Knapp dem Granatenhagel entgangen

Berghausen..  Der Berghäuser Otto Born (81) vom Schmallenberger Haus erinnert sich an die Kriegsereignisse im April 1945 in Berghausen und Aue und hat für unsere Leser die Geschehnisse aufgeschrieben: Als die Amis näher kamen, seien die deutschen Soldaten, allesamt nur 17 bis 18 Jahre alt, zur Gegenwehr zusammengezogen worden. Sie schossen auf der Helle zwei amerikanische Panzer ab. Daraufhin habe es heftigen Beschuss gegeben, wobei etliche deutsche Soldaten verwundet wurden oder gefallen sind.

In ihren Armen gestorben

An die Gefallenen erinnert heute ein Denkmal am Winterscheid in Berghausen. Die Verwundeten kamen zum Gasthof Grünewald. Von da sollten sie nach Wingeshausen gebracht werden, wo ein Notlazaret eingerichtet worden war. Einer der Soldaten verstarb noch in den Armen der „Grünewalds-Oma“. Er wurde notdürftig unterhalb des Hauses beerdigt und erst später von den Angehörigen umgebettet. „Es gab keine Transportmöglichkeiten nach Wingeshausen. Deshalb musste mein Vater mit seinem Ochsengespann und Leiterwagen, auf dem die verwundeten Soldaten auf Stroh gebettet waren, bei dunkler Nacht über den Berg nach Wingeshausen fahren.“

Volltreffer im Grünewald

Auf dem Rückweg nahm Otto Borns Vater den Rückweg über die Preisdorfstraße. Die war aber durch gefällte Bäume versperrt. Deshalb sei der Vater durch einen alten Steinbruch ausgewichen und über die Felder nach Hause gefahren. Und er hatte mächtiges Glück: „Kaum zuhause angekommen, da wurde die Strecke über das Feld unter Beschuss genommen. Vom Steinbruch bis zum Haus waren es über 30 Granateneinschläge. Der nächstgelegene Treffer schlug kurz vor unserem Haus ein, wobei sämtliche Fensterscheiben zertrümmert wurden. Zum Glück hatten wir keinen direkten Einschlag“, erinnert sich Otto Born. Seine Eltern erinnerten sich später, dass Grünewalds gegenüber drei Volltreffer abbekommen hatten: „Eine Granate durchschlug die Küche und explodierte in der Gaststube im Ofen. Von diesem Ofen hat man nichts wiedergefunden.“ Als dann die US-Armee vorrückte, wurde es für Borns und ihre ausgebombten Verwandten noch gefährlicher: „Das Maschinengewehrfeuer begann. Wir waren mit 15 Leuten im Haus, die in den Keller rannten. Meine Mutter lief als letzte. Im Flur bekam sie noch einen Streifschuss mit“, schreibt Otto Born.

Das ganze Haus wackelte

Im Keller kochte seine Mutter Pellkartoffeln. Dazu gab es Butter, Milch und Eingemachtes aus Gläsern. Alle blieben im Keller, bis die Amerikaner kamen: „Die Amis besetzten das ganze Haus und die Scheune. Die Deutschen starteten von Aue aus einen Gegenangriff. Schnell hatten die Amis 28 Granatwerfer um unser Haus aufgestellt und schossen in Aue etliche Häuser in Brand. Wenn das Kommando Feuer auf Englisch kam und alle schossen auf einmal, dann wackelte das ganze Haus. Nach zwei Tagen zogen die Amerikaner weiter. Kurz darauf war der Krieg aus.“