Musik ist Trumpf in Netphens Kulturforum

Netphen..  Bilden und unterhalten, das Mehrheitsinteresse treffen und die Nischen füllen: „Der Spagat ist gelungen“, sagt Bürgermeister Paul Wagener, nachdem der Vorstand des Kulturforums seinen Spielplan für die fast noch in den Sommerferien beginnende neue Saison vorgestellt hat — „ein Spitzenprogramm, das alle Anforderungen erfüllt.“

Dass das Programm mit 20 Veranstaltungen etwas schmaler ausfällt und die ganz groß ausgelegten Shows fehlen, fällt erst auf den zweiten Blick auf, wenn Geschäftsführer Lothar Groos darauf aufmerksam macht: Es soll Raum bleiben für den Kulturentwicklungsprozess, der am 22. September beginnen wird. Etwa ein halbes Jahr wird Reinhart Richter, der auch die Stadt Freudenberg beraten hat, die Netphener bei ihrer Weichenstellung begleiten. Der „Kümmerer“, der in Freudenberg letztlich vergeblich außerhalb der Verwaltung gesucht wurde, ist in Netphen da: Groos führt nicht nur die Geschäfte des Vereins, sondern leitet zugleich das städtische Kulturbüro. Wenn dem Kulturforum am Ende die Rolle des Koordinators zugedacht werde, „würde ich das begrüßen“.

Der andere Grund für die Zurückhaltung ist materiell bedingt. „Das letzte Jahr war für uns ein sehr teures Veranstaltungsjahr“, sagt Lothar Groos, „wir haben uns große Qualität auch etwas kosten lassen.“ Nicht immer allerdings wurde das mit großem Publikumszuspruch belohnt. Und so ist nach der bescheidenen Resonanz auf das Gastspiel von Justus Frantz die Klassik-Sparte aus dem Programm verschwunden. Auch über das Kabarett denkt das Kulturforum nach nur begrenzter Begeisterung für Hennes Bender und Thomas Freitag, neu nach. „Wir müssen noch unsere Nische finden.“ Womöglich ist es junge Comedy. Lehrersohn Bastian Bielendorfer zum Beispiel füllte das Forum auf der Haardt.

Und das kommt in der neuen Spielzeit:

Musik

Bow Ties: Die Abiturienten des Dresdner Kreuzchors mit einer Reise durch die Musikgeschichte (7. August, evangelische Kirche Netphen).
Hannes Wader: War zuletzt 2010 in Netphen, kommt mit seiner neuen CD (25. September, Georg-Heimann-Halle).
Bring on the Night: Das Sting-Tribute-Konzert gab es 2013 zwei Mal im Lyz. Jetzt wird es mit allem, was in der Siegerländer Szene Rang und Namen hat, die Georg-Heimann-Halle füllen. Leiter Florian Schnurr ist schließlich Lehrer in Netphen. Sogar Ton Art findet sich dafür noch einmal zusammen (4. September).
Peter Rüchel und 78 Twins: Erinnerungen an den WDR-Rockplast (24. Oktober, Feuerwehrhaus).
Peter Autschbach und Ralf Illenberger: Gitarrenkonzerte sind die Spezialität des Kulturforums (13. November, Feuerwehrhaus).
German Prentki und César Angeleri: Tango de Concierto (12. Februar, Feuerwehrhaus).
Seth Lakeman: British Folk Rock.„Der Mann ist eine Wucht“, verspricht Anne Weber vom Kulturforum (20. Februar, Feuerwehrhaus).
Jazz-Frühstück: Nach einem Jahr Pause wieder im Programm, mit dem Phil Wood Trio (13. März, Feuerwehrhaus).
Davy Cowan und Molly Ban: Die Irish Folk Band aus dem Siegerland mit einem Troubadour aus den schottischen Highlands. (6. Mai, Feuerwehrhaus).
Loren Barrigar & Mark Mazengarb: Folk mit Bluegrass, Jazz, Country und Rock’n’Roll (24. Juni).

Kleinkunst, Literatur, Theater

Die Possenhofer: „Kein Platz für die Liebe.“ Anstelle der „Laien“ aus Wilnsdorf nun die Laien aus dem Heimhof-Theater (30. Oktober, Gymnasium).
Bastian Bielendorfer: „Das Leben ist kein Pausenbrot.“ Keine Lesung, sondern Stand-Up-Comedy (15. Januar, Gymnasium).
Marionettentheater Berger: Diesmal mit dem tapferen Schneiderlein (28. Februar, Feuerwehrhaus).
Jan Wagner: „Regentonnenvariationen“. Kulturforums-Vorsitzende Dr. Ingeborg Längsfeld verspricht einen „absolut anspruchsvollen Lyriker“. Die erste Veranstaltung in der Buchhandlung von Inga Metz: „Wir freuen uns darauf.“ (7. April).
Burkhard Engel: Ein neues Programm mit Rezitation und Gitarrenmusik, diesmal „Räuber – Mondschein — Moritaten“ (15. April, Feuerwehrhaus).

Bildende Kunst

Ursel Decker: „Dahinter geguckt“ heißt die Ausstellung der Irm­garteichenerin. Sie zeigt Grafik und Malerei (22. Oktober).
Aylin Kindermann und Sophie Urban: „raum garage“. Der einzige Beitrag zur jungen Kunst, um die sich Lutz Kringe derzeit nicht kümmern kann (21. April).

Was fehlt

Die Netphener Dichterinnen: Diez-Forscherin Dr. Ingeborg Längsfeld vertröstet auf das nächste Jahr: In Basel hat sie die Partitur zu einer Vertonung des „Mooselfchens“ von Katharina Diez entdeckt und das Werk für Chor und Orchester dem Netphener Musikschulleiter Matthias Merzhäuser ans Herz gelegt. „Das ist in der Mache.“
Die Philharmonie: Für 2016 fasst die Stadt das nächste Konzert ins Auge — jährlich kann sie sich das aus Kostengründen nicht leisten. Bürgermeister Paul Wagener: „Da würde ich mir von der Politik ein offeneres Ohr wünschen.“
Der Katharina-Diez-Platz: „Die Einladung, den Platz zu nutzen“, gilt allen Vereinen“, sagt Lothar Groos. Abgesagt werden musste die weitere Inszenierung eines Diez-Märchens auf der neuen Waldbühne. Einer der Darsteller war zu schlecht in Mathe. „Da setzten Eltern andere Prioritäten“, versteht Paul Wagener. Jedenfalls: Kein „Der Kinderliebe Sieg.“