Oberndorf und Rückershausen haben Glück

Oberndorf/Rückershausen..  Nur Sprengstoffexperten können ausrechnen, was mit Oberndorf und Rückershausen geschehen wäre, wenn im Februar 1945 wirklich tausende Tonnen Sprengstoff Bomben, Granaten und Munition auf der Gleisstrecke im Bereich Oberndorf explodiert wären. Die Dörfer und hunderte Menschen wären ausgelöscht worden.

Eine heute 84-jährige Zeitzeugin, die ihre Namen aber nicht in der Zeitung lesen möchte, berichtete dem Feudinger Walter Gelber über eine außergewöhnliche Situation Ende Februar 1945 in Oberndorf. Ein aus dem Hessen kommender, etwa 30 Waggons umfassender Munitionszug musste im Oberndorfer Schacht eine Zwangspause einlegen (Er reichte in seiner Länge über den Oberndorfer Bahnhof hinaus, war also über eine weite Strecke ungeschützt vor Fliegerangriffen.

Ziel des Zuges mit der tödlichen Ladung soll die Heeres-Munitions-nebenanstalt in Lützel gewesen sein. Durch die Steigung von Feudingen hoch ging der Dampflok im Schacht die Puste aus, sie blieb stehen. Ein Anwohner kommentierten das so: „De Lok muss werrer erscht gestocht wern. Und wenn’s da net get, muss da degge Willem (Wilhelm Völkel) aus Erndtebregge komme mit seiner Lok und härrlfe.“

Dramatisches spielte sich ab. Auf den Wiesen beidseits des Schachts lagen viele deutsche Soldaten. Zum Schutz des Munitionszuges stand auf einem Waggon auch eine Vierlingsflak, die auf die angreifenden Tiefflieger schoss. Einen Treffer durch Tiefflieger bekam der eiserne Ofen von Luise Weber im „Laboch“ mit.

In der Not zusammengerückt

Ohne Strom gab es keine Radioinformation mehr. Da musste man zu dem gehen, der aufgrund seiner Mühle, eigenen Strom produzierte, Heinrich Hackler (Meerlches). In dieser Nachrichtenbörse erfuhr man dann, dass in Siegen zwei feindliche Flugzeuge abgestürzt seien, getroffen von der Oberndorfer Flak. Übrigens, ein Heizer des Munitionszuges, ein Gefangener, erkannte wohl die Todesgefahr, flüchtete aus der Lok, lief ins Dorf und versteckte sich im Hause Schmidt (Schneiders). Als der schwerhörige Opa ihn im Keller hinter einem Ofen ängstlich fand und meinte: „Wemm ess hä da?“, rief dieser „Ukrainer, Ukrainer.“

Damals in der Not, waren die intakten Häuser überfüllt mit Menschen verschiedenster Nationalität. Da teilte man sich das knappe Essen, half sich: ein Beispiel gelungener Integration von Fremden und Hilfesuchenden.