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Operation Pfingstbaum

Nach altem Brauch mit Axt und Säge

26.05.2012 | 12:00 Uhr
Nach altem Brauch mit Axt und Säge
Pfingstbaumschlagen in Benfe

Benfe.  „PB“ leuchten die pinkfarbenen Buchstaben weit sichtbar von der Rinde. PB steht für Pfingstbaum. Und daher wurde speziell dieser Baum „Am großen Bruch“ auch Ziel einer Abordnung aus Benfe. Schließlich wird nicht jeder Fichte die Ehre zuteil, ein Pfingstbaum zu werden.

„PB“ leuchten die pinkfarbenen Buchstaben weit sichtbar von der Rinde. PB steht für Pfingstbaum. Und daher wurde speziell dieser Baum „Am großen Bruch“ auch Ziel einer Abordnung aus Benfe. Schließlich wird nicht jeder Fichte die Ehre zuteil, ein Pfingstbaum zu werden.

Genauso wichtig wie der Stamm selbst, ist die verantwortungsvolle Aufgabe, den Baum vorzubereiten. Gut ein Dutzend Jugendlicher und junger Männer treffen sich gemeinsam mit Alexander Jung, dem 2. Vorsitzenden vom Benfer Heimatverein, und Forstwirt Achim Six, etwas außerhalb des Meilerdorfes Richtung Eisenstraße. Im Vorfeld unterstützt wurde die Aktion durch Oliver Schmitt, Revierbeamter beim Regionalforstamt Siegen-Wittgenstein/ Landesbetrieb Wald und Holz.

Pfingstbaumschlagen in Benfe

„Zum ersten Mal ziehen ausschließlich Jüngere los, um den Pfingstbaum zu schlagen“, freut sich Jung über das große Interesse an der Aktion. Im Vordergrund steht für alle: „Wir wollen die alten Traditionen weitergeben, damit das Wissen darum nicht vergessen wird.“ Wie alt diese letztendlich ist, lässt sich allerdings nicht genau sagen. Vor rund 250 Jahren seien zu den Buchen und Eichen die ersten Fichten übers Ruhrgebiet nach Wittgenstein gelangt, hat Six recherchiert. Und die mussten ja erst einmal einige Jahrzehnte wachsen, so dass frühestens 1820 der erste Pfingstbaum aufgestellt worden sein könnte, schätzt der Forstwirt.

Pfingstbaumschlagen in Benfe

Warum gibt es in der Benfe überhaupt einen Pfingstbaum? Alexander Jung hat die Antwort parat: „Die alten Leute im Dorf erzählen: Für einen Maibaum war es zu kalt!“ Apropos kalt: Warm - egal bei welcher Wetterlage - wurde es in jedem Fall den Baumholern beim Arbeiten im Wald. Anfangs wurde dem Stamm mit der Axt zuleibe gerückt, und dann, nein, nicht mit der Motor-, sondern zu zweit traditionell mit der Schrotsäge in Handarbeit und Muskelkraft „so wie früher“. Allerdings müssen aus Sicherheitsgründen Helme aufgesetzt werden.

Pfingstbaumschlagen in Benfe

Immer weiter wird der rund 60 bis 70 Jahre alte Baum eingeschnitten. Auch Fabian Kühn (12) und der ein Jahr ältere Niklas Althaus sägen, was das Zeug hält. Die beiden Jungen haben schon im Vorjahr beim Benfer Meilerfest kräftig Baumscheiben schneiden geübt. „Ja, wird doch, sieht gut aus“, lobt Alex Jung. Dann ertönt der Warnruf: „Achtung! Baum fällt!“

Max Jung darf unter fachlicher Aufsicht den Baum umkeilen. „Das war cool!“, strahlt der 14-Jährige, der auch schon im Hauberg geholfen hat. Six zeigt, wie der Baum entastet wird, nur der Wipfel bleibt dran. Nun wird die Fichte noch mit Schäleisen bearbeitet, „die Rinde muss ab“, wissen die Jugendlichen. Auch der 17-jährigen Lisa Althaus, einziges Mädchen in der Runde, macht die Sache Spaß. Hell und glänzend kommt schließlich der Kern zum Vorschein.

Pfingstbaumschlagen in Benfe

Nach Exkursen in die Geschichte, Arbeitslehre und Biologie nun auch noch eine Matheaufgabe: Die Kubikmeter sollen ausgerechnet werden. Fabian misst 23,40 Meter Länge und 22 Zentimeter Mittendurchmesser und das gemeinsam errechnete Ergebnis lautet: 0,87 Festmeter. Alle Achtung!

Früher sei der Pfingstbaum von vielen Männern aus dem Wald herausgetragen worden. Heute wird ein Traktor benutzt. Vorher muss der Stamm aber noch ein bisschen im Wald trocknen, das Holz steht ja zurzeit voll im Saft und ist schwer. „Das ging ja schneller als ich dachte. Ich bin begeistert!“, lobt der stellvertretende Vorsitzende die Mannschaft.

Nach dem Motto: „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen“ wurden neben dem angrenzenden Feuerlöschteich noch Würstchen gebraten - nach Benfer Art in einer gusseisernen Pfanne über einem Schwedenfeuer, das Jung übrigens aus einem Stück des Vorjahres-Pfingstbaumes geschnitten hatte.

Ob solch ein Verwendungszweck dem diesjährigen Pfingstbaum auch blüht, bleibt abzuwarten. Vorläufig prangt das Prachtstück erst einmal oberhalb von Benfe, direkt am Rothaarsteig. Dort soll der Stamm heute Abend im Beisein der Dorfbewohner von mehreren Mannschaften mit Hilfe von langen Stangen vorsichtig in die vorbereitete Metallkonstruktion gestellt werden. Zwar ohne Leuchtbuchstaben, aber dafür geschmückt mit einem Kranz und bunten Bändern wird er auch hier schon von Ferne zu sehen sein.

Von Ute Schlapbach



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