Polizei vor Ort lehnt organisierte Bürgerwehren strikt ab

Wittgenstein..  Sind organisierte „Bürgerwehren“ etwa auf den Dörfern ein Mittel, um zum Beispiel dreisten Wohnungseinbrüchen vorzubeugen? Die Wittgensteiner Polizei ist strikt dagegen: „Es kann nicht sein, dass Bürger staatliche Kompetenzen übernehmen“, macht im Gespräch mit unserer Zeitung Bernd Dickel deutlich, Leiter der Polizeiwache in Bad Berleburg.

Die Diskussion in den Medien um Bürgerwehren läuft – gerade in Städten oder Wohngebieten, wo die Zahl der Wohnungseinbrüche besonders hoch ist. Für die Wittgen­steiner Polizei seien solche Einwohner-Patrouillen „nicht denkbar“, betont Dickel. Und nach Erkenntnissen der Kreispolizeibehörde gibt es sie auch gar nicht: „Fälle von Bürgerwehren? Komplett Fehlanzeige“, fasst sich Polizeisprecher Georg Baum kurz.

„Ein offenes Auge des mündigen Bürgers“, wenn es um Kriminalität in seinem Umfeld gehe, hält Polizeichef Dickel dagegen für „nicht schlecht“. Und im Handy-Zeitalter sei schon so manche Trunkenheitsfahrt geahndet worden, weil ein aufmerksamer Verkehrsteilnehmer sie gemeldet habe. So sieht es auch Polizei-Gewerkschafter Hans-Ulrich Rehberg: bürgerliche Zivilcourage ja, organisierte Bürgerwehr nein.

Dennoch: Muss in der Region etwas getan werden, um Delikten auf offener Straße entgegenzuwirken? Etwa mit Ordnungspartnerschaften, wie sie die Polizei vor allem in großen Städten mit den Ordnungsämtern eingehen? Genau das passiere bereits, betont Dickel. Zum einen werde damit das Sicherheitsgefühl des Bürgers gestärkt. Zum anderen verfolge man gemeinsam „die klassischen Ordnungswidrigkeiten in Zuständigkeit der Stadt“ – wie „Alkoholgelage auf Kinderspielplätzen und Friedhöfen, Ruhestörungen, Belästigungen der Allgemeinheit“. Die gemeinsame Arbeit von Polizei und Stadt „dient aber auch der Verständigung mit dem Bürger und den Geschäftsleuten“, erläutert Dickel. Und das alles funktioniere gut.