Paketauslieferer (28) stiehlt Oberndorferin die Geldbörse

Bad Berleburg..  Nach Ansicht des Bad Berleburger Amtsgerichts hat ein Paketauslieferer im August vergangenen Jahres in Oberndorf nicht nur etwas ausgeliefert, er hat auch etwas mitgehen lassen.

Der Fall muss sich in etwa so abgespielt haben: Der Zusteller, ein 28 Jahre alter Mann aus Schmallenberg, schellt an der Tür eines Einfamilienhauses, betritt den Flur. Und dort fällt dem Sauerländer eine Geldbörse ins Auge. Die Hausbesitzerin nimmt das bestellte Paket in Empfang, quittiert die Sendung und stellt dann fest, dass das Portemonnaie nicht mehr auf dem Sims liegt.

Keine Zweifel an der Schuld

Für die 30-Jährige ist der Fall sofort klar und im Zeugenstuhl kann auch ihr gleichaltriger Ehemann andere Personen als Dieb kategorisch ausschließen. Zum Tatzeitpunkt hatte er im gleichen Bereich Handwerkerarbeiten ausgeführt und dabei stets den Flur im Auge gehabt.

Und was sagt der Paketfahrer zu dem Vorwurf? „Ich verstehe das nicht. Mit der Frau hat es nie Stress gegeben“, gibt sich der Schmallenberger uneinsichtig. Er hatte übrigens nicht zu ersten Mal auf einer Anklagebank Platz genommen. Ein Blick in sein Bundeszentralregister offenbart zahlreiche Diebstähle und Betrügereien. Das heißt natürlich nichts.

Der Diebstahl des Geldbeutels findet am gleichen Tag noch ein glimpfliches Ende, weil ehrliche Finder die Börse auf einem Bürgersteig in Rückershausen liegen sehen und die Familie informieren. Alle persönlichen Dokumente sind noch vorhanden, und Bargeld ist wohl auch nicht weggekommen. Trotzdem informieren sie die Paketfirma, die bei Aufklärung mithilft.

„Ich habe keinen vernünftigen Zweifel, dass es der Angeklagte war“, macht Oberamtsanwältin Judith Hippenstiel aus, die auch rein theoretisch eine Geldstrafe hätte beantragen können. Aber: „Lügen und Schweigen können Sie, aber nicht noch hoffen, dass sich Ihr Verhalten strafmildernd auswirkt“, echauffierte sie sich.

Entsprechend fällt die Sanktion aus. Der Schmallenberger, er ist zurzeit noch arbeitssuchend, wird nicht nur zu einer dreimonatigen Bewährungsstrafe verurteilt, sondern auch zu 150 Stunden gemeinnütziger Arbeit.