Neue Intensivstation nimmt weiter Formen an

Gerade übungshalber „gerettet“, wird Klinik-Mitarbeiterin Christine Grabow zum Rettungswagen gebracht.
Gerade übungshalber „gerettet“, wird Klinik-Mitarbeiterin Christine Grabow zum Rettungswagen gebracht.
Foto: Matthias Böhl
Was wir bereits wissen
Tag der offenen Tür am Wochenende in der Bad Berleburger Helios-Klinik an der Gontardslust – auch im neuen Anbau. Staunende Besucher, aber auch viele Fragen.

Bad Berleburg..  „Hier wird es Doppelzimmer geben und dort Ein-Bett-Zimmer. Die dienen der Isolation bei Infektionen. Diese Zimmer sind im Vergleich zu den jetzigen deutlich größer.“ Maik Duchardt, Leiter der Intensivstation im Bad Berleburger Helios-Klinikum, freut sich auf seinen neuen Arbeitsplatz. Zusammen mit Kollegen informiert er an diesem Samstag die Öffentlichkeit über Fortschritte im neuen Anbau. Beim Tag der offenen Tür.

Noch erkennt man nicht wirklich, dass es eine Intensivstation werden soll. Immerhin: Rund 23 Kilometer Kabel sind dort bereits verlegt worden. An einigen Stellen ragen sie nun aus der Decke – um später die wichtigen Lebensadern zu den medizinischen Geräten zu bilden. Sie deuten bereits hin auf die komplexe Technik der Station.

In dieser neuen Station wird es künftig 15 Plätze für intensivpflichtige Patienten geben, aufgeteilt in Doppel- und Einzelzimmer. Intensivpflichtig sind jene Patienten, die an einem Monitor überwacht, über Spritzenpumpen rund um die Uhr mit Medikamenten versorgt, oder künstlich beatmet werden müssen. Also all diejenigen, deren lebenswichtigen Körperfunktionen übernommen werden müssen. Um dies adäquat tun zu können, wird das Team aus Krankenschwestern und -pflegern mit dem Betrieb der neuen Intensivstation aufgestockt, wie Maik Duchardt erklärt.

„Es wird aber hier auch noch eine Vorstufe der Intensivstation geben“, erläutert Duchardt weiter: Im so genannten „Intermediate Care“ (IMC) werden Patienten betreut, die zwar einer Überwachung bedürfen, aber beispielsweise nicht künstlich beatmet werden müssen. „Das kann zum Beispiel bei Patienten mit Herzinfarkt der Fall sein, denen es nicht ganz so schlecht gehen muss“, erklärt der Fachmann.

Der Leiter schildert weitere Vorzüge der neuen Station, die laut Plan in der ersten August-Woche bezogen werden soll: „Wir werden hier in Zukunft drei Dialyse-Plätze haben. Bisher hatten wir nur einen“, so Duchardt. Das Gerät, welches die Blutwäsche automatisch erledigt, wenn die Nieren den Körper nicht mehr entgiften und die harnpflichtigen Substanzen ausscheiden können, kann dann zwischen den einzelnen Bettplätzen hin- und hergeschoben werden. Patienten, die so krank sind, dass sie nicht mehr zu einem Dialyse-Zentrum gefahren werden können, werden auf der Intensivstation behandelt.

Wiederbelebung kaum bekannt

Weitere Bereiche können sich die Besucher im Krankenhaus heute ebenfalls anschauen und erleben. Rund um die Wiederbelebung geht es bei Dr. Claudia Lach. Die Notärztin der Helios-Klinik, die sowohl als Internistin wie auch als Chirurgin Erfahrung hat, vermittelt den Besuchern eindrucksvoll und verständlich das richtige Vorgehen bei Herz-Druck-Massage. Vor allem den Kindern: „Ihr dürft Euch auch gegen die Erwachsenen durchsetzen, wenn die nicht drücken, weil der Rettungsdienst schon angerufen wurde“, macht die Ärztin deutlich. Über Defibrillatoren, die bei der Wiederbelebung ebenfalls eine große Rolle spielen, können sich die Besucher bei Dr. Frank Melz informieren, Chefarzt der Kardiologie. Schritt für Schritt erklärt der Kardiologe, der langjährige Erfahrung im Notarztwagen hat, das Vorgehen bei Defibrillationen und macht die enorme Bedeutung der Ersten Hilfe klar. Eine Feststellung schockiert die Besucher – Melz: „Wir gehen davon aus, dass 90 Prozent der Menschen die Wiederbelebungsmaßnahmen nicht kennen.“

Vollen Einsatz gibt’s unterdessen auf dem Parkplatz unterhalb der Klinik: Die Rettungsassistenten der DRK-Rettungswache, die im Rahmen der Notfallrettung sehr eng mit den Notärzten aus der Klinik zusammenarbeiten, zeigen zusammen mit der Feuerwehr des Löschzuges 1 ihr Einsatzspektrum. Neben der Besichtigung der Einsatz-Fahrzeuge wird den Besuchern ein fast alltäglicher Einsatz demonstriert: Über die Drehleiter wird eine Patientin aus einem oberen Stockwerk gerettet, nachdem sie vom Rettungsdienst versorgt worden ist. Unten am Boden wird sie von einem weiteren Team in Empfang genommen – und in den Rettungswagen gebracht. Diese Art der Einsätze kommen immer öfter vor, denn: Viele Häuser sind derart eng gebaut, dass es dem Rettungsdienst allein nicht möglich ist, die Patienten schonend und sicher aus dem Gebäude zu bringen.

Immer öfter wird für die Retter eng

Das kann in engeren, oberen Etagen, bei Wendeltreppen oder Häusern mit Treppenlift nahezu unmöglich sein. Auch immer mehr schwergewichtige Patienten stellen den Rettungsdienst oft vor Probleme. Dabei kommt es immer wieder vor, dass die Feuerwehr mit der Drehleiter oder mit Personal aushilft.

Praktische Vorführungen in der Endoskopie und zum „minimalinvasiven Operieren“ runden das Programm ab. Und auch an die Kleinen ist gedacht: Neben einer Hüpfburg gibt’s im gesamten Haus Luftballons, Seifenblasen, DRK-Malbücher und vieles mehr.

So ein Rundgang, um den Wissensdurst zu stillen, macht einfach hungrig. Aber auch dagegen haben die Klinik-Mitarbeiter ein bewährtes Rezept: kulinarische Angebote, die von der Erbsen- und Kartoffelsuppe bis hin zu leckeren Waffeln mit heißen Kirschen reichen.