Mit dem Wohnmobil in die Freiheit

Andrea hat Glück gehabt. Oder Pech. So recht weiß sie das gar nicht. Die 58-Jährige lebt seit 23 Jahren mit Karl zusammen. Der leidet unter Borreliose, einer Hirnhautentzündung. „Die Symptomatik ist ähnlich. Das schweißt zusammen.“ Immerhin: Seit vier Jahren hat sie Ruhe vor der MS, seit 15 Jahren lebt sie mit der Diagnose, „ganz selten habe ich Depri-Tage“. 23 Jahre ist sie nun mit ihrem Karl zusammen, nur ein halbes Jahr später als sie erkrankte auch er. Karl begleitet sie zum Rollstuhl-Training (“rein präventiv“), im Kreise der Selbsthilfegruppe sagt er: „Ich höre zu, was ich für Andrea tun kann.“

An diesen brennenden, wie tausend Nadeln stechenden Schmerz, der sie nach dem Zubettgehen heimsucht, wird sie sich wohl nie ganz gewöhnen. Unter dem Strich aber bleibt: „Ich führe ein selbstbestimmtes Leben.“ Ihr großes Glück: Das familiäre Umfeld, ihr Freundeskreis hat sich auf sie und ihre Krankheit eingelassen. „Stress ist Gift“, erzählt sie, „dann bin ich nicht zu gebrauchen. Wenn die Beziehung rund läuft, wirkt sich das positiv aus.“

Bei Andrea und Karl läuft es nach wie vor rund. Manchmal beschleicht sie das Gefühl, trotz ihrer Erkrankung so viel schaffen zu müssen, dass es ihr über den Kopf hinaus wächst. Das Wohnmobil hilft, für Andrea Inbegriff der Freiheit. Urlaub machen die beiden im Frühjahr und im Herbst – wenn das Wetter mild ist.