Mümmelmänner werden immer seltener

Wittgenstein..  Der große Jagddichter Friedrich Freiherr von Gagern (1882-1947) hat den Feldhasen in einem seiner Werke als den „Proletarier der Feldflur“ bezeichnet und wollte damit sagen, dass der allgegenwärtige, „in Massen vorkommende“ und ebenfalls als „Massentier“ bejagte Hase im Gegensatz zum im Walde vorkommenden Feldhasen Charakter, Persönlichkeit und Individualität verliert. „Tiere in Massen“, so seine schon damals und heute immer noch gültige Einschätzung, „werden zur (Bio-)Masse…“ Hermann Löns (1866-1914) hat dem liebenswerten „Feld-Bockelmann“ mit seinem Werk „Mümmelmann“ ein zeitlos-schönes Denkmal gesetzt.

Nicht weit von hier, in Olpe, wurde extra eine Hunderasse gezüchtet, die Olper Bracke, nur um den Hasen im gebirgigen Sauerland zu bejagen. Der Landesjagdverband NRW jubelte noch vor wenigen Jahren, dass „Nordrhein-Westfalen Hasenland Nummer 1“ sei. Und nun das: Der Feldhase ist zum „Tier des Jahres 2015“ ernannt worden mit der Begründung der Schutzgemeinschaft Deutsches Wild, „…durch Umwelteinflüsse sei der Bestand stark zurückgegangen…“ und auf der bundesweiten Roten Liste wird der Feldhase als „gefährdet“ eingestuft.

Eingeschränkter Lebensraum

Nach Angaben des Naturschutzbundes Nabu findet der Hase auf den Feldern nur noch schwer den zum Überleben nötigen Lebensraum. In der intensiven Landwirtschaft mit großen Ackerflächen – insbesondere Mais und Raps – fehlen ihm Ackerrandstreifen, Brachflächen mit Unkräutern und kleinere Gehölze. Rebhuhn, Kiebitz, Feldlerche und Fasan teilen das gleiche Schicksal. Und die Niederwildjäger des Münster- und Rheinlandes stöhnen, „die Hasenstrecken seien besorgniserregend“. Ja, möchte man ihnen zurufen, wenn die Strecken „besorgniserregend“ sind, dann sollte oder darf man den Hasen halt nicht mehr bejagen. Und um das Maß voll zu machen, ist auch noch die Hasenpest (Tularämie) sowohl von Süden (Raum Schweinfurt, Kitzingen) als auch Norden (Münsterland, Kreis Lippe, Osnabrück) im Anmarsch.

Überall lauern Gefahren

Im Jagdjahr 1990/01 wurden in Wittgenstein noch 228 Hasen erlegt; im Jahr 2003/04 nur noch 155; im Jahr 2008/09 gar nur 42 und 2009/10 noch 59. Bei uns im Bergland des Sieger- und Wittgensteiner Landes hat es noch nie viele Hasen gegeben und die Population schwankt auch immer mal. Die Gründe sind vielfältig: Zum einen mag der Hase das raue Klima nicht sonderlich, dann ist der Feldhase eine Art Feinschmecker, der abwechslungsreiche Feldkräuter über alles liebt und diese zum Wohlbefinden und zur Gesundheit braucht.

Weiterhin lauern überall Gefahren, denn neben den Autos sind es Wildschweine, Krähen, Elstern, Füchse, Greifvögel und vor allem streunende und wildernde Katzen, die den armen Mümmelmännern (und -frauen) nachstellen.

Bezüglich Äsung wäre unseren Wittgensteiner Waldhasen schon geholfen, wenn Böschungs-, Feld- und Wiesenränder nicht abgeholzt und ungedüngt und ungegüllt blieben. Apropos Gülle: Hier sollten die Landwirte sowieso immer einen Streifen entlang des Waldes oder der Böschungen und insbesondere an Bächen frei von Gülle lassen.

Man stelle sich vor, es ist Ostern, wir erzählen unseren Kindern und Enkeln vom Osterhasen – und es gibt gar keine Hasen mehr, weder Feld-, noch Wald-, noch Osterhasen. Nur noch Angsthasen. Welch eine Vorstellung!