Mozart und seine musikalischen Beziehungen

Derzeit sind sie auf langer Deutschland-Tour. Das „Canorus-Quintett“ arbeitet sich unermüdlich durch unzählige, qualitativ hochwertige Konzerte.
Derzeit sind sie auf langer Deutschland-Tour. Das „Canorus-Quintett“ arbeitet sich unermüdlich durch unzählige, qualitativ hochwertige Konzerte.
Foto: WP

Bad Berleburg..  Die Kulturgemeinde Bad Berleburg bringt es zu jedem 27. Januar auf den Punkt. Mozart ist ein Muss an seinem Geburtstag. Diesmal war es der 259. Mit dem „Canorus-Quintett“ kamen ins Berleburger Schloss nicht nur Stipendiaten der 58. Bundesauswahl für Konzerte junger Künstler, sondern altermäßig dem jungen Mozart recht nahekommende Musiker. Mit frischem Elan, Esprit und Souveränität gelangten Maximilian Randlinger (Flöte), Charlotte Schleiss (Oboe), Christoph Schneider (Klarinette), Friedrich Müller (Horn) und Hakan Isikilar (Fagott) in den Mittelpunkt des Schlossfoyers und hatten bereits beim Auftakt mit Mozarts Ouvertüre zur „Zauberflöte“ aller Augen und Ohren auf sich gerichtet.

Danzi und Co.

„Mozart meets...“ – unter diesem Motto setzten die fünf jungen Menschen, alle Studenten der Musikhochschulen Hannover und Weimar, ein Zeichen verschiedener musikalischer Beziehungen zu anderen Komponisten, Verehrern Mozarts. Sie setzten sie in Beziehung zu Franz Danzi, der ein Zeitgenosse des Salzburger Genies war - ein Frühromantiker und großer Bewunderer Wolfgang Amadeus´. Er imitierte zwar nicht unbedingt seine Kompositionsart, dennoch glich er sie stark der Form Mozarts an. Von Danzi, dem Sohn eines Mannheimer Cellisten, hörte das Berleburger Publikum das „Bläserquintett in g-moll, op. 56 Nr. 2. Ein belebendes Stück, das die Fünf nahezu schelmenhaft zu interpretieren verstanden. Die Einzelsätze Allegretto, Andante, Menuett und Allegro gaben allen Instrumenten eine individuelle Rolle. Natürlich setzt jeder Musiker dem Instrument auch eine ganz eigene Note auf. Wie sehr und wie tief die jungen Leute mit ihren Blasinstrumenten in Relation stehen, war speziell in diesem Stück spürbar. Allerdings – nichts und niemand überflügelte an diesem angenehmen Ehrentag das Geburtstagskind selbst.

Auch Paul Hindemith (1895 – 1963), der weit über 100 Jahre später lebte als das Wunderkind, durchzog seine Werke mit der Liebe und Anerkennung zu dem viel zu jung verstorbenen Mozart. Dennoch kann Hindemith ebenso als Wunderknabe gesehen werden. In der Moderation des „Canorus-Quintetts“ klang dies mit aller Deutlichkeit durch. Paul Hindemith entwickelte eine neue Klangsprache, spielte alle Orchesterinstrumente auch selbst und war daher in der Lage, intuitiv tief in das Instrument hineinzuhorchen und sich selbst von ihm inspirieren zu lassen.

Diskussion in der Pause

Hätte Mozart länger gelebt, wäre er über seine Jugendlichkeit herausgewachsen, die Frage stellen sich natürlich immer wieder Mozartkenner- und Liebhaber seiner Werke. In welche Richtung wären seine Kompositionen gegangen, welch Genie hätte der Mann noch auf den Weg gebracht. Diese Frage war in der Konzertpause Diskussionspunkt unter den fachkompetenten Besuchern, aber auch der Laie stellte sich hier die Frage, wie wohl ein altersreifer Mozart in seiner hohen Kunst fortgefahren wäre. Dies bleibt leider alles unbeantwortet. Nur Spekulationen wären möglich.

Das „Canorus-Quintett“ hat jedoch auch mit der Serenade in c-moll KV 388 ein eindeutiges Zeichen zum Schluss des Konzertes gesetzt. Es war ein Auftragswerk für den Fürsten Liechtenstein in 1782. Die „Nachtmusik“ wie sie den Beinamen trägt, gelangte erst nach Mozarts Tod zur Bedeutung - wie der Komponist selbst. Zu Lebzeiten musste er oft um seinen Unterhalt kämpfen, verlor aber nie den Humor und seine derbe Ausdrucksweise. Sein Ende kennen die Mozartfreunde. Dem düster anmutenden Schlusswerk, das im letzten Satz ein leichtes Divertimento aufwies, was aber nicht über den Gesamteindruck hinwegtäuschte, stellten die fünf jungen Musiker Joseph Haydns Divertimento mit dem letzten Satz, Allegro, eine fröhliche Note gegenüber. Ein alles andere als sprödes Konzert fand ein bejubeltes Ende. Hingerissen von der Unbeschwertheit der Musiker und von ihrer Entspanntheit spendeten die Zuhörer minutenlangen Applaus.