihren Aussagen sollen zwei der Beschuldigten auch Rettungssanitäter attackiert haben.
Im Prozess vor dem Bad Berleburger Amtsgericht wurden zehn Zeugen gehört. Nach ihren Aussagen sollen zwei der Beschuldigten auch Rettungssanitäter attackiert haben.
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Was wir bereits wissen
Zweiter Verhandlungstag gegen drei junge Laaspher, denen der Staatsanwalt unter anderem Körperverletzung vorwirft. Einer von ihnen hatte nach dem Selbstmord des Vaters mit dem Trinken begonnen.

Bad Berleburg..  Zweiter Tag im Prozess gegen S.,T. und F. aus dem südlichen Wittgenstein, denen Staatsanwalt Markus Bender nicht nur die unterschiedlichen Körperverletzungsdelikte, sondern auch einen Einbruch sowie mehrfachen Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte vorwirft. Zwei der Beschuldigten sollen auch Rettungssanitäter attackiert haben.

Wurden zum Auftakt zehn Zeugen gehört, war der Aufwand bei der Fortsetzung am Freitag vor dem Jugendschöffengericht nicht geringer. Zu Wort kam auch Dr. Michael Mattes: Der forensische Psychiater hat sich intensiv mit dem Haupttäter S. beschäftigt. Der jetzt 19 Jahre alte Arbeitslose hatte im August 2013 völlig überraschend seinen Vater verloren. „Er hat sich suizidiert“, so der Mediziner aus Dortmund.

Bei diesem Schicksalsschlag ist es aber nicht geblieben. Ostern des Folgejahres wandern S. und weitere junge Leute auf der Bahnstrecke der Kurhessenbahn von Wallau in Richtung Bad Laasphe. Dabei wird sein Freund vom Zug erfasst und verstirbt. „Diese Traumatisierungen sind nicht spurlos an ihm vorbei gegangen“, so Dr. Mattes in seinem Gutachten. Und er hat noch etwas festgestellt: Vor den beiden tragischen Sterbefällen war S. völlig unauffällig, er betrieb Aquaristik und eine Hühnersucht. Schon nach Vaters Selbstmord begann er massiv zu trinken – meistens Wodka. Und dann kam oft zu Straftaten.

Rentner in Laasphe angegriffen

Bei einem Angriff auf einen Rentner in Bad Laasphe hatte er 2,26 Promille intus. Sein Opfer erleidet sogar ein lebensgefährliches Gehirnbluten.

In drei von fünf Fällen attestiert der Gutachter dem Angeklagten eine erheblich verminderte Steuerungsfähigkeit – auch für den 30. Mai des vergangenen Jahres, als er bis um vier Uhr morgens Alkohol konsumiert, später an einem Fußballspiel teilnimmt und sich nach zehn Minuten selbst auswechselt. Der 19-Jährige beginnt so heftig zu randalieren, dass Polizeibeamte alarmiert werden müssen.

„Er hat den Alkohol genutzt, um seine negativen Gefühle zu betäuben“, zieht Dr. Mattes Bilanz, der seinem Klienten neben der Suchtberatung auch den Besuch einer entsprechenden Selbsthilfegruppe nahe legt. Das wird mit einiger Wahrscheinlichkeit auch in das Urteil einfließen, welches das Jugendschöffengericht unter Leitung von Richter Torsten Hoffmann voraussichtlich am kommenden Freitag verkünden wird. Vorher werden aber noch die Geschehnisse aufgearbeitet, die sich im Juni 2014 bei einem Straßenfest in Hesselbach zugetragen haben. Dort soll auf einen am Boden liegenden Mann eingetreten worden sein.
Weitere Zeugen müssen aussagen.