Lob für lebendige Bezirksversammlung

Viele Menschen kamen bei der Gemeindeversammlung im Diedenshäuser Bezirk der Evangelischen Kirchengemeinde Wunderthausen/Diedenshausen ins Gespräch, einige hefteten ihre Anmerkungen an die Stellwände. Nächsten Sonntag wiederholt sich das Ganze in Wunderthausen.
Viele Menschen kamen bei der Gemeindeversammlung im Diedenshäuser Bezirk der Evangelischen Kirchengemeinde Wunderthausen/Diedenshausen ins Gespräch, einige hefteten ihre Anmerkungen an die Stellwände. Nächsten Sonntag wiederholt sich das Ganze in Wunderthausen.
Foto: WP

Diedenshausen..  Als vor rund einem Dreivierteljahr ein Bevollmächtigtengremium (BVG) in der Evangelischen Kirchengemeinde Wunderthausen/Diedenshausen nach dem Rücktritt des Presbyteriums seine Arbeit aufnahm, da lautete ein Versprechen, die Diedenshäuser und Wunderthäuser beständig zu informieren und in die anstehenden Entscheidungsprozesse einzubeziehen.

Genau aus diesem Transparenz-Gedanken fand am Sonntag in der Alten Schule Diedenshausen die erste von zwei Bezirksversammlungen der Kirchengemeinde statt. Bewusst hatte sich das Gremium einen gottesdienst-freien Sonntag in der Gemeinde ausgesucht, um sich zu treffen und genügend Zeit zum Gespräch zu haben. Wobei Pfarrer Dr. Detlef Metz als Vorsitzender des BVG in seiner kurzen Einführung deutlich machte, dass diese Sitzung, in der über die Zukunft der Gemeinde hier vor Ort gesprochen werde, „Gottesdienst im Alltag“ sei.

780 Gemeindeglieder

Rund 40 Menschen kamen an diesem Sonntag in der Alten Schule zusammen. Roswitha Scheckel und Norbert Deka – beide sind Pfarrer und beide begleiten als Gemeindeberater derzeit das BVG – übernahmen die Moderation des Morgens. Gerhard Knoche aus dem BVG präsentierte die feststehenden Fakten und die Ergebnisse der Gremiums-Überlegungen, das sich in den vergangenen Monaten bereits elfmal getroffen und schon viele Gespräche geführt hatte.

Die Kirchengemeinde hat derzeit knapp 780 Gemeindeglieder. Obwohl der Wittgensteiner Kirchenkreis wegen seiner ländlichen Struktur weiter zusätzliche Pfarrstellen aus Bielefeld finanziert bekommt und deshalb großzügigere Gemeindeglieder-Maßstäbe für eine Pfarrstelle anlegen kann als die übrige Evangelischen Kirche von Westfalen, ist das selbst hier nur knapp eine Drittel-Pfarrstelle. So kristallisierten sich drei Fragen heraus, die an diesem Morgen zu diskutieren waren. Was muss ein Pfarrer auf jeden Fall tun? Was für Aufgaben können Ehrenamtliche übernehmen? Wie kann die zu kleine Kirchengemeinde in einem größeren Ganzen kooperieren, um überhaupt noch mal einen Pfarrer zu bekommen?

Kooperation

Für die letzte Frage sah das BVG drei Optionen: ein Zusammengehen mit der Lukas-Kirchengemeinde im Eder- und Elsofftal, ein Zusammengehen mit der Kirchengemeinde Bad Berleburg, ein Zusammenarbeiten von mehreren unterschiedlichen Gemeinden in einem Kirchspiel. Erstmal ging es bei dieser dritten Variante darum, so viele kleine Gemeinden zusammenzubekommen, um einen eigenen Pfarrer zu kriegen. Fein säuberlich hatten das BVG Vor- und Nachteile der Möglichkeiten zusammengetragen. Diese wurden erläutert, aber standen auch Schwarz auf Weiß an Stellwänden.

Stimmungsbild

Nach 45 Minuten geballter Information war es an den Besuchern, selbst aufzustehen, eigene Zettel auszufüllen und an die Pinnwand zu hängen. Denn genau darum ging es dem BVG ja, Rückmeldungen und Gedanken aus der Gemeinde zu bekommen. Es ging nicht darum, verbindliche Entscheidungen zu treffen. Der Weg dorthin wird noch weiter sein, das BVG wollte einfach ein Stimmungsbild.

Bis das erste Blatt Papier angeheftet wurde, das dauerte. Aber vielleicht waren zunächst auch die Gespräche viel wichtiger, die sich hier zwischen den unterschiedlichen Leuten ganz zwanglos bei einer Tasse Kaffee und Keksen entwickelten. Dabei stand nicht nur das BVG Rede und Antwort. Superintendent Stefan Berk war ebenfalls nach Diedenshausen gekommen, um sich vor Ort ein Bild von der Situation zu machen. Dafür sprach er mit vielen der Gemeindeversammlungs-Besucher.

Nach und nach landeten doch einige Zettel an der Stellwand. Diese wurden der Versammlung vorgetragen, es gab die Möglichkeit zu weiteren Rückmeldungen. Dabei kristallisierte sich heraus, dass es einige Stimmen gab, die sich deutlich für ein Zusammengehen mit der Lukas-Kirchengemeinde aussprachen, dass aber auch die Kirchspiel-Variante mit einem Fortbestehen von Selbstständigkeit für Andere attraktiv schien, trotz vieler ungeklärter verwaltungstechnischer und rechtlicher Fragen. Außerdem wurde deutlich, dass die Versammlung über die Finanzen der Kirchengemeinde gern mehr wüsste. Interessant eine Wortmeldung, in der unterstrichen wurde, dass man das geforderte stärkere ehrenamtliche Engagement nicht nur als Belastung sehen solle, vielmehr sei das doch gerade bei Arbeit in der Kirche auch Bereicherung und Kraftquelle.

Weiter überlegen

Zum Abschluss in Diedenshausen lobte er schon mal: „Vielen Dank, Sie waren eine sehr lebendige Versammlung.“ Außerdem ermutigte der Gemeindeberater die Zuhörer, auch nach dieser Sitzung weiter zu überlegen und sich an die Leute im BVG direkt zu wenden: „Das Denken ist nicht auf heute Morgen beschränkt.“