Morddrohung in Laaspher Asylunterkunft

Verhandlung am Amtsgericht Bad Berleburg – doch einer von zwei Angeklagten war nicht gekommen.
Verhandlung am Amtsgericht Bad Berleburg – doch einer von zwei Angeklagten war nicht gekommen.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Das Amtsgericht kämpfte am Dienstag mit Ignoranz: Ein Angeklagter in einem Prozess um eine Morddrohung zog es vor, die Verhandlung zu verschlafen.

Bad Berleburg..  Eigentlich hätte der 20 Jahre alte Beschuldigte nicht alleine auf der Anklagebank sitzen sollen, aber der Kollege ist wohl ganz bewusst seiner Ladung in den Sitzungssaal nicht gefolgt.

Sein Kumpan hat ihn am Dienstag folgendermaßen entschuldigt: „Er ist nicht da, er ist zu Hause am schlafen. Verhandelt wurde trotzdem. Es ging es um einen Vorfall im September 2014 im Bereich einer Asylbewerberunterkunft in Bad Laasphe. Gegen 4.45 Uhr sollen die beiden Männer einen Stein in ein Fenster geworfen haben. Laut Anklage von Oberamtsanwältin Judith Hippenstiel ist dabei die Doppelverglasung zerstört worden. Anschließend sind die Nordafrikaner in das Zimmer eingedrungen und haben einen männlichen Bewohner massiv unter Druck gesetzt. „Wir werden dich töten“, sollen sie gerufen haben.

Einschlägig vorbestraft

Warum hat der 20-Jährige das gemacht? „Wir haben tagsüber schon getrunken, und dabei hat uns dieser Mann ausgeschimpft.“

Es war übrigens nicht die erste Straftat, die beide gemeinsam verübt haben. Vor dem Amtsgericht in Siegen wurde zumindest der 20-Jährige zum Ableisten von 200 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt, sie hatten in der Kreisstadt einen Mann verprügelt. Von den Sozialstunden ist noch keine einzige abgeleistet, was auch daran liegt, dass der junge Mann noch keinen Kontakt zu seinem Bewährungshelfer Reinhold Vater aufgenommen hat. Über seinen Dolmetscher ließ der Beschuldigte mitteilen, dass er nicht arbeiten, sondern die Strafe lieber abbezahlen wolle.

2000 Euro abzuzahlen

Diese Aussage brachte die Vertreterin der Staatsanwaltschaft auf die Palme. 2000 Euro wären zu zahlen, wie wolle er das mit 220 Euro Sozialhilfe denn anstellen, rechnete Judith Hippenstiel vor. Warum er nicht arbeiten wolle, ließ er auch durchblicken: „Ich muss mich um meine schwangere Freundin kümmern.“ Das Verfahren wurde im Hinblick auf weitere Strafverfahren auf Kosten der Landeskasse eingestellt.

Gegen den durch Abwesenheit glänzenden Kollegen wurde ein Strafbefehl verhängt.