Klinikprozess endet mit Bewährungsstrafe

Siegen/Bad Laasphe..  Die Staatsanwältin beantragt ein Jahr auf Bewährung. Der Verteidiger findet zehn Monate für ausreichend. Die Kammer entscheidet sich salomonisch für elf Monate. So endet gestern im Siegener Landgericht ein Verfahren, das eigentlich bis März terminiert war und das nun auch strafrechtlich einen Schlussstrich unter das zieht, was 2009 mit dem finanziellen „Aus“ für die HGC-Kliniken in Bad Laasphe begann.

Der Angeklagte L. (58) war einer der beiden Geschäftsführer des Klinikverbundes. Das Verfahren wegen Untreue in einem besonders schweren Fall gegen seine Frau wurde bereits Mitte Januar gegen Zahlung einer Geldbuße eingestellt. Auch bei ihm geht es nicht mehr um den gesamten ursprünglichen Vorwurf, nach dem er größere Summen für den Aus- und Umbau seines neuen Hauses in Marburg von Firmenkonten abgezweigt haben sollte. Nach einer Vereinbarung zwischen Wirtschaftskammer, Staatsanwältin Tanja Sotelsek sowie dem Angeklagten und seinem Verteidiger Harald Wostry bleibt nur noch der Vorwurf, dass L. seiner Frau ab September 2006 ein monatliches Gehalt von 5500, respektive sogar 5850 Euro (insgesamt 134 350 Euro) gezahlt hat, obwohl er mit seinem Partner H. maximal 2000 Euro im Monat vereinbart hatte.

Eigenmächtig entschieden

Nach dem Gesellschaftervertrag hätte jede Gehaltsvereinbarung, die ein jährliches Einkommen von mehr als 40 000 Euro betraf, von beiden Partnern genehmigt werden müssen. H. hatte die Zustimmung bestritten. Sein Mitgesellschafter hätte diese wohl auch nicht gegeben, gibt L. nun zu und zugleich, dass sein eigenmächtiges Verhalten „sicher nicht richtig“ gewesen sei. Zugleich betont der Angeklagte aber noch einmal, dass seine Frau bis 2006 bereits sieben Jahre unentgeltlich viel Zeit und Arbeit in das Unternehmen gesteckt habe. Die Firma sei zu diesem Zeitpunkt in einem sehr guten Zustand gewesen. Er habe den Moment für richtig gehalten, ihre Arbeit endlich vernünftig zu vergüten und ein aus seiner Sicht bestehendes Ungleichgewicht im Verhältnis der Gesellschafter zu beseitigen, kritisiert L. indirekt noch einmal seinen früheren Partner, der ihn 2009 anzeigte. Zusätzlich zum Umfang der investierten Arbeit hätten er und seine Frau sich schließlich noch bereiterklärt, nach Marburg zu ziehen, was eine weitere Belastung gewesen sei.

„Erstschlag“ der Gegenseite

Er stehe doch „ziemlich fassungslos vor diesem Scherbenhaufen“, lenkt Anwalt Harald Wostry den Blick noch einmal auf die Hintergründe. Er selbst habe endlich verstanden, warum einer seiner Kollegen einmal den Grundsatz, „Vor dem Mitwirken der Ehefrauen wird gewarnt“, für das Ausfertigen von Verträgen aufgestellt habe. In der engen Beziehung der beiden Familien liege schon die Keimzelle des späteren Konfliktes in einer Partnerschaft, die „sehr wurstig und hemdsärmelig“ geführt worden sei. Es sei durchaus hinterfragenswert, ob sein Mandant „ganz allein auf die Anklagebank gehört“. Die Gegenseite habe in diesem Fall einfach „einen gut vorbereiteten Erstschlag“ geführt. L. habe alles verloren, das Marburger Haus „mit Schulden verkauft“, keine Chance mehr auf eine ähnliche Stellung und müsse sich mühsam eine neue Existenz aufbauen. Der Angeklagte will sein Geld künftig als Dozent verdienen.

Die Vorsitzende Richterin Elfriede Dreisbach geht in ihrer Begründung auf die „Hemdsärmeligkeit“ ein. Beide Seiten hätten „getrickst“ und ausgelotet, was gehe. Dabei habe L. eine Grenze überschritten, sei allerdings auch nicht genug von H. kontrolliert worden. Weitere Straftaten des nicht vorbestraften Mannes seien nicht zu erwarten. Für die von der Staatsanwätin geforderten 150 Sozialstunden sieht sie keinen Raum, da diese nicht Teil der Vereinbarung gewesen seien.