Mit Zwiebelhäuten besonders oft gefärbt

Mit den Tipps von Museumschefin Anne Bade konnte für die junge Dame beim Eierfärben nichts schief gehen.
Mit den Tipps von Museumschefin Anne Bade konnte für die junge Dame beim Eierfärben nichts schief gehen.
Foto: WP

Feudingen..  Vor der Erfindung der künstlichen Farben im 19. Jahrhundert wurden Ostereier in der Regel mit Naturmaterialien gefärbt. Spinat, Schlüsselblumen, Kamille, Kümmel und Rotkohl lieferten den Farbsud, der den Eiern eine nicht zu intensive Tönung verlieh. Bunter wurden sie durch den Einsatz von Holunder- oder Heidelbeersaft, der ebenso wie das Blauholz zu einem mehr oder weniger kräftigen Blaustich verhalf. Am weitesten verbreitet war, wie man auf der gut besuchten Osterausstellung im Heimatmuseum des „Oberen Lahntals“ am Karfreitag erfahren konnte, in Wittgenstein allerdings das Eierfärben mit Zwiebelhäuten. Besucher der Ausstellung hatten die Möglichkeit, diese alte Färbetechnik selbst auszuprobieren und sich anschließend ihr eigenes Osterei mit nach Hause zu nehmen.

Von Blättern umringt

Besonders effektvolle Muster entstehen auch, wenn man die Eier vor dem Färben mit Grashalmen, Petersilien- oder sonstigen kräftig gezahnten Blättern umlegt und diese mit einem dünnen Bindfaden oder einer Hülle aus durchlässigem Gewebe umwickelt. Nach dem Abkochen werden die Blätter abgestreift – auf der Schale bleiben ihre Umrisse als zarte Muster erhalten. Einen guten Tipp, wie man zu matte Farben aufwertet, hielten die Schwestern Sophia und Caroline für uns bereit: „Meine Mama nimmt dann immer ein Stück Speck und reibt die Eier damit ein. Dann glänzen sie ganz toll.“ Erinnert wurde in der Feudinger Osterwerkstatt von Museumschefin Anne Bade auch an das heutzutage nur noch wenig gebräuchliche Vergraben von gefärbten Ostereiern in einen Ameisenhaufen.

Dabei dienen die fleißigen Tiere als „ehrenamtliche“ Helfer bei der Gestaltung der Eier. Die Ameisen „bepinkeln“ diese nämlich mit einer ätzenden Säure. So entsteht oft ein bizarres Dekor oder feines Gesprenkel auf der Schale. Schön und gut – aber wer bringt denn nun eigentlich die Ostereier? Auch diese knifflige Frage vermochte man in Feudingen recht differenziert zu beantworten: In Westböhmen und im Egerland war früher der Hahn als Überbringer tätig, in Tirol und Kärnten die „Himmelshenne“ und der Ostervogel. Meister Lampe schickte man erstmals am Oberrhein und in der Pfalz mit der Kiepe auf Tour.

Schafschur vor Ort

Andere Landstriche schlossen sich diesem Brauch in der Folge an. Doch egal, wer die Eier nun bringt – koloriert müssen sie zu Ostern auf jeden Fall sein.

Und so war im Heimatmuseum neben alten Eierbechern auch eine kleine Sammlung kunstvoll bemalter Ostereier zu sehen. Für gespannte Aufmerksamkeit sorgte Oliver Junker-Matthes, der nicht nur eine Schafschur mit der Handschere demonstrierte, sondern auch zeigte, wie man Wolle am Spinnrad oder mit der Handspindel herstellt. Großen Anklang fanden die „Wettbewerbe“ auf der Eierbahn und beim Eierditschen, in denen sich jüngere Besucher nicht selten gegen erwachsene Familienmitglieder durchsetzen konnten.Zu einer Besichtigungspause wurde in die österliche Kaffeestube eingeladen, in der neben Waffeln auch das gebackene Osterlämmchen aus der alten Gussform zu erhalten war.