Kleiber zimmert sich seine Tür passend
02.03.2011 | 13:52 Uhr 2011-03-02T13:52:00+0100
Wittgenstein.Zum Nabu-Aufruf „Stunde der Wintervögel“, in dem alle Teilnehmer zur Beobachtung ihrer Gartenvögel im Winter aufgerufen waren, hat es der Kleiber, ein hübscher Vogel mit orangefarbenen Flanken und einer blaugrauen Oberseite nur auf Platz 11 gebracht.
Was uns hier in Wittgenstein verwundern muss, denn der Kleiber ist im Rothaargebirge ein häufiger, fast allgegenwärtiger Wald- und besonders im Winter auch Gartenvogel, der darüber hinaus auch gerne unsere Wintervogelfutterhäuschen aufsucht. Sein Bestand in Westfalen und insbesondere im Rothaargebirge hat sich in den letzten Jahren kontinuierlich vergrößert.
Er ist ein lebhafter Vogel, der Laub-, Misch- und Nadelwälder sowie Parks und Obstgärten bewohnt und alte Bäume liebt, an denen er nach Nahrung suchen kann. Reine Fichtenforste mag er aufgrund des Fehlens alter Bäume nicht so. Insbesondere im Bad Berleburger Schloßpark ist er das ganze Jahr über zu beobachten - und vor allem zu hören. Denn er ist ein überaus lautfreudiger Geselle, dessen metallisches „Tuit-tuit-tuit…“ besonders in Erregung oft und weithin zu hören ist.
Auch sein Reviergesang, ein lautes, pfeifendes „Wihe-wihe-wihe“, welches nicht nur im frühen Frühjahr durch Wälder und Parks klingt, ist unverkennbar und kündigt die bevorstehende Paarungszeit an, bei der es schon im zeitigen Frühjahr, wenn die Knospen der Buchen noch sprießen, auch nicht immer gerade leise zugeht.
Kleiber ernähren sich von Insekten, Larven, Puppen und Spinnen, die sie geschickt in der rissigen und borkigen Rinde alter Bäume suchen. Im Winter nehmen sie, wie andere Singvögel auch, gerne Körner und Sämereien auf. Wobei Kleiber, ähnlich wie Tannenhäher auch, Nüsse geschickt in Vertiefungen klemmen und diese dann mittels ihres vergleichsweise kräftigen Schnabels zertrümmern können.
Die sprichwörtliche Kleiber-Geschicklichkeit rührt daher, dass er als einziger Vogel Mitteleuropas mit dem Kopf voran (kopfunter) am Baumstamm hinabklettern kann.
Kleiber sind Höhlenbrüter und benutzen natürliche Baumhöhlen, nehmen aber auch gerne Nistkästen an. Sollten die Bruthöhlenöffnungen für diesen bis zu 14 Zentimeter „kleinen“ Vogel für ihn einmal zu groß erscheinen, ist es auch kein Problem, denn er ist in der Lage, diese einfach passend zuzumauern.
Vermenschlichend betrachtet könnte man den Kleiber als geschickten, kontaktfreudigen, kommunikationsfreundlichen Zimmerer- und Maurergesellen beschreiben, dem es nicht nur aufgrund seines schieferblaugrauen Obergefieders bei uns in Wittgenstein ausnehmend gut gefällt.
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