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Mit Basis-Deutsch raus aus den Containern

24.01.2015 | 00:11 Uhr

Erndtebrück. Flüchtlinge unterzubringen ist für die Gemeinde Erndtebrück nicht immer leicht – werden sie doch oft recht überraschend zugeteilt. Hier bekommen die Verantwortlichen aus dem Rathaus jetzt Unterstützung von der neuen Bürgerinitiative Flüchtlingshilfe Erndtebrück. Ein Gespräch mit einer der Initiatorinnen, Ursula Wied.

Frage: Oberstes Ziel der Initiative ist es, „die Integration der zu uns kommenden Menschen mit verschiedenen Aktionen zu fördern“. Wo sehen Sie da einen Anfang?

Ursula Wied: Vor allem mit einem Deutsch-Unterricht für Flüchtlinge. Das Ehepaar Bleischwitz, aber auch der frühere Erndtebrücker Pfarrer Helmut Krumm wollen da etwas tun, so eine Art Basis-Deutsch vermitteln. Außerdem haben wir noch ein oder zwei Personen, die als Lehrer einsteigen wollen. Netterweise hat uns die Gemeinde für den Unterricht Räume in der Hauptschule zur Verfügung gestellt.

Glauben Sie, dass dieses Angebot ankommt?

Das Interesse am Erlernen der Sprache ist bei den Flüchtlingen groß. Sie ist ja eigentlich auch das wichtigste Bindeglied für die Flüchtlinge zu ihrer neuen Heimat. Außerdem wollen wir zeigen, wie Deutschland funktioniert, dass zum Beispiel Pünktlichkeit eine Tugend ist.

Wie klappt eigentlich die Verständigung mit den Flüchtlingen?

Das ist schon schwierig, selbst mit Englisch oder Französisch. Zum Glück gibt es jemanden unter den Flüchtlingen, der fünf Sprachen spricht. Dieser Mann hilft uns im Moment sehr beim Übersetzen.

Welche anderen Aktionen sind noch denkbar?

Der Jugendtreff „LogIn“ möchte einen Treff für die Flüchtlinge organisieren, die mit 20 bis 40 Jahren meist sehr jung sind und übrigens derzeit aus 15 verschiedenen Ländern kommen – aus Afrika, Bangladesch, aus Syrien, dem gesamten arabischen Raum. Das gilt zumindest für die Einzelpersonen, die neben zwei größeren Flüchtlingsfamilien hier bei uns leben.

In der Berleburger Flüchtlingsunterkunft am Spielacker war Langeweile eines der Stichworte. Können Sie schon sagen, was man am Standort Erndtebrück dagegen tun kann?

Wir haben uns überlegt, für die Flüchtlinge einen Fragebogen zu entwerfen, um herauszufinden: Was haben Sie bisher in Ihrer Freizeit gemacht? Was planen Sie für Ihre Zukunft? Die Antworten könnten hilfreich sein, um gerade den Flüchtlingen Kontakte zu unseren Vereinen zu vermitteln – vielleicht sind ja Fußballer-Talente darunter. Oder jemand, der Musik machen möchte. Oder wir finden einen Draht zu heimischen Unternehmen, die Praktika, eine Lehre oder sogar Jobs anbieten könnten. Das könnte den Flüchtlingen mehr Selbstwertgefühl vermitteln – und sie dazu bringen, ihren Blick in die Zukunft zu richten auf das, was kommt, wenn ihr Asylantrag bewilligt wird. Aber auch die Arbeitsagentur wäre sicher bereit, Termine für jemanden unter den Flüchtlingen zu vereinbaren, der eine Arbeitserlaubnis hat.

Gibt es vielleicht auch ganz kurzfristig Chancen für die Flüchtlinge, sich sinnvoll einzubringen?

Das loten wir gerade aus. So möchten wir als Bürgerinitiative gerne bei Privatleuten anfragen, die im Alltag vielleicht Hilfe brauchen. Wir könnten Kontakte für einen Arbeitseinsatz vermitteln, etwa: Hecke schneiden gegen eine Tasse Kaffee oder einen kleinen Obolus. Dass die Leute auf jeden Fall etwas machen, wofür sie ein bisschen zurückbekommen. Vom Staat erhalten Asylbewerber derzeit eine Leistung, die knapp unterhalb von Hartz IV liegt. Und davon müssen sie auch noch ihre Unterkunft bezahlen.

Womit könnten die Erndtebrücker den Flüchtlingen noch helfen?

Tja, wir suchen da zum Beispiel noch Wörterbücher Arabisch-Deutsch. Und Menschen, die mit den Flüchtlingen einfach mal spazieren gehen. Die ihnen einfach etwas von ihrer Zeit geben – das Wertvollste, was wir haben. Auch ein Kicker für die Unterkunft wäre nicht schlecht, gegen die Langeweile. Und Fahrräder. Dann wären für die Flüchtlinge die Wege kürzer.

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2015-01-24 00:11
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