Mann wollte Bauernhöfe kaufen - und zahlte keinen Cent

Das Dorf Sassenhausen hat es dem angeblichen Millionär offenbar angetan. Hier und in der näheren Umgebung hat er mehrere Verkaufsverhandlungen über Immobilien geführt. Zustande gekommen ist kein einziges der Geschäfte.
Das Dorf Sassenhausen hat es dem angeblichen Millionär offenbar angetan. Hier und in der näheren Umgebung hat er mehrere Verkaufsverhandlungen über Immobilien geführt. Zustande gekommen ist kein einziges der Geschäfte.
Foto: Christoph Vetter
Ein 61-jähriger mutmaßlicher Hochstapler soll mit Kaufverträgen für Bauernhöfe versucht haben, zwei Familien in Wittgenstein zu betrügen.

Wittgenstein.. Das ist an Dreistigkeit wohl nicht mehr zu überbieten. Der mutmaßliche Hochstapler, über den unsere Zeitung im vergangenen November schrieb („Der Mann, der Sassenhausen aufkaufen will“), hat vermutlich zwei Wittgensteiner Familien übers Ohr gehauen, als er Interesse an deren Bauernhöfen gezeigt hat. Mehr noch: Der Mann (61) ließ die jeweiligen Kaufverträge innerhalb von zwei Wochen notariell beurkunden und erreichte damit die Auflassungsvormerkung im Grundbuch. Doch alle Zahlungsziele verstrichen, ohne dass der vermeintliche Millionär auch nur einen einzigen Cent bezahlte.

Wie auch? Unserer Lokalredaktion liegen Aufzeichnungen vor, die darauf hinweisen könnten, dass der Mann wohl kaum in der Lage gewesen sein dürfte, die Summe von insgesamt 1,5 Millionen Euro für die Bauernhöfe auf den Tisch zu legen. Suggeriert hat er das allerdings den beiden Eigentümern.

„Für mich ist das vorsätzlicher Betrug, dass er versucht, Immobilien zu erwerben, die er wahrscheinlich nie bezahlen kann“, sagt ein Hofbesitzer. Denn der angebliche Investor habe ein Schreiben einer Hamburger Anwaltskanzlei vorgelegt. Das Papier diente offenbar als angeblicher Kapitalnachweis, denn sinngemäß sei dort behauptet worden, der Mann verfüge über einen Konto­rahmen von zehn Millionen (!) Euro.

Oldtimer, Schwimmbad und Reithalle

Entsprechend war dann auch sein Verhalten. In einem Fall plante er nach Angaben der Besitzer den Abriss des Hofgebäudes; dort solle eine Tiefgarage für seine 52 Oldtimer entstehen. Ein Foto der Schätzchen legte er auch vor. „Ich möchte gern wissen, auf welcher Ausstellung er das gemacht hat?“, fragt sich der Verkäufer heute. Auf das Gelände sollte schließlich obendrein ein großzügiger Swimmingpool gebaut werden.

Der Blender schreckte auch nicht davor zurück, ein Architekturbüro aus Wittgenstein mit Vermessungsarbeiten auf dem Anwesen zu beauftragen – für eine Reithalle und einen Reitplatz. Immerhin, so wurde er nicht müde zu erzählen, sollten 150 Friesenpferde demnächst auf Wittgensteiner Wiesen grasen. Nachbarn des Hofes waren bereit, auf Wunsch des Investors einen Teil ihrer Weiden an ihn abzugeben.

Parallel schaltete der vorgebliche Millionär auf einer Internetplattform mehrere Stellenangebote über die Bundesagentur für Arbeit: Ein Gartenbaumeister/Gärtner, eine kaufmännische Fachkraft als „Assistenz der Geschäftsführung“ sowie eine Haushaltshilfe wurden darin gesucht für den Aufbau des „Gutes Sassenhausen“.

Ebenfalls dafür hat er übrigens einem Mitarbeiter des Verkäufers eine Stelle angeboten unter der Voraussetzung, dass der den Führerschein für Trecker macht.

Geschäftsbeziehung nicht empfohlen

Die Kosten sollten erstattet werden. Doch darauf blieb der Mann sitzen – wie alle anderen Gutgläubigen bis heute auch. Einer davon ist „stinksauer auf unsere Maklerin. Die hat uns gesagt, dass sie den angeblichen Käufer durchleuchtet hat, mit Creditreform und so...“. Offenbar nicht gründlich genug; denn von solchen Auskunfteien heißt es über den 61-Jährigen: „... Von einer Geschäftsbeziehung wird abgeraten.“

Ein weiterer, überregional tätiger und auf landwirtschaftliche Anwesen spezialisierter Makler aus dem Rheinland hatte den zweiten Hof im Angebot, doch der Besitzer hat das Geschäft direkt mit dem mutmaßlichen Hochstapler gemacht. Bisher einer wehrt sich jedoch gegen diese Machenschaften. Er fühlt sich als „Geschädigter“ und hat Anzeige bei der Polizei erstattet. Die ermittelt nun wegen des Verdachts der Vorbereitung einer Straftat bzw. wegen Betruges. Dafür ist der 61-Jährige der Justiz einschlägig bekannt.

Eine erbetene Stellungnahme blieb der Angezeigte unserer Zeitung schuldig. Die von ihm am 26. März angekündigte „schriftliche Nachricht“ ist nie angekommen.