Nicht vernehmungsfähig: Zeugin schwankt aus dem Saal

Vor dem Jugendschöffengericht in Bad Berleburg sitzen zwei junge Männer. Ihnen werden Beschaffungskriminalität und Rauschgift-Handel vorgeworfen. In zwei Wochen wird d er Termin fortgesetzt.Foto: Oliver Müller
Vor dem Jugendschöffengericht in Bad Berleburg sitzen zwei junge Männer. Ihnen werden Beschaffungskriminalität und Rauschgift-Handel vorgeworfen. In zwei Wochen wird d er Termin fortgesetzt.Foto: Oliver Müller
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Was wir bereits wissen
Das Jugendschöffengericht verhandelt in Bad Berleburg mehrere Vorwürfe von Beschaffungskriminalität und Drogenhandel.

Bad Berleburg.. Bis unter den Scheitel war sie augenscheinlich mit Drogen zugedröhnt, kein Wunder, dass die Zeugin am Freitag schnell als vernehmungsunfähig von Richter Torsten Hoffmann wieder entlassen wurde. Die Anhörung der 33-Jährigen dauerte nur einen Bruchteil der Zeit, die Staatsanwältin Jahan Memarian-Gerlach für die Verlesung der Anklageschrift benötigte: nämlich satte 26 Minuten.

Raub, Beleidigung, Diebstahl Drogenhandel, Schwarzfahren, Widerstand - die beiden Angeklagten, 19 und 20 Jahre alt, haben einiges auf dem Kerbholz. Alle Straftaten basieren auf ein und derselben Ursache: Beschaffungskriminalität, um die eigene Drogensucht finanzieren zu können.

Knastaufenthalt zeigt Wirkung

Die wollen die beiden Berleburger in den Griff bekommen – beteuern sie vorm Jugendschöffengericht, wo sie den Großteil Taten teils komplett, teils mit Einschränkung zugeben. Weil er eine Geldstrafe nicht bezahlt hat, saß der 19-Jährige fast drei Wochen im Knast – „Da will ich nie wieder hin“, sagte er. „Kein Geld und die Drogensucht. Ich hatte mich nicht mehr im Griff,“ versucht er ein Motiv für den Schritt in die Kriminalität zu finden.

Beide betonen mehrfach, dass sie sich schämen für die rechtsradikalen Parolen, die sie am Bahnhof gerufen haben, für die Beleidigungen der Polizisten – den Widerstand gegen die Beamten streiten sie ab.

In Szene als Drogenhändler und -konsument bekannt

Der in der Szene als Drogenhändler und -konsument bekannte Auszubildende gibt zu, dass er zwar großen Wert auf „vernünftige Qualität bei dem Werk“ gelegt, die Drogen aber ohne Gewinn verkauft habe.

Und was steckt hinter dem angeblichen Raub? Ist es möglich, dass das angebliche Opfer den Überfall nur deshalb angezeigt hat, um seinen dealenden Konkurrenten ans Messer zu liefern? Das muss die weitere Beweisaufnahme klären; denn beide Angeklagte sagen deutlich: „Das haben wir nicht getan. Alles völliger Blödsinn! Der erfindet mit jeder Aussage neue Sachen“.

In der Tat: Eine Kripobeamter bestätigte, dass der Geschädigte nach der ersten Anzeige Tage später noch mehrmals zur Wache gekommen sei und weitere Einzelheiten und neue Beschuldigungen vorgetragen habe. Auch die am Freitag gehörte Polizistin räumte ein, dass sie sich bei der Festnahme schon sehr gewundert habe, dass Täter und Opfer gemeinsam durch die Stadt flanierten.

Eine weitere Zeugin glänzte durch Abwesenheit; sie habe am Abend gefeiert und könne keinesfalls kommen. Das dürfte teuer werden.