Mancher Nachbar der Weiden rümpft die Nase

Wittgenstein..  Manchen stinkt’s regelrecht zum Himmel, wenn die Landwirte, wie in diesen Tagen, ihre Äcker und Weiden mit Gülle anreichern. Dabei müssen sie sich an bestimmte Verordnungen und Regeln halten. „Aber vieles geht leichter, wenn unsere Bauern ein Fingerspitzengefühl für ihre Arbeit haben“, sagt Hubert Stratmann, stellv. Geschäftsführer der für Wittgenstein zuständigen Landwirtschaftkammer in Meschede.

Damit spricht Stratmann nicht seltene Konflikte zwischen Bürgern und Bauern im Zusammenhang mit übelriechender Jauche auf der Wiese gleich neben Balkon oder Garten an. „Das Zauberwort ist hier ,Kommunikation’“. Über diese Thematik werde bei den jährlich über 20 Ortstellenversammlungen gesprochen und die Landwirte sensibilisiert. Ihnen werde geraten, vor dem Aufbringen die Wetterlage zu berücksichtigen oder möglichst nicht vor einem Wochenende Gülle zu fahren. „Aber das ist good will des Bauern“, heißt es aus der Kammer in Meschede.

„Es muss immer gerichtsfest sein“

Im Durchschnitt, so schätzt Hubert Stratmann auf Anfrage unserer Lokalredaktion, „kommen jährlich bis zu 20 Beschwerden über Gestank auf Weide oder Feld an.“ In solchen Fällen fährt ein Mitarbeiter der Kammer zum „Tatort“, um die Vorwürfe zu überprüfen. Das sei vor Ort natürlich objektiv nicht immer leicht, erst recht nicht, „gerichtsfest zu ermitteln, welche Menge Jauche oder Gülle tatsächlich aufgebracht worden“ sei, so Hubert Stratmann. Dennoch „kümmern wir uns um Beschwerden und geben dem Bürger das Gefühl, dass wir uns kümmern. Aber nicht alle Dinge können wir einschränken oder verbieten“.

Jauche auf Acker schnell einarbeiten

Wie der stellv. Geschäftsführer erklärt, müsse jeder Landwirt für seine infrage kommenden Flächen eine Nährstoffbilanz erstellen. Die Kammer berechne anhand dieser Zahlen die gleichmäßige Verteilung für Wiesen und Äcker. Wird unbestelltes Ackerland gejaucht, so muss die Jauche laut Gülleverordnung in spätestens vier Stunden eingearbeitet werden, um belästigenden Gestank zu verhindern. Diese Verordnung ist von manchen Kommunen erweitert worden - wie in Bad Berleburg beispielsweise. Dort dürfen Flächen innerhalb des ausgewiesenen Kurgebietes nicht mit Gülle gedüngt werden.

In den Vorgaben ist übrigens lediglich der drei Meter große Abstand zu Gewässern (Oberkante Ufer) geregelt, generell gibt es laut Stratmann solch ein Gebot für Wohnbebauung nicht.

Halten sich Landwirte nicht an die Vorgaben, droht ein Bußgeld von bis zu 1 000 Euro. Sind denn Landwirte wegen Fehlverhaltens schon einmal „verdonnert“ worden? Hubert Stratmann antwortet spontan: „Einer hat mal die Jauche bis in einen Bach gespritzt. Wenn so was grob fahrlässig passiert, muss die Strafe schon spürbar sein.“