Mutige Männer löschen brennende Pension

Bad Berleburg..  Die jüngste abendliche Herbst-Übung des Löschzuges 1 hat es einmal mehr gezeigt: Die Arbeit der Feuerwehr ist wirklich nicht einfach. Da braucht es ein Team aus vielen engagierten und kompetenten Einsatzkräften, um die gestellte Aufgabe in den Griff zu bekommen – ob nun fiktiv oder bei einem echten Alarm. Wie läuft eigentlich so ein Feuerwehr-Einsatz? Unsere Zeitung blickt hinter die Kulissen.

Der Alarm

„Unsere Scheune brennt, es sind noch Menschen in der Pension, da brennt es auch bereits.“ So oder so ähnlich hätte sich der Notruf in der Kreisleitstelle in Siegen wohl angehört. So jedenfalls lautet die Meldung, welche die diensthabenden Disponenten an die Kameraden des Löschzuges 1 der Bad Berleburger Feuerwehr am Abend weitergeben. Wie selbstverständlich endet der Start ins Wochenende für viele Frauen und Männer, für die Familienväter, die Eheleute, Söhne, Töchter, Freundinnen und Freunde am Freitagabend abrupt. Also weg von zu Hause, den Freunden, der Arbeit, den Eltern oder den letzten Einkäufen zum Gerätehaus an der Sählingstraße. Der erste macht das Licht an, drückt im Umkleideraum die Lampen der Fahrzeuge auf einer Schautafel an, die alarmiert wurden. Die Info dazu hat die Leitstelle zuvor per Alarm-Fax in den Funkraum des Gerätehauses gesandt.

Einsatzfahrt mit Hindernissen

Wenige Minuten später gehen die Garagentore hoch, die Kameraden besetzen die Einsatzfahrzeuge. Es ist schon dunkel draußen. Jetzt ist die Gefahr einer Einsatzfahrt noch einmal größer. Viele Autofahrer wissen leider nicht, dass sie beim Ertönen eines Einsatzhorns und dem Erblicken eines Blaulichts sofort Platz zu machen haben. Manche machen gar nichts – oder gefährliche Fehler: Sie halten in der Kurve an, oder blinken rechts und fahren trotzdem weiter. An einer übersichtlichen Stelle anhalten, das tut fast niemand. Die Kameraden müssen solche Situationen immer wieder üben, damit sie im Ernstfall nicht aufgeregt oder falsch reagieren. Das darf auch nicht passieren, denn davon können Menschenleben abhängen.

Ausrüstung folgt unterwegs

Als das Hilfeleistungslöschfahrzeug auf die Sählingstraße einfährt, sieht man hinten im Fahrzeug ein gedämpftes Licht. Hier rüsten sich die Kameraden während der Einsatzfahrt mit Atemschutz aus. Das spart vor Ort Zeit, die unter Umständen einem Menschen das Leben retten kann. Durch Schlaglöcher oder Kurven kann es sein, dass die Kameraden sich dabei den ein oder anderen blauen Fleck holen, der dann anschließend schmerzt. Das wissen sie. Doch sie tun es trotzdem: Das Kind, dass sie wenig später retten könnten, oder die Frau, die sie so im letzten Moment mit der Leiter vom Balkon holen können, sind Motivation genug, das immer wieder so zu machen. Auch bei der Übung.

TLF ist schwer zu steuern

Parallel dazu steuert einer der Kameraden das Groß-Tanklöschfahrzeug (TLF) zum Sengelsberg. Dieser schwere Mercedes Actros fasst über 7000 Liter Wasser und kann damit verhindern, dass eine ganze Existenz in Flammen aufgeht. Der Fahrer steuert ein sehr schweres, mächtiges, großes Fahrzeug durch den zähen Stadtverkehr. Dem Betrachter am Straßenrand kommt das vielleicht nicht so vor, wenn er das Fahrzeug mit Pressluftfanfare vorbei fahren sieht und hört. Befindet sich eine Person direkt vor dem Fahrzeug, etwa an der Einsatzstelle, so sieht der Fahrer das nicht. Vorsicht!

Die Drehleiter

Die Drehleiter ist eines der Fahrzeuge, das diesmal zuerst vor Ort eintrifft. Nachdem sich die Besatzung kurz einen Überblick verschafft hat, ist klar: Hier müssen Menschen aus dem oberen Stockwerk gerettet werden. Es wird nicht viel geredet, die Kameraden verstehen sich mit Blicken. Jeder weiß, was zu tun ist. Von Hektik keine Spur. Fast wie von selbst wird die Drehleiter in Stellung gebracht, der Rettungskorb angebracht und zum Fenster gesteuert, wo die Feuerwehrleute bereits so sehnsüchtig erwartet werden. Kalt ist es da oben, dunkel und windig. Daran ändern auch Beleuchtung am Leiterpark und Einsatzkleidung nicht viel. Die Menschen warten auf Hilfe. Das ist es, was für die Männer und Frauen des Löschzuges jetzt im Vordergrund steht. Beim Einsteigen in den Rettungskorb könnten die Leitersprossen vom Löschwasser glatt werden – trotz Schutzeinrichtung. Aber der Mann im Korb hält seine Schützlinge stets so fest, dass niemand herunter fällt.

Technik ohne Hektik

Es waren aber noch mehr Kameraden im Einsatz. Es musste Licht gemacht werden, Düngemittel aus der brennenden Scheune geholt werden und ein Traktor angehoben werden. Unter dem Traktor: ein Kind. Die Feuerwehrleute sind selbst Väter. Und dennoch: Von Hektik keine Spur. Die Kameraden bringen Hebekissen herbei. Sie werden mit Druckluft aufgepustet, um die tonnenschwere Last anzuheben.

Die Kameraden an den Kissen sind im Berufsleben Chemiker, Büro-Angestellte oder angehende Krankenpfleger. Sie haben im Beruf nicht viel mit Hydrauliktechnik zu tun. Das Wissen darüber und die richtige Handhabung haben sie sich in stundenlangen Lehrgängen an unzähligen Wochenenden und Abenden angeeignet. Jetzt müssen sie es abrufen. Innerhalb von Sekunden müssen sie wissen, was sie zu tun haben. Und: Sie wissen es! Nach kurzer Zeit haben sie das Kind nicht nur gerettet, sondern auch fachmännisch auf dem feuerwehreigenen Spine­board gelagert, so wie es der Rettungsdienst auch machen würde.

Aufräumen angesagt

Nach etwa zwei Stunden ist der Übungseinsatz für heute beendet. Der Wasserwerfer des Tanklöschfahrzeuges wird wieder eingefahren, die vielen Meter Schlauch, die verlegt wurden, werden wieder aufgerollt. Sie müssen trocknen, damit sie nicht schimmeln. Darum kümmern sich die Kameraden im Anschluss. Das Licht wird abgebaut, die Gerätschaften eingepackt. Zum Schluss bedanken sich die Kameraden bei Hermann Krämer. Er ist Besitzer der Gaststätte „Hof Klingelbach“, die zur Übung genutzt werden durfte. Krämer konnte nun sehen, dass die Feuerwehrleute in ihrer Freizeit alles tun würden, um sein Anwesen zu retten und die ihnen anvertrauten Menschen in Sicherheit zu bringen.