Mit PS-Boliden Show unter den Wolken
08.06.2010 | 11:00 Uhr 2010-06-08T11:00:00+0200
Schameder.„Boah, ist das laut!“, staunt ein Junge hinter dem schwarzen Zuschauerzaun, als die Boeing Stearman an ihm vorbeirauscht und in die Luft steigt. 450 PS braucht es, um das über eine Tonne schwere Flugzeug in den Himmel zu heben.
„Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein“, hat Reinhard Mey gesungen; beim Oldtimertreffen auf dem Flugplatz Schameder konnte man am Sonntag einen Eindruck davon bekommen, wovon diese Zeilen sprechen. Sehnsüchtige Blicke der zahlreichen Zuschauer folgten der Boeing wie vielen von ihren 25 „Kollegen“ in die Luft und sahen eine beeindruckende Flugshow.
Loopings
Da gab es Loopings und Turns, bei denen das Flugzeug fast senkrecht in die Luft steigt, um dann über eine Flügelspitze nach unten abzukippen. Eindrucksvoll war auch das „Trudeln“: die Fluggeschwindigkeit wird hier so weit reduziert, dass das Flugzeug „trudelnd“ sinkt und es aussieht, als ob es abstürzt. „Das ist ein bisschen wie Achterbahnfahren, nur schöner“, schwärmt Jan Schweitzer, Pressewart des Flugsportvereins Schameder, „das ist einfach faszinierend, man hat einen tollen Ausblick. Man sagt ja nicht umsonst ‚nur Fliegen ist schöner‘!“.
Übelkeit kennen die Piloten mit der entsprechenden Erfahrung wahrscheinlich nicht mehr, „aber als Laie kann einem da schon schlecht werden“, räumt Jan Schweitzer ein. Er hat sich als Schüler seinen Segelflugschein selbst finanziert, in den ersten Flugstunden war auch ihm etwas mulmig.
Kunstflugexperte
Ein echter Experte im Kunstflug ist die Walter Extra, von der am Sonntag auch zwei Exemplare zu sehen waren. „Das sind modernste Kunstflugzeuge, die sind momentan das Maß aller Dinge“, erklärt Jan Schweitzer, „die sieht man sonst nur im Fernsehen beim Red Bull Air-Race. Stefan Raab ist auch schon mal in einer geflogen.“ Mit bis zu 400 Stundenkilometern präsentierte sich die Walter Extra über den Köpfen der Besucher. Ein weiteres Highlight war die Super Skybolt 250 vom Acro Team Meschede, ein aus den USA importierter Eigenbau. Von der Eisernhardt in Siegen waren auch zwei historische Doppeldecker-Flugzeuge gekommen: Eine Stampe Stiglitz sowie ein Tiger Moth, beide aus den 1930er Jahren.
Rundflug
Viele der Besucher sicherten sich einen Rundflug und nahmen dafür auch Wartezeiten in Kauf. Ein ganz besonderes Erlebnis konnte man in der North American T-6 erleben, einem zweieinhalb Tonnen schweren Flugzeug mit 600 PS und Spitzengeschwindigkeiten von 335 Stundenkilometern. Zum Vergleich: die Motorsegler in Schameder haben um die 80 PS. Für einen halbstündigen Flug mit der T-6 musste man dann aber auch 400 Euro hinlegen, ein Flug mit den normalen Motorseglern kostete rund 30 Euro für 15 Minuten. „Bei der North American T-6 lohnt sich das vor einer halben Stunde auch nicht“, erklärt Jan Schweitzer, „die verbraucht rund 100 Liter Sprit pro Stunde und bei Start und Landung natürlich am meisten“. Außerdem konnte man einen Flug nach Aachen mit der Maschine ersteigern, noch am selben Nachmittag ging es los.
Neben den Fliegern gingen die zwei- und vierrädrigen Oldtimer auf dem Flugplatz fast ein bisschen unter, obwohl auch hier echte Schätze zu finden waren. 210 waren gekommen, Motorräder, Traktoren und Autos. Einige waren schon am Samstag zum Fly-Inn und zur Hanga-Party gekommen und hatten auf dem Flugplatz gezeltet.
0mitdiskutieren