Platz genug für zwei

Es ist ein Etappensieg für die Waldbauern aus dem Hochsauerland: Ihnen haben die Richter am Landgericht Arnsberg gestern zugestanden, dass ihre Privatwälder geschützt werden müssen – vor den Wisenten aus Wittgenstein, die hier bekanntlich so gerne die Rinde von Buchen schälen.


Der Bad Berleburger Wisent-Verein muss also deutlich mehr als bisher dafür tun, die Tiere vom Grenzübertritt in den HSK abzuhalten – wie auch immer. Mit dem angekündigten Versuch, „das natürliche Nahrungsangebot“ für die Wisente auf Wittgensteiner Seite zu verbessern, muss es jetzt einfach klappen. Und mit speziellen Holzpellets als Appetit-Zügler in Sachen Baumrinden. Sonst könnte nämlich bald wieder eine ganz konkrete Zaun-Lösung in den Fokus rücken. Und die kann niemand ernsthaft wollen.


Unterdessen macht sich im Raum Bad Laasphe der Eigentümer des „Artenschutzzentrums Feudingen“ Sorgen, dass die freilaufenden Wisente sich bald mehr in den Wittgensteiner Süden orientieren – und das Gehege seiner drei kanadischen Waldbisons „Im Dernbach“ erreichen könnten.


Achim Wickel, Leiter des Zentrums, sieht die international anerkannte Zucht seiner Bisons gleich in der Startphase gefährdet, sollten ihnen die Wisente buchstäblich ins Gehege kommen. Ein Kontakt der Tiere? Geht gar nicht, sagt Wickel. Allerdings gibt es für ihn im Norden Wittgensteins auch keine Alternative zur Zaun-Lösung, um das Sauerland zu befrieden.
Doch Wickel plagen noch ganz andere Sorgen. Er wünscht sich mehr öffentliche Anerkennung seines eigenen Artenschutz-Projekts, dass bislang immer im Schatten der Bad Berleburger „Wisent-Welt“ gestanden habe. Gute Chancen, dass sich das ändert, hat Wickel jetzt: Der Kreis Siegen-Wittgenstein in der Ära nach Landrat Breuer, nach wie vor 2. Vorsitzender im Trägerverein Wisent-Welt Wittgenstein, bietet ihm Hilfe an – bei der Suche nach Fördergeldern. Dieses Angebot sollte Wickel nutzen – und nicht im Zorn zurückschauen.


Aber der Kreis kann für Feudingen noch mehr tun – als Genehmigungsbehörde etwa. Und das sollte er auch, denn: Für zwei Projekte nicht zuletzt mit touristischem Potenzial ist in der Region Wittgenstein mehr als genug Platz.