Milchpreise setzen Südwestfalens Bauern unter Druck

Kreislandwirt Lothar Menn aus Erndtebrück vermutet die Ursachen für die Problematik auf dem Weltmarkt.
Kreislandwirt Lothar Menn aus Erndtebrück vermutet die Ursachen für die Problematik auf dem Weltmarkt.
Foto: privat
Was wir bereits wissen
Schon wieder billiger: Der Preis von 40 Cent pro Kilo Rohmilch ist auf unter 30 Cent gefallen. Kreislandwirt Lothar Menn sieht die Ursache in China.

Wittgenstein.. Der Bauernhof der Familie Menn in Erndtebrück hat eine lange Geschichte: Er wurde nach dem Dreißigjährigen Krieg wieder aufgebaut; Lothar Menn (60) betreibt ihn heute in der achten Generation und hat im vergangenen Jahr in einen neuen Stall für seine Milchkühe investiert. Deshalb tut ihm wie vielen Milchbauern der derzeitige Fall der Milchpreise von rund 40 Cent pro Kilo Rohmilch im Vorjahr auf derzeit unter 30 Cent besonders weh.

Diesen Abwärtstrend begründet Lothar Menn hauptsächlich mit dem Einbruch des asiatischen Milchmarktes. China hat im vergangenen Jahr mehr Milchprodukte importiert als verbraucht und zehrt derzeit von seinen noch vollen Lagern. Ein weiterer Grund ist das russische Lebensmittel-Einfuhrverbot gegenüber Europa. Russland als großer Milchimporteur ist seit dem letzten August komplett ausgefallen, das Embargo wurde gerade um ein weiteres Jahr verlängert.

Zudem sei der europäische Absatz von Milchprodukten mit Ausnahme von Joghurt rückläufig, so Menn. Aus den USA und Neuseeland komme dagegen mehr Milch auf den globalen Markt. Die am 1. April weggefallene Milchquote ist in Menns Augen jedoch nicht der primäre Anlass für den Preissturz: „Der Einzelhandel ist deshalb allerdings von mehr Milchangebot ausgegangen und hat deshalb die Preise gedrückt.“

Neue Quote ist die Fläche der Höfe

So wie Lothar Menn sehen sehr viele Landwirte in Südwestfalen die momentane Marktsituation. Die Befürchtungen, dass es ohne Milchquote zu einer Milchschwemme kommen könnte, sind nicht eingetreten, es wird in Deutschland seitdem nicht mehr Milch als vorher produziert. „Die neue Quote ist im Grunde die den Höfen zur Verfügung stehende Fläche“, so die einhellige Meinung. „Je mehr Land, desto mehr Futter kann produziert und mehr Gülle ausgebracht werden. Erst dann kann man auch mehr Milchkühe halten.“

Lothar Menn hat in seinem Leben drei Ställe gebaut, den dritten gerade erst, um die Lebensbedingungen für seine Tiere den neuesten Anforderungen anzupassen und die Zahl seiner Milchkühe von 70 auf 150 aufzustocken: „Durch die ständig fallenden Preise muss ich mehr Milch produzieren, um unser Einkommen zu sichern. Erst ab einer gewissen Anzahl Kühe kann ich die Menge liefern, mit der sich ein Hof noch rechnet.“ Interventionen der Politik hält Menn dennoch nicht für sinnvoll: „Die Landwirte müssen sich auf Bewegung der Preise einstellen, das sind nun mal die Gesetze der Marktwirtschaft. Wenn die Politik steuernd für die Bauern eingreift, handelt sie damit gegen die Industrie.“

Abgesehen von der Preispolitik ärgert Lothar Menn auch immer wieder die negative Darstellung der Landwirte in vielen Medien, wie zuletzt auch nach dem Dt. Bauerntag in Erfurt: „Wir arbeiten hart und bemühen uns ständig um das Wohl unserer Tiere. Die öffentliche Darstellung unseres Berufes ist oft nicht gerade aufbauend. Wir setzen doch nicht absichtlich die Zukunft unserer Familien und Höfe aufs Spiel.“

Hoffnungsvoller Blick in die Zukunft

Trotz der momentan alles andere als rosigen Aussichten ist Lothar Menn optimistisch und hofft darauf, dass sich der russische und asiatische Markt mittelfristig wieder aufbaut und sich durch die günstigen Milchprodukte am Binnenmarkt die Nachfrage erhöht: „Ich kann ja nicht ständig rummeckern, dass es uns Bauern schlecht geht und dann von meinem Sohn erwarten, dass er weiter macht.“

Dieser Optimismus ist übergesprungen, denn Sohn Heinrich (30) ist nach seinem Studium mittlerweile in den Betrieb eingestiegen. So wird der Hof Menn nun in der 9. Generation weiter geführt und auch weiterhin ein kleiner Teil des großen Milch-Weltmarktgefüges bleiben.