Laufvögel leben frei in Mecklenburg

Wie wohl sich Nandus in Deutschland fühlen, zeigt eine wildlebende Population von 100 bis 140 Tieren in Mecklenburg-Vorpommern.

Die Vögel gehören damit zu den so genannten Neozoon. Das sind Tiere, die sich durch menschlichen Einfluss in Lebensräumen ansiedeln, in denen sie ursprünglich nicht vorkommen. Der wohl bekannteste Vertreter der Neozoon in Deutschland sind die Waschbären.

Im Jahr 2000 sind mehrere Nandus aus einer Freilandhaltung in Schleswig-Holstein nahe der Landesgrenze zu Mecklenburg-Vorpommern geflüchtet. Im Landkreis Nordwestmecklenburg haben sich die Vögel in der Niederung der Wakenitz, im Raum zwischen Schattin und Herrnburg, sowie weiter südlich bei Utecht angesiedelt. 2012 sollen dort inzwischen 129 Tiere gezählt worden sein.

Landwirte fordern Abschuss

Die südamerikanischen Laufvögel gelten als sehr anpassungsfähig und bewohnen vor allem Stilllegungsflächen mit flächigen Trocken- und Halbtrockenrasen und Kiefernwäldern, sie sollen aber auch auf Grünland, Äckern und in Laubwald beobachtet worden sein. Im Winter suchen die Tiere auf Rapsäckern und Stilllegungsflächen nach Nahrung.

Und hier liegt das Problem: Landwirte und Naturschützer sind uneins. Wegen der Fraßschäden, die die Tiere vor allem auf Rapsfeldern anrichten, fordern die Landwirte den Abschuss der Nandus. Hintergrund ist, dass sie keine Entschädigung für „Wildschäden“ erhalten können, da der Nandu laut Washingtoner Artenschutzabkommen eine geschützte Art ist und deshalb nicht als jagdbares Wild gilt.

Gestützt wird die Forderung nach Abschuss der Tiere auch, weil der Nandu als Invasor hier heimische Arten in ihrem Lebensraum bedrohen könnte.

Bisher geäußerte Befürchtungen von einer möglichen Gefährdung von Bodenbrütern, Reptilien und Insekten haben sich bisher durch Feldforschungen und Magenuntersuchungen aber offenbar nicht bestätigt.