Nandus sind besser als eine Radarfalle

Janina Menn hat zwei außergewöhnliche Haustiere: Hahn Alfred und Henne Krösa Maja sind Nandus. Die südamerikanischen Laufvögel fühlen sich auf dem Hof der Menns in der Rohrbach sichtlich wohl und haben bereits angefangen zu brüten.
Janina Menn hat zwei außergewöhnliche Haustiere: Hahn Alfred und Henne Krösa Maja sind Nandus. Die südamerikanischen Laufvögel fühlen sich auf dem Hof der Menns in der Rohrbach sichtlich wohl und haben bereits angefangen zu brüten.
Foto: WP

Rohrbach..  Viele Autofahrer trauen ihren Augen nicht, wenn sie durch die Rohrbach fahren und bremsen. Wer glaubt, dort in der Wiese, neben dem Hof der Menns, einen Vogel Strauß gesehen zu haben, muss sich keine Sorgen um seinen Geisteszustand machen. Es stimmt! Da stehen zwei imposante, graue Laufvögel in der Wiese. Nur Strauße sind es nicht. Es sind Nandus: Sie heißen Krösa Maja und Alfred, sind drei Jahre alt und ein Paar.

Bis vor ein paar Wochen hatte auch Janina Menn nur einen grobe Ahnung, was Nandus sind: „Aber inzwischen fressen sie mir sogar aus der Hand“, berichtet sie. Die Pferdebesitzerin ist nicht nur passionierte Reiterin, sie hat in den letzten Jahren auch ein Faible für Federvieh entwickelt. Anders kann man das nicht ausdrücken. Denn an der Kreisstraße tummeln sich auf der eingezäunten großen Wiese mit dem Ententeich neben den Nandus auch noch zwei Gänsepärchen und einige Enten. Für einen großen Bauernhof wie den ihres Mannes Heinrich Menn ist das nichts Ungewöhnliches. Aber das Hauptaugenmerk liegt dort auf der Milchviehzucht.

Wollschweine wühlen zu viel

Angefangen hatte alles mit einem Pärchen Enten: „Das fand ich ganz entspannend.“ Die Enten fühlten sich gut, vermehrten sich und später kamen Gänse hinzu. Irgendwann, in der großen Familienrunde, fragte dann Janinas Schwager, was denn eigentlich ihre Anschaffungen von witzigen Tieren machen, berichtet Janina Menn und kommt ins Erzählen. Die Idee mit den so klugen und geselligen Wollschweinen fiel durch: „Die hätten unsere idyllische Sitzecke am Weiher umgewühlt.“ Prompt fiel der Fokus auf Alpakas. „Die sind in der Anschaffung aber sehr teuer“, hatte sich die Bankfachwirtin ausgerechnet.

Also zurück zum Federvieh. Bei ihrer Recherche im Internet stieß die 27-jährige zunächst auf Strauße. Die kannte sie noch von einem Urlaub in Südafrika. Doch die bekanntesten Laufvögel haben in der Haltung einen entscheidenden Haken: „Sie sind sehr groß und haben nicht das beste Sozialverhalten, wenn man sie mit anderem Geflügel zusammen hält. Das war mir als Enten- und Gänsebesitzerin aber wichtig.“ Also fiel ihr Blick auf die australische Verwandtschaft der Strauße, die Emus, und später dann die südamerikanischen Nandus. „Die habe ich dann bei meiner Recherche zum ersten Mal gesehen. Und als ich mich drei Tage später bei einem Züchter über die unkomplizierte Haltung der Tiere informiert hatte, habe ich gleich zwei gekauft“, berichtet Menn. Mit dem Pferdeanhänger holte die Neu-Nandu-Halterin ihre ersten beiden Tiere in der Nähe der holländische Grenze.

Wittgensteiner Pampa ist ideal

Ganz so einfach ist die Nandu-Haltung aber auch nicht. Janina Menn musste sich mit dem Kreisveterinär Dr. Wilhelm Pelger abstimmen. Der hat sich Wiese, Zaun und Unterstand der Tiere genau angesehen und mit Vorgaben verglichen. Weil die Nandus nicht fliegen und nicht springen können, reicht aber beispielsweise ein normaler Weidezaun. Kein Problem ist übrigens das Wittgensteiner Klima: „Nandus kommen aus der Pampa oder den kühlen Anden in Südamerika“, erklärt Janina Menn. Und auch das Nahrungsangebot ist perfekt. Neben dem Maisschrot, Brotresten und Gemüseschalen, dem Futter, das auch Enten und Gänse lieben, ist Gras als Hauptnahrung der Laufvögel ausreichend vorhanden.

Die Wittgensteiner Pampa scheint ideal zu sein, denn die beiden Vögel haben inzwischen auch ein Nest gebaut. Anders als die Enten müssen sie auch keine Angst vor Feinden haben: „Der Fuchs traut sich an die beiden nicht ran“, weiß die 27-jährige. Selbst die Raben, die als fliegende Eierdiebe vor allem die Gelege der Enten ausräumen, können dem Ei der Nandus nichts anhaben. „Die haben zwar auf dem Ei drauf gesessen und gepickt, konnten es aber nicht hoch heben oder beschädigen.“

Kein Wunder, das gute Stück ist nur wenig kleiner als ein Straußenei, hat ein dicke Schale und ein ordentliches Gewicht. „Es entspricht ungefähr zwölf Hühnereiern“, sagt Janina Menn und präsentiert das elfenbeinfarbene Ding.

Bis zu 30 Eier jährlich

Bis zu 30 solcher Eier können Nanduhennen pro Jahr legen. „Die darf ich auf keinen Fall alle ausbrüten lassen, sonst wird das Gehege wegen Überfüllung geschlossen, sagt mein Mann.“ Aber das hat Janina Menn auch nicht vor. Für einen ordentlichen Wittgensteiner Eierkuchen mit Freunden ist also definitiv gesorgt. Aber auch für die Eihüllen hat Janina Menn schon eine Idee. Die eignen sich perfekt für den Verkauf als Dekorationsartikel.

Wie so etwas aussehen kann, zeigt die geschäftstüchtige Nandu-Besitzerin in ihrem Wohnzimmer. Auf der Fensterbank steht ein Straußenei. Mit Gravur und kleinen Löchern samt Lichterkette im Innern erinnert es an den Urlaub in Südafrika.

Neugierige fahren langsamer

Und einen ganz großartigen Nebeneffekt haben die beiden großen Tiere in den ersten Wochen auch bereits. Wer von der Leimstruth runter kommt, traut seinen Augen nicht, staunt und fährt langsam in der 70er Zone neben dem Bauernhof. Dieser Effekt wird sich aber spätestens dann verflüchtigen, wenn die einheimischen Autofahrer wissen, was da in der Wiese an der Rohrbach steht.