Kulturerlebnis unter Sternenhimmel

Siegen-Wittgenstein..  Eine Woche Kultur im Grünen mit großen Namen: Jan Delay, Eric Burdon, UB 40, „Die Apokalyptischen Reiter“ und viele mehr. Zum 25. Jubiläum legen die Organisatoren von KulturPur noch eine Schippe drauf. Am Rande der kleinen Hilchenbacher Ortschaft Lützel, mitten in der Natur, da, wo sonst allenfalls ein paar Wanderer ihre Runden ziehen, steht die markante Zeltlandschaft diesmal noch zwei Tage länger, soll mit der einzigartigen Mischung aus Natur und Kultur wieder Tausende Besucher locken. Festivalleiter Wolfgang Suttner, seit einem Viertel Jahrhundert fast so etwas wie der Pate der Großveranstaltung, ist sicher, dass sich auch diese sieben Tage vom 19. bis 25. Mai wieder zu einem großartigen Event zusammenfügen. Im Rückblick war das eigentlich immer so.


Was fällt Ihnen ganz spontan ein, wenn Sie an 25 Jahre KulturPur zurück denken?

Wolfgang Suttner:
Der Kontrast zwischen drinnen und draußen. Vor dem Zelt siehst Du Sonne, Regen oder den Sternenhimmel. Drinnen hast Du das Gefühl, in einer großen Show zu sein. Und dann kommst Du raus, und da schaut Dich ein kleiner Fuchs an. Alles schon passiert. In dieser Atmosphäre erlebst Du die Dinge ganz besonders sinnlich.

Was war das persönliche Highlight für Sie in all diesen Jahren?

Ich erinnere mich besonders an den Auftritt von Gilbert Becaud. Als er Natalie sang, kam ein solcher Zauber im Zelt auf, dass er das Chanson unterbrach, weil er von den Emotionen des Publikums so überwältigt war - und noch einmal von vorn anfing.

Wer blieb Ihnen als besonders angenehmer Zeitgenosse in Erinnerung, wer als eher nervig?

Roger Hodgson von Supertramp ist nicht nur toll auf der Bühne, sondern auch erfreulich zuvorkommend im Umgang. 2008 hatten wir Revolverheld, eine junge, ungemein talentierte Band für kleines Geld engagiert, die jetzt nicht mehr zu bezahlen ist. Ian Anderson (Jethro Tull) ist eher unfreundlich, aber auf der Bühne problemlos. Und Milva war hinter der Bühne ausgesprochen schlecht drauf.


Das schlimmste Ereignis in 25 Jahren KulturPur-Geschichte?

.Das war der Sturm beim Konzert der Simple Minds im vergangenen Jahr. Wir hatten eine Großgefahrenlage und mussten mit einem Notfallteam von 20, 30 Leuten entscheiden, wie wir damit umgehen. Es hat dann keine Zugabe gegeben. Wir haben es geschafft, einen Großteil der Besucher schon vom Platz zu bekommen, bevor der Orkan losbrach und wir alle Zelteingänge schließen mussten. Dann kamen die heftigen Böen, aber plötzlich war dann wieder Ruhe. Der Sturm hatte uns nur gestreift und zog weiter nach Düsseldorf, wo er enorme Verwüstungen anrichtete. Wir hatten wirklich großes Glück.


Welcher Künstler war am häufigsten zu Gast?

Hubert von Gosern ist in diesem Jahr das dritte Mal dabei. Er passt mit seiner Mischung aus alpenländischem Rock und Weltmusik auch besonders gut zum Festival. Und fast immer dabei ist natürlich die Philharmonie Südwestfalen. Wir sind übrigens das einzige Festival in Partnerschaft mit einem Sinfonieorchester.
Wen möchten Sie in den nächsten Jahre noch gern auf den Giller holen?

George Eszra hätte ich noch gern dabei. Und Joan Baez - das hätte dieses Jahr fast geklappt. Aber sie kommt erst im Juli nach Deutschland. Und solche Künstler können sich natürlich ihre Auftritte aussuchen.


Wie viele Leute sind nötig, um ein Festival dieser Größenordnung zu stemmen?

Wir haben rund 120 Mitarbeiter, die sich gemeinsam mit Organisationsleiter Jens von Heyden um die Veranstaltung kümmern - das fängt bei der Licht- und Tontechnik an, geht über die Künstlerbetreuung bis zum Ticketing. Dazu kommen 40 bis 50 Leute, die allein für den Rettungsdienst im Einsatz sind. Es handelt sich um eine ­Großveranstaltung, die seit Duisburg mit ­besonderen Auflagen und einer ­großen Verantwortung verbunden ist.


Wie kann man KulturPur für die nächsten 25 Jahre fit halten?

Ich glaube, dass wir dafür gute Voraussetzungen haben. Musik ist heute allgegenwärtig und auf allen digitalen Kanälen abrufbar. Das ersetzt aber nicht das Live-Erlebnis. Andererseits müssen die Künstler häufiger live auftreten, weil sie mit den Konserven nicht mehr so viel Geld verdienen. Die Menschen wollen aber Live-Erlebnisse nicht unbedingt in Riesenhallen haben. Wir bieten einen genussvollen Rahmen, ein sinnliches Konzerterlebnis, dazu immer Klassik und Tanz. Wir verstehen das Festival als Gesamterlebnis. Auf diesem Weg werden wir weiter gehen.