Junge Frau hätte um ein Haar ihren Job verloren

Was wir bereits wissen
Diverse Stellen hat der mutmaßliche Hochstapler für seinen "Betrieb" in Wittgenstein ausgeschrieben. Eine junge Frau fiel fast darauf hinein.

Buchhalter, Lkw-Fahrer, Hauswirtschafterin, Handwerker und Gartenbauer. All diese Positionen wollte der mutmaßliche Hochstapler in seinem neuen Betrieb in Wittgenstein besetzen. Dafür hat er im Internet über die Bundesagentur für Arbeit Stellenangebote aufgegeben. Und zwar in zwei Phasen.

Phase eins lief im vergangenen Oktober an. Es meldeten sich Bewerber, die sich teilweise sogar in dem in Sassenhausen angemieteten Büro vorstellten. Zu einer Anstellung ist es nach Informationen unserer Zeitung in keinem Fall gekommen.

Von Anfang bis Mitte März lief Phase zwei: Hier ging es dem vermeintlichen Arbeitgeber um eine „Kaufmännische Fachkraft“, die als „Assistenz der Geschäftsführung ab sofort in Vollzeit und unbefristet“ ihre Stelle antreten sollte. Tatsächlich meldete sich eine junge Dame bei dem Stellenanbieter. Der empfahl ihr einen sofortigen Aufhebungsvertrag des derzeitigen Arbeitsverhältnisses, weil er sofort Unterstützung brauche.

Glücklicherweise besitzt die Frau ein gesundes Misstrauen; denn „150 neue Pferdeboxen bei Stünzel“, wie der künftige Gutsbesitzer angab, kamen der Frau verdächtig vor. Sie meldete sich in unserer Lokalredaktion. Als sie das Recherche-Ergebnis erfuhr, war klar: Für diesen Job wird sie ihre jetzige Stelle nicht kündigen.

Und wenn sie es doch getan hätte? Dann stünde sie jetzt wahrscheinlich auf der Straße und könnte sich bei der Bundesagentur für Arbeit melden. Genau bei dieser Behörde hat unsere Zeitung nachgefragt: Kann das Arbeitsamt die Internet-Inserate auf Richtigkeit überprüfen? Wird der Auftraggeber auf Seriosität durchleuchtet?

Das beantwortet die Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit in Siegen, Dr. Bettina Wolf, auf Anfrage: „Wir prüfen die Rahmenbedingungen für eine Anmeldung als Stellenanbieter und geben dann in der Regel einen Berechtigungscode.“ Gecheckt werde auch, ob die angebotenen Stellen den gesetzlichen Vorschriften entsprechen; aber „aufgrund der Datenschutz­bestimmungen haben wir keinen gläsernen Kunden. Wenn wir allerdings erkennen können, dass es sich um ein schwarzes Schaf handelt, werden wir sofort tätig.“

Dankbar für diese Hinweise

Die Recherche-Ergebnisse der Wittgensteiner Heimatzeitung, so Dr. Wolf, „tragen dazu bei, dass wir auf missbräuchliche Nutzung der Jobbörse sofort reagieren können“. Daher sei sie „sehr dankbar für diese Hinweise“ (auf den mutmaßlichen Hochstapler, die Red.), „so kommen wir an solche Menschen heran, die andere mit ins Verderben ziehen.“