NABU beklagt weniger Verkehrsopfer
20.04.2009 | 17:27 Uhr 2009-04-20T17:27:00+0200
Niederlaasphe. (wot) Braune Frösche, grüne Frösche und dicke Kröten - viel weiter reicht die Artenkenntnis der meisten Menschen nicht. Dabei gibt es in Deutschland immerhin 20 verschiedene Lurche, von Molchen und Salamandern bis zu Unken, Fröschen und Kröten.
Ins Gespräch kommen diese allerdings regelmäßig bei den so genannten Krötenwanderungen. „Plötzlich ist alles voller Leben”, erzählt Friedrich-Wilhelm Becker, Leiter der NABU-Gruppe Niederlaasphe, die sich seit rund 30 Jahren Hilfsmaßnahmen für die Amphibien widmet.
Im zeitigen Frühjahr (Ende Februar/Anfang März) beginnt witterungsabhängig die Krötenwanderung. Nachttemperaturen von fünf Grad Celsius oder mehr - bei gleichzeitig hoher Luftfeuchtigkeit - lösen den Wandertrieb zu den Laichplätzen aus. In den Anfängen ihrer Rettungsmaßnahmen installierten die Artenschützer entlang der vielbefahrenen B 62 gegenüber dem Amalienhütter Weiher einen Krötenzaun. Somit war es möglich, die Tiere in eingegrabene Eimer hinter den Zäunen zu leiten und in einem Transportgefäß sicher auf die andere Straßenseite zu bringen.
Eine Erfolgsgeschichte ist auch die nächtliche Bedarfssperrung der K 53 zwischen Bad Laasphe und Richstein während der Amphibienwanderung, die erstmals 1998 vom Kreis im Bereich der Hülshofer Teiche angeordnet wurde. Die NABU-Gruppe Niederlaasphe ist seitdem mit der Durchführung der Bedarfssperrung betraut, in diesem Frühjahr bereits zum zwölften Mal in Folge.
Und diese Schutzmaßnahme zahlt sich langsam aus. Noch nie wurde beim allmorgendlichen Entfernen der Sperrbaken eine solch geringe Zahl von Verkehrsopfern unter den wandernden Amphibien wie in diesem Frühjahr registriert. „Dies zeigt deutlich, dass die nächtliche Bedarfssperrung von den Verkehrsteilnehmern zunehmend respektiert wird”, so ein zufriedener Helfer Jens Lehmann.
Durch den strengen und langen Winter war der Laichdruck bei den Amphibien in diesem Jahr besonders groß und sie machten sich entgegen sonstiger Gewohnheiten auch tagsüber auf ihren oft kilometerlangen Marsch über unwegsames Gelände und Straßen (die kleinen Molche legen allerdings nur wenige 100 Meter zurück).
Unterwegs finden sich schon oft die Paare. Das größere Weibchen trägt dann das Männchen huckepack zum Gewässer. Da immer mehr Männchen als Weibchen zur Hochzeit erscheinen, gibt es häufig Streitereien. Manchmal klammern sich mehrere Männchen an ein Weibchen, so dass dieses unter Wasser gedrückt wird und ertrinkt.
Viel gefährlicher ist jedoch eine andere Situation - nämlich das Überqueren von befahrenen Straßen auf dem Weg zum Laichgewässer. Seit dem 27. März ist daher der Straßenabschnitt zwischen Laasphe und Richstein permanent gesperrt, vorher kam es zu Bedarfssperrungen. In den nächsten Tagen könnte die Aktion abgeschlossen sein.
Doch wie finden die Amphibien den Weg zu ihren Geburtsgewässern, auch wenn sich die Landschaft herum verändert hat? Zuständig dafür ist eine Art innerer Kompass - Segen und Gefahr gleichermaßen. Werden nämlich Straßen gebaut, versuchen die Tiere trotzdem zu ihrem Laichgewässer zu kommen. Egal, welchen Gefahren sie sich damit aussetzen, sie suchen keine alternativen Wege.
Notiert haben die 16- bis 20-jährigen Helfer, dass der Gesamtbestand der Amphibien stabil geblieben ist. Ein deutlicher Rückgang ist allerdings bei der Population der Erdkröte (Bufo bufo) zu verzeichnen. Gefunden haben sie eine große Zahl von Laichballen des Grasfrosches.
„Vor den jungen Artenschützern, die in den letzten Wochen bis zu drei Stunden täglich zum Schutz der Amphibien unterwegs waren, kann man nur den Hut ziehen”, würdigt Friedrich-Wilhelm Becker das Engagement der NABU-Mitglieder.
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