Kaiserlich in den 2. Tag
08.07.2009 | 16:30 Uhr 2009-07-08T16:30:00+0200
Bad Berleburg. „Die Idee, die ganze Hanskov-Familie einzuladen, stammt von ihm”: mit strahlenden Augen zeigte Kontrabassistin Mette Hanskov auf Otto Marburger, den ersten Vorsitzenden der Kulturgemeinde.
Eröffnet wurde der zweite Tag der Festwoche vom Twins-Quartett mit dem „Poco Adagio cantabile”-Satz aus Joseph Haydns Streichquartett in C-Dur op. 76/3, Hob.III:76, dem „Kaiserquartett” - musikalische Grundlage der deutschen Nationalhymne. Haydn behandelt die auf einem Volkslied der burgenländischen Kroaten basierende Melodie in einer Art Choralvariation als Cantus firmus. Nach homophonem Auftakt übernahmen jeweils zweite Violine, Violoncello und Bratsche das Thema, stimmungsvoll umspielt von ein, zwei oder drei der anderen Streicher, sphärisch im Pianissimo entrückt endend.
Angeblich soll Wolfgang Amadeus Mozart das „Kegelstatt-Trio”, KV 498 beim geselligen Kegeln entworfen haben. Zumindest ist die Wahl der Instrumente und der Satzfolge, mit einleitendem Andante und dem Menuetto in der Mitte, recht ausgefallen. Perlend leicht, mit fröhlichen Trillern und dann wieder mit energischen Akkorden behauptete sich das Klavier (großartig: Katrine Gislinge) gegen die angeregt mit der Viola (Elena Alekseeva) parlierende Klarinette (John Kruse).
Welch ausgefeilte Technik, kombiniert mit Einfühlsamkeit und Ausdruckskraft Katrine Gislinge zu eigen ist, zeigte sie gleich darauf bei Joseph Haydns „Konzert für Klavier und Streicher in D-Dur, Hob.XVIII:11.” Filigran bis schwergewichtig und im abschließenden Allegro assai voll feurigen Temperaments spielte sie. Schwungvoll war Luz Leskowitz Eröffnung auf seiner „Ex-Prihoda-Stradivarius” aus dem Jahr 1707, herzergreifend der Violinengesang im innehaltenden zweiten Satz.
Nach zwei slawischen Tänzen op. 46 für Klavier zu vier Händen von Antonin Dvorak begleitete Lise Hanskov ihre Nichte Marie bei der „Introduktion und Tarantella für Violine und Klavier” von Pablo Sarasate. Eine wahre Teufelsgeigerin ist Marie: zart und flirrend hoch, dann wieder dunkel und breit ausladend war die Führung ihres Bogens, zwitschernd hellen Passagen folgten vehemente Gefühlsausbrüche. Ein weiteres Schmankerl war Morton Goulds „Benny's GIG für Klarinette und Kontrabass”: beschwingt oder melancholisch verhallend John Kruses Klarinette, während Mette Hanskov beim Pizzikato geradezu mit den Kontrabasssaiten tanzte, im dritten Satz den Korpus zum Trommeln benutzte.
Dänische Volksweisen hatte Joergen Hanskov für seine Familie arrangiert, wobei Tochter Kristine in Mettes kontrabassistische Fußstapfen trat, John Kruse mit virtuosen Klarinettenspiel imponierte, die übrigen Streicher Temperament und Witz entwickelten. Das großartige Konzert endete mit Edvard Griegs „Norwegische Tänze op. 35 für Klavier zu vier Händen”. Ein farbenfrohes, facettenreiches Stück voller Überraschungen; mit vorwiegend ruhigem Part von Lise Hanskov und einem unvergleichlich tollen pianistischem Hexenritt Katrine Gilslingers.
0mitdiskutieren