Nach Unfall Karriere gemacht

Hans-Peter Sonneborn und Tochter Daniela Jungermann.
Hans-Peter Sonneborn und Tochter Daniela Jungermann.
Foto: WP

Feudingen..  „Es gibt bestimmt nicht viele, die das so durchziehen.“ Da hat er Recht. Auf seine Lebensleistung kann Therapeut Hans-Peter Sonneborn zwar mit großem Stolz zurückblicken, der jetzt 67-Jährige aus Feudingen musste allerdings hart dafür kämpfen, härter als andere. Sein erstes berufliches Tätigkeitsfeld ist erst einmal eine Maschinenbaufirma im Siegerland.

Dort wäre er möglicherweise auch alt geworden, hätte sich nicht ein folgenschwerer Autounfall ereignet. Hans-Peter Sonneborn erblindet dabei komplett. Da ist er gerade mal 23 Jahre alt. Andere hätten sich vielleicht aufgegeben, leichtgefallen ist es ihm der Neuanfang aber auch nicht. „Ich habe zwei Jahre für eine Neufindung gebraucht“, räumt er im Pressegespräch ein, schließlich wollte er in diesem Alter noch nicht in Rente geben.

Lebenswerk fortsetzen

Mit im heimischen Wohnzimmer sitzt auch seine Frau Ursula mit er seit 43 Jahren verheiratet ist. Auch Tochter Daniela Jungermann hört intensiv zu. Sie soll sein außergewöhnliches Lebenswerk fortsetzen, das er nach dem tragischen Autounfall von 1971 wie folgt aufgebaut hat: Damals gab es für Erblindete, er bezeichnet sich als „Nichtsehend“, nur Tätigkeiten im Büro, Telefonist hätte er beispielsweise lernen können. „Das wollte ich aber nicht. Ich brauche Menschen um mich herum.“ Das hat er dann auch konsequent umgesetzt und zwar zuerst mit dem Erlernen der Blindenschrift, für alle Betroffenen Grundvoraussetzung zum Erlernen eines Berufes. Er lernt Masseur in Laasphe und schließt den Bildungsgang im Jahr 1975 ab.

Es folgen weitere Fortbildungen im Rahmen von Praktika. Ein weiterer Meilenstein erfolgt zwei Jahre später. Hans-Peter Sonneborn „wagt den Sprung in die Selbstständigkeit“, wie es so schön heißt. Im gleichen Jahr wird auch Tochter Daniela geboren. Seine Praxis an der „Untere Kohr“ als Selbstläufer zu bezeichnen, wäre wohl nicht angemessen. Das von der Bundesregierung auf den Weg gebrachte Kostendämpfungsgesetz mit dem stark eingeschränkten Budget für den Gesundheitsbereich setzt der Branche schwer zu.

Weitere Fortbildungen

Es gibt nur eine Möglichkeit, dem Kostendruck zu entfliehen, und das sind weitere Fortbildungen. Ab dem Jahr 1998 darf er den Titel Physiotherapeut tragen. Heute wird natürlich auch die so genannte Manuelle Therapie und natürlich auch Krankengymnastik angeboten, und alles das wird Tochter Daniela Jungermann ab Januar gemeinsam mit zwei Angestellten wie gewohnt weiterführen.

Besonders wichtig ist es für den Feudinger, auf einen Punkt hinzuweisen. Der Erfolg hätte nie so deutlich ausfallen können, wäre da nicht die gute Zusammenarbeit mit den Ärzten sowie die vertrauensvolle Kooperation mit den Patienten. Seine Praxis kann übrigens auf eine Website im Internet oder auf großartige Werbung verzichten. „Hier läuft alles über Mund-zu-Mund-Propaganda“, erklärt er stolz. Diese Form der mündlichen Empfehlung lockt auch Klienten aus dem Siegerland und Hessen ins Obere Lahntal. Wie bereits erwähnt, seit dem 1. Januar hat Daniela Jungermann seine Nachfolge angetreten. Sie hat die gleiche Qualifikation, ihren Vater schickt sie dennoch nicht in Rente. Er möchte in Zukunft gerne aushelfen, allerdings hat er sich in seinem Berufsleben noch ein weiteres Standbein aufgebaut.

Ausbildung zum Fachlehrer

Im Jahr 1994 hat er zusätzlich mit seiner Fachlehrer-Ausbildung begonnen und jetzt unterrichtet er in ganz Deutschland und primär in Baden-Württemberg, Niedersachsen oder Thüringen und zwar in Manueller Therapie. Laut Tochter Daniela ist er dabei wohl der einzige Nichtsehende im Bundesgebiet. Klar ist, dass der heute 67-Jährige stets auf die Unterstützung seiner Ehefrau angewiesen war und ist. Sie hielt sich beim Pressegespräch übrigens dezent zurück. Nur eines lässt sie wissen: „Das ist doch alles selbstverständlich.“ Die Hilfe muss allerdings schon massiv gewesen sein. Das war bestimmt ein Baustein der ungewöhnlichen Erfolgsgeschichte aus Feudingen, sein unbändiger Lebenswille war die andere Seite. Wie eingangs schon erwähnt, viele andere hätten das so nicht durchgezogen.