Karl Ludwig will in den Kreistag, Frau Anne auf die Reserveliste
11.08.2009 | 15:32 Uhr 2009-08-11T15:32:00+0200
Bad Laasphe. (km) Stadtentwicklung, Wirtschaft, Bildung, Umwelt - in all diesen Themenbereichen möchten Bündnis 90/Die Grünen in Bad Laasphe auch in Zukunft eigene Akzente setzen - innerhalb des „Familienbetriebes” diesmal in etwas anderer Konstellation:
Während sich Karl Ludwig Bade nach gut 30 Jahren im Rat diesmal um ein Kreistagsmandat bewirbt, führt Anne Bade bei der Kommunalwahl die Reserveliste an und möchte im Rat darauf hinwirken, dass Konzept, die der Kreistag entworfen hat, vor Ort auch umgesetzt werden.
„Nach 15 Jahren zieht man Bilanz und fragt: Was konnte man erreichen?”, sagt sie. Und dabei sei deutlich geworden, dass beispielsweise in ihrem Schwerpunktbereich Jugendhilfe und Soziales, in den letzten Jahren auf Kreisebene in strategischen Sitzungen viel initiert worden sei, was viel Geld gekostet habe, ohne dass sie konkret nachvollziehen konnte, was in den Kommunen denn tatsächlich daraus wird. Zum Beispiel aus einer Maßnahme gegen die Kinderarmut in Form der Kostenübernahme für das Mittagessen in Kindertagesstätten. Oder aus den Ideen, die im Rahmen des Projektes Leben und Wohnen im Alter entwickelt wurden. Da nutze es nichts, wenn ein Mehrgenerationenhaus nur als Schlagwort auf dem Papier stehe. „Das muss gelebt werden.”
Und das gehe nur, wenn nicht im Rathaus Politik über die Köpfe der Betroffenen hinweg gemacht werde. Als schlechtes Beispiel führt hier Ratsmitglied Matthias Mellmann die Entscheidung über die Mittel aus dem Konjunkturpaket an. Da habe die Verwaltung eine Liste erstellt, und die sei auch so beschlossen worden. Erst in der zweiten Runde, als es um die verbliebenen Gelder ging, sei überhaupt mit den Fraktionsvorsitzenden gesprochen worden. Und das Argument, es seien Maßnahmen ausgewählt worden, mit denen Energieeinsparungen erzielt werden könnten, ziehe auch nicht, denn die seien für die einzelnen Maßnahmen gar nicht berechnet worden, deshalb konnte auch gar keine richtige Prioritätenliste aufgestellt werden.
Und nicht nur bei der Verteilung des Konjunkturpaketes seien die Ortsteile „vergessen” worden. Auch das Einzelhandelsgutachten ist nach Auffassung der Grünen passend für das Projekt Bebauung des Koch'schen Geländes zugeschnitten worden, ohne dass die künftige Nahversorgung außerhalb der Kernstadt ausreichend bedacht worden sei. „Das Obere Lahntal ist bewusst ins Aus gesetzt worden.” Das Gelände an der Stockwiese hätten die Grünen lieber weiterhin als Industriegebiet gesehen, denn der Bereich Lahnaue sei für diesen Zweck durchaus problematisch.
Dass hier jedoch die Uhren nicht zurückzudrehen sind, wissen auch die Grünen - auch mit einem neuen Bürgermeister nicht. Und wer sollte das am besten werden? „Wir sind genauso gespannt wie alle Laaspher Bürgerinnen und Bürger”, sagt Anne Bade. „Jeder hat für sich gute Ansätze und wir könnten mit jedem auskommen.”
Nachdrücklich einsetzen wollen sich die Grünen im neuen Rat dafür, dass die Bad Laaspher Schullandschaft in ihrer jetzigen Breite erhalten bleibt. Grundschulen zu schließen macht in den Augen von Anne Bade keinen Sinn. Denn demografische Entwicklung hin oder her - die Zahl der Kinder, die in ihren Familien nicht ausreichend gefördert werden, steige. Und in Klassen mit über 20 oder gar 30 Kinder könne die Schule hier nicht ausgleichen. Und bevor man von Schulschließungen spreche, sollte man über andere pädagogische Konzepte nachdenken. Eine Gemeinschaftsschule oder zumindest eine Verlängerung der Grundschulzeit auf sechs Jahre halten die Grünen für sinnvoll.
Und das klassische „grüne” Thema Umwelt? Der städtische Umweltausschuss sei zu einem Baumentfernungsausschuss verkommen, kritisieren Matthias Mellmann und Anne Bade. Auch in einer waldreichen Region sei es sinnvoll über innerörtliche Begrünung nachzudenken und dafür neue Konzepte zu erstellen - „es müssen nicht immer Bäume sein”.
Im Kreistag will sich KarlLudwig Bade für Wittgensteiner Belange einsetzen. Die Erschließung über die Kreisstraßen und der Öffentliche Personennahverkehr sind für ihn dabei wichtige Themen. Und auch demnächst im Ruhestand liegt ihm natürlich die Erhaltung des Berufskollegs Wittgenstein am Herzen.
Politikverdruss? Parteiinterne Querelen? Offenbar Fremdwörter für die Bad Laaspher Grünen. „Wir nehmen die Sache durchaus ernst, aber Kommunalpolitik macht man in seine Freizeit, und das soll schließlich auch Spaß machen.”
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