„Niemand kommt zu uns ohne Leid“

Für seine Bewerbung um die sechste Wittgensteiner Kreispfarrstelle, die sich schwerpunktmäßig um Flüchtlingsarbeit dreht, hielt Pfarrer Peter Liedtke im Berleburger Christus-Haus einen Vortrag „Flucht und Migration“.
Für seine Bewerbung um die sechste Wittgensteiner Kreispfarrstelle, die sich schwerpunktmäßig um Flüchtlingsarbeit dreht, hielt Pfarrer Peter Liedtke im Berleburger Christus-Haus einen Vortrag „Flucht und Migration“.
Foto: WP

Bad Berleburg..  Bad Berleburg. Hunderte Männer, Frauen, Kinder sind am Wochenende wieder im Mittelmeer ertrunken. Am Freitag ging es um genau solche Menschen, die - aus welchen Gründen auch immer - ihrer Heimat den Rücken kehren müssen. „Flucht und Migration“ war der Vortrag überschrieben, den Pfarrer Peter Liedtke im Berleburger Christus-Haus hielt. Es war seine Bewerbung um die neu geschaffene sechste Kreispfarrstelle des Evangelischen Kirchenkreises Wittgenstein, die zur einen Hälfte aus Flüchtlingsarbeit und zur anderen aus Projektarbeit im Kirchenkreis besteht und zunächst einmal auf sechs Jahre begrenzt ist.

Im Dienst für die Flüchtlinge

Leider waren es nur zwei Dutzend Zuhörer, die der Einladung des Kirchenkreises zu der öffentlichen Veranstaltung gefolgt waren und nach dem Vortrag auf Initiative von Peter Liedtke auch über konkrete Aufgaben für die Flüchtlingsarbeit nachdachten. Aber durch engagiertes Diskutieren und Überlegen in Kleingruppen machten diese die fehlende Beteiligung wett und gaben diverse Anregungen, um die sich Peter Liedtke jetzt kümmern muss. Denn direkt im Anschluss an den Vortrag fand im Christus-Haus eine Sitzung des Kreissynodalvorstands (KSV) statt. Das Leitungsgremium des Wittgensteiner Kirchenkreises war in diesem Fall auch Entscheidungsgremium: Alle acht anwesenden KSV-Mitglieder stimmten der Besetzung der sechsten Kreispfarrstelle durch Peter Liedtke zu. Wenn die Synoden-Mitglieder den Brief mit dieser Information dieser Tage zugestellt bekommen haben, dann gilt eine zweiwöchige Einspruchsfrist.

Das klare Votum im KSV fiel nach klaren Worten von Peter Liedtke: „Worüber werde ich heute nicht reden? Ich werde kaum auf die politischen Vorgaben und Rahmenbedingungen in Deutschland als Zuwanderungsland eingehen. All das können Sie nachlesen in den Medien. Aber das ist nicht der einzige Grund, warum ich diesen Bereich ausklammere. Ich gewinne zunehmend den Eindruck, dass wir uns in dem Streit um diese Fakten verlieren und uns so die Menschen aus dem Blick geraten, die in unserer Mitte leben und unsere Unterstützung brauchen. Auch werde ich die Gegner nicht in den Blick nehmen. Deren Hass ist wie ein Gift. Und auch wenn wir uns gegen sie stellen - dann haben sie uns da, wo sie uns haben wollen, in der Auseinandersetzung mit ihnen statt im Dienst für die Flüchtlinge.“

Helfen als Auftrag

Deutlich formulierte der Schmallenberger auch seine Grundthese: „Niemand kommt zu uns ohne Leid. Niemand verlässt seine Heimat, seine ihm vertraute Gesellschaft, den Kreis von Freunden und Familie, wenn nicht ein Leidensdruck da ist. Die Flüchtlinge, die zu uns kommen, wären zu einem großen Teil lieber in ihrer Heimat geblieben.“ Und weshalb es seinen Arbeitsbereich heute neu geben muss, leitete der Pfarrer aus der Bibel her: „Warum gibt es eine kirchliche Flüchtlingsarbeit? In einer Predigt zur Weihnachtszeit stellte unsere Präses eine Verbindung her zwischen den Flüchtlingen heute und Maria, Joseph und dem Kind damals, die nach der Erzählung des Matthäus-Evangeliums auch auf der Flucht waren. Hätten sie nicht fliehen können, so wäre unser Retter dem Kindermord zum Opfer gefallen. Doch es braucht nicht diese exponierte Geschichte. Jesu ganzes Leben war voll von Beispielen, wo er gerade den Schwachen, den Ausgegrenzten, den Verfolgten beistand. Unsere staatlichen Mechanismen kommen an ihre Grenzen. Darum sind wir gefragt, wir als Christinnen und Christen.“

Peter Liedtke formulierte noch einmal konkreter, mit der Begrenztheit der eigenen Möglichkeiten genau im Blick: „Die Flüchtlinge sehen bei uns Hoffnung für ein Leben ohne dieses Leid. Diese Menschen hier willkommen zu heißen und ihnen zu helfen, neuen Mut zu fassen und eine neue Lebensperspektive zu finden, ist unser Auftrag.“