Passanten grundlos ins Gesicht geschlagen

Im Prozess, der nächsten Freitag fortgesetzt wird, wirft die Staatsanwaltschaft dem jungen Mann unter anderem vor, mit Cannabis gehandelt zu haben. Ein Urteil gibt es noch nicht, es sollen weitere Zeugen gehört werden.
Im Prozess, der nächsten Freitag fortgesetzt wird, wirft die Staatsanwaltschaft dem jungen Mann unter anderem vor, mit Cannabis gehandelt zu haben. Ein Urteil gibt es noch nicht, es sollen weitere Zeugen gehört werden.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Angeklagt: ein 19-Jähriger aus dem Raum Breidenstein/Bad Laasphe. Er muss sich aber auch wegen Drogen vor dem Bad Berleburger Amtsgericht verantworten.

Bad Berleburg..  Soll Cannabis legalisiert werden? Der Prozess gegen einen 19 Jahre alten Mann aus dem Raum Breidenstein/Bad Laasphe hätte bei dieser Frage gute Hilfestellung geleistet. Es ging um einen Konsumenten. Der Beschuldigte will nach eigenen Angaben bereits im Alter von 16 Jahren angefangen haben, illegale Rauschmittel zu konsumieren – erst gelegentlich, dann täglich. Zuletzt waren es bis zu drei Gramm – am Tag. Und das ist laut Strafrichter Hoffmann „eine ganze Menge“.

Nur noch im Bett gelegen

„Ich habe am Ende nur noch im Bett gelegen und bin nur noch aufgestanden, wenn ich neuen Stoff brauchte“, so der 19-Jährige. Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft warf B. aber nicht nur Erwerb und Handel mit Cannabis vor. Was sich der Arbeitslose zudem im Juni vergangenen Jahres im Bereich des Laaspher Bahnhofs geleistet hat, ist schon unglaublich: Er geht auf zwei Personen zu, die er zuvor noch nie gesehen hat. Ohne Vorwarnung schlägt er mit der Faust zu. Einer erleidet Prellungen, und dem anderen bricht er fast das Nasenbein.

Verbaler Streit eskaliert

Noch eine Straftat musste am Freitag vor dem Jugendschöffengericht verhandelt werden. Diese Tat soll in etwas so abgespielt haben: Der 19-Jährige ist bei einem Freund in Laasphe zu Gast. Beide sitzen vor einem Computerspiel, bis ein verbaler Streit entsteht, der plötzlich eskaliert. Der Beschuldigte soll zuerst mit der Faust zugeschlagen, anschließend mit einem spitzen Gegenstand zugestochen haben. Dabei erleidet das Opfer auch Schnittwunden im Gesäß, hieß es in der Anklage.

Der recht wortgewandte B. hatte sich eine ganz bestimmte Strategie zurecht gelegt: Schläge ja, Stichverletzungen nein. Und in Sachen Cannabis wollte er dem Schöffengericht weismachen, dass er die Drogen überwiegend zum Eigenkonsum erworben habe – und beim Weiterverkauf keine Gewinn-Optimierung anvisiert war.

Dagegen stand allerdings umfangreicher Schriftverkehr, den der Angeklagte mit seinen Drogenkunden via Smartphone-Dienst „Whats­App“ geführt hat. Diese Text-Nachrichten lagen Richter Torsten Hoffmann in schriftlicher Form vor, und deshalb existieren wohl auch einige Mengenangaben, die darauf schließen lassen, dass pro Woche wohl bis zu 700 Euro an Betäubungsmitteln umgesetzt wurden. So eine Menge würde natürlich jede Eigenkonsum-Theorie unglaubwürdig machen.

Cannabis selbst angebaut?

Zudem soll der recht redegewandte junge Mann auch noch über einen grünen Daumen verfügt haben, über gärtnerische Fähigkeiten. Es soll Hinweise gegeben haben, dass er möglicherweise sein Cannabis selbst angebaut hat. Das war aber nicht Gegenstand der Hauptverhandlung.

Zumindest aber der feige Angriff am Bahnhof auf die beide völlig ahnungslosen Passanten wurde eingeräumt. Der 19-Jährige hat die Ordnungsbehörden in den Jahren 2013 und 2014 so stark beschäftigt, dass zum Prozessauftakt am Freitag alleine fünf Polizeibeamte als Zeugen in den Sitzungssaal geladen waren. Dieses Szenario wird sich in der nächsten Woche, ebenfalls am Freitag, wiederholen. Bei der Fortsetzung sollen noch weitere Zeugen gehört werden.