Linker aus Röspe will Bürgermeister werden

Erndtebrück..  Haben die Erndtebrücker am 13. September womöglich die Wahl unter vier statt der bislang drei Bürgermeister-Kandidaten? Jedenfalls hat der Rösper Frührentner Siegfried Petri (60), in Wittgenstein Mitglied der Partei „Die Linke“, jetzt seinen Hut in den Ring geworfen. Die nötigen Unterlagen für den überraschenden Wahlvorschlag liegen laut Petri bereits im Erndtebrücker Rathaus. Es gebe da zwar noch „offene Fragen“, die aber wohl nächste Woche geklärt seien.

Hoffen auf Unternehmer-Stimmen

„Ich weiß, dass ich die Wahl nicht gewinne“, räumt sich Petri selbst keine großen Chancen ein. Er setzt aber darauf, sich schon im Wahlkampf mit ureigenen Themen seiner Partei wie fairer Mindestlohn oder Sozialfonds für benachteiligte Menschen zu profilieren. In Sachen Schulpolitik – Stichwort: Privatschule – habe man sich indes noch nicht auf eine Linie festgelegt. Sollte es wider Erwarten doch zum Wahlsieg reichen, könne die Linke ihren politischen Einfluss in der Edergemeinde natürlich vergrößern, meint Petri. Im Erndtebrücker Rat ist die Linke derzeit jedenfalls nicht präsent. Sie war zur Kommunalwahl im Mai 2014 gar nicht erst angetreten.

Stimmen erhofft sich der Kandidat der Linken von Leuten, die unter Lohn-Niveau arbeiten – aber auch von Klein-Unternehmern: Sie in Erndtebrück und anderswo in Wittgenstein vor dem Ruin etwa durch mächtige Konkurrenz großer Betriebe oder Handelsketten zu retten, „wäre ja Aufgabe der FDP gewesen“, findet Petri.

Ferner müssten Arbeitgeber in Erndtebrück einen vernünftigen sozialen Mindestlohn von 12,50 Euro zahlen – dafür will sich der Linke einsetzen. Im Gespräch mit unserer Zeitung berichtet er von einem Wuppertaler Bus-Unternehmen, das sich auf den Transfer von Menschen mit Behinderungen auch in Erndtebrück spezialisiert habe. Und dieses Unternehmen halte sich bei der Lohnzahlung nicht einmal an die Standard-Regeln. Auch eine Reinigungskraft, die bei einem großen Arbeitgeber „im Akkord“ ihren Dienst tue, sei mit einem Stundenlohn von 9,42 Euro im Grunde nicht fair bezahlt, findet Petri.

Nach der Kommunalwahl 2014 saß der 60-Jährige eine Zeitlang für die Linke im Bad Berleburger Stadtrat – bis herauskam, dass er als Kandidat seiner Partei zum Zeitpunkt der Wahl gar nicht im Stadtgebiet wohnte – sondern eben in Rös­pe. Folge: Ausschluss von der Rats­arbeit.

Doch Petri will sich weiter politisch engagieren. Als Frührentner „habe ich Zeit, etwas zu bewegen“, sagt er. Nach einer Lehre zum Kfz-Mechaniker war der gebürtige Puderbacher als Zeitarbeiter unterwegs, bis er selbst eine Zeitarbeitsfirma in Laubach bei Gießen gründete – und 2001 verkaufte.

Sachverstand statt Erfahrung

Und wie sieht es mit Erfahrung aus, um eine Gemeinde als hauptamtlicher Bürgermeister zu führen? Hier würde Petri auf den Sachverstand seiner Kollegen in der eigenen Partei setzen. Und sich zum Beispiel Rat holen bei Jan Schalauske, Jahrgang 1980: Der Landesvorsitzende der hessischen Linken stellt sich in Marburg schon am morgigen Sonntag für das Amt des Oberbürgermeisters zur Wahl.