Paradies wird zerstört

Neues Prädikat für Bad Laasphe: Premium-Class-Wald-Windpark? Bevor es tatsächlich in nächster Zeit wahr werden sollte, dass trotz der aktuellen Einsprüche und zunehmenden Bedenken die nächsten 200-Meter-hohen Windkraft-Industrieanlagen zwischen Bernshausen und Sohl in den Himmel ragen, scheint es mir an der Zeit, einmal zurück zu schauen auf das, was bisher bei uns und mit uns geschehen ist: aus den stillen Wäldern Hasseln, Alertsberg, Spreitzkopf, Wartholzkopf zwischen Laasphe und Hesselbach ist eine Industrielandschaft geworden.


Das seit jeher wegen seiner seltenen Flora und Fauna so hochgelobte, kostbare Wabachtal wird nun überragt und dauerbeschallt von den Windkraftanlagen, die man auch in den angrenzenden Wohngebieten deutlich hört (...). Die weit blinkenden Positionslichter aus den Mastspitzen zeigen abends und nachts den Weg dahin, wo einst am Ende eines Tages abendliche und nächtliche Stille herrschte und der Sternenhimmel ohne bunte Bilder schön war (...). Das für die Genehmigung so mitentscheidende ornithologische Gutachten wurde der Einfachheit halber damals im Haus des Investors, Ludwig-Ferdinand Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg selbst gefertigt und von der alleine zuständigen Kreisverwaltung so akzeptiert, trotz der Bedenken des Landschaftsbeirates. Somit war von der Gefährdung zum Beispiel für Schwarzstorch, Rotmilan oder durchziehende Kraniche nicht mehr die Rede (...).


Aber das ist alles „Schnee von gestern“. Die neue Industrielandschaft in Bad Laasphes Wäldern steht nun beziehungsweise ist genehmigt. Was die so schmerzlich vermissten Erholungssuchenden und Urlaubsgäste dazu sagen, wird die Zukunft bringen. Es gilt aber jetzt umso dringlicher, weitere Schäden zu verhindern, und umso dringlicher ist es, dass unsere Stadtverwaltung die angekündigte Änderung des Flächennutzungsplanes und die Einrichtung der Windkraft-Vorrangzonen auf den Weg bringt und Klarheit zu schaffen, ob außer den bisher genutzten Waldflächen überhaupt noch weitere genehmigungsfähig sind (...).


Fakt ist: ein Teil des Paradieses ist nun schon zerstört, endgültig und unwiderruflich für viele Generationen. Das Ergebnis der Widersprüche gegen die Objekte Bernshausen - Sohl bleibt mit Spannung abzuwarten. Dort ist die brutale Zerstörung der Landschaft in vollem Gange. Niemand wird ernstlich abstreiten, dass auch die Wälder nördlich von Laasphe Richtung Rote Hardt, Stein, Neuntel, Didoll weiterhin planungsgefährdete sind, und unsere hessischen Nachbarn wollen im Bereich Breidenbach - Biedenkopf ebenfalls dabeisein. Und wenn auf dem „Kompass“, dem höchsten Berg im Laaspher Stadtgebiet, unmittelbar bei der Ilsequelle, der heiligen, demnächst der dort geplante Windkraft-Gigant steht, dann erhoffe ich mir das große Erwachen aus der Lethargie der Bürgerinnen und Bürger, nur ist es dann reichlich spät (...). Gut, dass es ein paar Kämpferinnen und Kämpfer gibt, wie zum Beispiel bei uns in Laasphe die Bürgerinitiative WEGAS, Fischelbach - Sohl, die sich wehrt und schon Vieles erreicht hat (...) Das macht Hoffnung!
Helmut Wickel, Bad Laasphe