Nach Ostern kommt das Rückspiel

0:3 – Das ist im Fußball ein nahezu hoffnungsloser Rückstand; nicht so für den FC Liverpool im Finale der Champions League 2005 gegen den AC Mailand. Innerhalb von sechs Minuten schaffte die englische Mannschaft den Ausgleich und gewann anschließend im Elfmeterschießen den begehrten Pokal.


0:3 – So liegt im übertragenen Sinn auch Petrus am Karfreitag in der Begegnung mit Jesus zurück. Dabei hatte Petrus sich für diese entscheidenden Tage ganz viel vorgenommen: „Wenn sie sich alle an dir ärgern, ich halte dagegen. Ich werde die Farben der Jesus-Mannschaft würdig vertreten; ich gehe als Kapitän voran“, hatte er in der Teamsitzung selbstbewusst angekündigt. Und auch Jesus hatte seine Mannschaft vorbereitet; hatte sie gut eingestellt; hatte ihnen mehrmals gesagt, was ihn und sie in Jerusalem erwarten würde... und dann brachte Petrus es nicht auf dem Platz im Palast des Hohenpriesters umgesetzt!


Dreimal hintereinander war er in einen blöden Konter gelaufen. Dreimal hatte man ihn angesprochen: „Du gehörst doch auch zur Jesus-Mannschaft !?“ Dreimal hatte er es vehement abgestritten. Dreimal hatte er den entscheidenden „Zweikampf“ verloren und sich ein Gegentor gefangen: 0:3 – die Pleite war perfekt an diesem Karfreitag.


Nun, wenige Tage nach Ostern, kommt es zum Rückspiel. Petrus ahnt: Ein Platz auf der Tribüne ist ihm sicher, zu mehr kann es nach dieser Leistung im Hinspiel nicht reichen. Doch dann kommt Jesus plötzlich auf Petrus zu... und stellt ihm eine Frage. Es ist eine so wunderbare, so liebevolle Frage: „Petrus, hast du mich lieb ?“ „Ja!“, sagt Petrus ganz spontan und unbedacht. „Kümmere dich um meine Mannschaft !“, sagt Jesus daraufhin zu ihm. Das ist das 1:3.


Dann fragt Jesus noch mal: „Petrus, hast du mich lieb ?“ „Aber ja!“, sagt Petrus, ein bisschen nachdenklich; und wieder hört er: „Kümmere dich um meine Mannschaft !“ Jetzt steht’s 2:3. „Petrus, hast du mich lieb ?“, fragt Jesus zum dritten Mal. Und Petrus sagt: „Ja!“ – zu Tränen gerührt, weil er spürt, was jetzt gerade passiert. Das ist nämlich der unerwartete Ausgleich: 3:3; die Wiedergutmachung, die Chance zum Neubeginn.


Dreimal die Verleugnung – dreimal das Bekenntnis. Dreimal das Versagen – dreimal die Berufung. 3:3 steht es jetzt, ein Unentschieden mit zwei Siegern! Keine Verbannung auf die Tribüne. Petrus darf seinen Platz in der Jesus-Mannschaft behalten, weil Jesus weiter auf ihn baut.


Das berührt mich an dieser Geschichte, dass Jesus uns Menschen trotz unserer Fehlpässe und Eigentore nicht aus seiner Mannschaft schmeißt, sondern uns immer wieder liebevoll in sein Aufgebot beruft. So stellt Jesus uns in seine Mannschaft, ins Miteinander, damit wir von ihm geleitet einander vergeben, beistehen und uns gegenseitig helfen, die Herausforderungen auf dem „Spielfeld des Lebens“ zu meistern.

Pfarrer Steffen Post
, Evangelische Kirchengemeinde Bad Laasphe